Winterthur

Steigmer wollen ihren 11-er zurück

In knapp zwei Monaten gelten die neuen Fahrpläne. Die meisten Quartiere in der Stadt profitieren. Fast die Hälfte der Verbindungen verliert das Quartier Steig, weil Stadtbus die Linie 11 streicht. Doch der Protest dagegen kommt zu spät.

Bald ein Bild der Vergangenheit: Die Linie 11 wird im Dezember gestrichen.

Bald ein Bild der Vergangenheit: Die Linie 11 wird im Dezember gestrichen.

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Wer im Stadtrandquartier Steig den 11-er-Bus verpasst, hat gerade nochmals Glück gehabt. Wenige Minuten später folgt von Brütten her der 660-er, der ebenfalls ins Zentrum fährt. Mit dem Fahrplanwechsel per 9. Dezember fällt diese Option nun weg. Stadtbus Winterthur streicht den 11-er und «integriert» ihn in die 660-er-Linie, wie es offiziell heisst.

Die gute Nachricht: Neu fährt der 660-er am Sonntag häufiger. Dennoch bedienen de facto künftig nur noch etwa halb so viele Busse die Station Steig. Werktags ändert sich am Takt kaum etwas (Stosszeiten viertelstündlich, ausserhalb generell halbstündlich), womit sich die Kapazität praktisch halbiert.

Weniger Steig, mehr Tössfeld

Stossend für die Anwohner ist, dass Stadtbus bei fast allen anderen Linien Verbesserungen einführt, wie neue Früh- und/oder Spät-Verbindungen (siehe Info-Box). Die Steigmer fühlen sich – einmal mehr – stiefmütterlich behandelt, ja abgehängt.

«Stadtbus hat die flächendeckenden Verbesserungen gross angekündigt. Natürlich sind wir davon ausgegangen, dass auch wir profitieren werden. Stattdessen ist das Gegenteil passiert»

«Stadtbus hat die flächendeckenden Verbesserungen gross angekündigt. Natürlich sind wir davon ausgegangen, dass auch wir profitieren werden. Stattdessen ist das Gegenteil passiert», sagt Claudia Mancini vom Steig-Forum, in dem sich die Anwohner organisiert haben.

Der 11-er wird aus Kostengründen aufgehoben, damit im zentral gelegenen Tössfeld die Busse häufiger und länger verkehren können. Für die Steig mit seinen rund 840 Bewohnern, bleibe das Angebot auch mit dem neuen Fahrplan «adäquat», meint Stadtbus. «Das sehen wir definitiv anders», sagt Mancini.

Eine Info-Veranstaltung hielt Stadtbus erst vor einem Monat ab, nachdem der Quartierverein Dättnau-Steig eine solche explizit verlangt hatte. Dort stellten sich, wie bei den stadtweit anderen acht Anlässen, die Angebotsplaner von Stadtbus den Fragen der Anwohner.

Das sei zwar gut angekommen, konnte den Quartierverein aber nicht davon abhalten, sich in je einem Brief mit gesammelten Unterschriften der Anwohner an Stadtbus-Direktor Thomas Niederöst und Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) zu wenden. Darin bemängelt die Vereinspräsidentin Renata Tschudi, dass die Verbindungen abnähmen, überfüllte Busse und damit (noch) mehr Verspätungen drohten.

Gefährliche Querung

Zudem fürchte man um die Sicherheit der jüngsten Fahrgäste. Weil die Haltestelle Steig nicht mehr als Endhaltestelle diene und der 660-er stadtauswärts nur am Strassenrand halte, müssten Schülerinnen und Schüler künftig die viel befahrene Steigstrasse überqueren.

Die Steig ist ein Familienquartier mit hohem Ausländeranteil und einer hohen sozialen Belastung. Medial kam das Quartier überregional ins Gerede, weil sich vor vier Jahren zwei minderjährige Geschwister in den Jihad nach Syrien abgesetzt hatten.

Die Stadt verfolgt in seinem «Sozial-Monitoring» die Entwicklung dieses «Lupen-Quartiers» seit ein paar Jahren genauer. Bereits 2012 hatte der Stadtrat eine Sozialraumanalyse in Auftrag gegeben, um zu eruieren, wie sich die Steig besser ins Quartier- und Stadtleben integrieren liesse.

Inzwischen tut sich etwas. Gerade in diesem Jahr ging offenbar ein spürbarer Ruck durch das Quartier, angestossen durch kleine Feste, einen Flohmarkt oder ein Fussballturnier, bei dem selbst zwei Stadträte aufliefen. Auch die städtische Quartierentwicklung ist mit einer Mitarbeiterin vor Ort wieder präsent. «Umso mehr irritiert hat uns dann die Nachricht, dass der 11-er gestrichen wird», sagt Mancini.

Im Alltag beschäftigen die Steigmer seit Jahren vor allem zwei Probleme: Sperrmüll-Berge am Strassenrand und das Parkplatz-Chaos. «Angesichts der allseitigen Bemühungen, die Steig besser zu integrieren und das Parkplatzproblem zu entschärfen, möchten wir Stadtbus bitten, die Busanbindung der Steig zu verbessern, statt zu verschlechtern», mahnt Tschudi im Brief an den Stadtbus-Direktor. Hoffen auf 2020

Doch der Fahrplan steht. Mindestens ein Jahr müssen die Steigmer nun mit dem 660-er Vorlieb nehmen oder die 340 Meter bis zur nächsten Station zurücklegen, wo der 5-er bald früher und bis Betriebsende alle 15 Minuten fährt. Hoffen dürfen die Steigmer auf den Fahrplan 2020, gültig ab Ende 2019.

Nach den Reaktionen aus dem Quartier wird man gemäss Stadtbus-Sprecher Reto Abderhalden «vertieft prüfen», ob dort Verbesserungen für die Steig möglich seien. Fakt ist, dass der Kostendeckungsgrad beim 11-er mit knapp 30 Prozent vergleichsweise tief ist (Stand 2013; 5-er: 47 Prozent). Sich frühzeitig einbringen

Beim Quartier Dättnau-Steig ist man nun jedenfalls gewarnt. «Wir werden beim nächsten Mal die Gelegenheit auf jeden Fall nutzen und uns rechtzeitig einbringen», sagt Tschudi.

Möglich ist dies im sogenannten Fahrplanverfahren. Die neuen Pläne liegen jeweils zwei Wochen öffentlich auf. In dieser Frist haben die Bewohner Zeit, ihre Anliegen bei der Stadt zu deponieren, die später an der Regionalen Verkehrskonferenz diskutiert werden. (Der Landbote)

Erstellt: 12.10.2018, 12:22 Uhr

Neuer Fahrplan

Was sich mit dem Fahrplanwechsel ab dem 9. Dezember für welche Busline ändert:


  • • Linie 2 (Wülflingen–Seen): Neue Frühverbindungen zum HB.

  • • Linie 3 (Rosenberg–Oberseen): Eine neue Frühverbindung vom Rosenberg zum HB; verschobene Abfahrtszeiten ab 21 Uhr für neue Zuganschlüsse.

  • • Linie 4 (Breite): Unverändert.

  • • Linie 5 (Dättnau–Technorama): Neuer Viertelstundentakt; Haltestellen Hedy Hahnloser, Neubruch, Bolrebenweg und Finkenrain immer in beiden Richtungen bedient; zwei neue Frühverbindungen vom Dättnau zum HB.

  • • Linie 7 (HB–Bahnhof Wülflingen): Zusammenlegung mit Linie 14 und Verlängerung bis Bännebrett in Elsau; Haltestellen Stäffelistrasse, Hegi im Gern und Chli-Hegi werden in beide Richtungen bedient, Bahnhof Hegi und Hofackerstrasse werden nicht mehr bedient; neuer Viertelstundentakt (zu Stosszeiten 10-Minuten-Takt); neue Früh- und Spätverbindungen zum und vom HB.

  • • Linie 9 (Seen–Eidberg): Neuer Halbstundentakt (zu Stosszeiten Viertelstundentakt); Bus fährt ganztägig vom Bahnhof Seen via Eidberg bis nach Klösterli Iberg und zurück direkt via Gotzenwil; alle Haltestellen immer zum Einund Ausstieg bedient; verschobene Abfahrtszeiten wegen Anpassung an die S-Bahn.

  • • Linie 10 (HB–Oberi): Neuer Viertelstundentakt (zu Stosszeiten 10-Minuten-Takt); neue Frühverbindungen zum HB.

  • • Linie 11 (HB–Steig): Einstellung/ Integration in die Linie 660 nach Brütten–Nürensdorf–Bassersdorf; neuer Halbstundentakt am Sonntag.

  • • Linie 12 (Bruderhaus): Unverändert.

  • • Linie 14 (HB–Hegi): Einstellung/ Integration in die Linie 7 (siehe dort).


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