Andelfingen

Tag und Nacht ist er gerannt

Der 45-jährige Andelfinger Julian Schneckenburger hat einen 230-Kilometer langen Non-Stop-Lauf absolviert. Und sich die Zeit unter anderem mit Kopfrechnen vertrieben.

Julian Schneckenburger konnte bereits zwei Tage nach dem Wettkampf wieder über Pfosten springen.

Julian Schneckenburger konnte bereits zwei Tage nach dem Wettkampf wieder über Pfosten springen. Bild: Madeleine Schoder

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Um 8 Uhr morgens ist Julian Schneckenburger im deutschen Winterberg gestartet. 230 Kilometer und 28,5 Stunden später ist er in Duisburg über die Ziellinie gelaufen. Der Andelfinger hat sich selbst übertroffen.

Eine Zeit unter 30 Stunden hatte er für die «Tortour de Ruhr» angepeilt. Und hat sie mehr als erreicht. Der Schnellste brauchte für den Ultralauf der Ruhr entlang gut 24 Stunden.

«Auf den letzten 20 Kilometern wollte ich nur noch meine Ruhe.»Julian Schneckenburger

120 Läufer waren gestartet, 45 Prozent kamen gar nicht erst ins Ziel. Schneckenburger wurde vierter und verpasste damit nur knapp das Podest.«Ich hätte nie gedacht, dass ich das in dieser Zeit schaffe», sagt der 45-Jährige. Das Längste, was er vorher je am Stück gerannt war, sind 200 Kilometer. Dass seine Beine ungefähr nach 120 Kilometern zu schmerzen beginnen würden, wusste er. Denn er hatte das schon mehrmals erlebt. «Und das blieb auch diesmal bis zum Ziel so», sagt er.

Aber damit könne man sich abfinden. Abgesehen von einem leicht geschwollenen Fussgelenk («ich bin wohl etwas zu schnell gestartet») und einer kleinen Blase am Fuss zog er sich keine weiteren Blessuren zu. Zwar fühlten sich seine Beine knapp zwei Tage nach dem Lauf noch etwas schwer an. Doch er hat nur einen Feiertag zur Erholung genutzt. Danach erschien er wieder zur Arbeit. Schneckenburger ist Betriebsmechaniker in einer Firma in Frauenfeld.

«Es funktioniert einfach»

Wie aber schafft man es, sich während des Wettkampfes über eine derart lange Zeit immer wieder und vor allem nachts zu motivieren? Er könne sich das auch nicht erklären, sagt Schneckenburger. «Es funktioniert einfach.» So denke er etwa an das Bier, das er im Ziel trinken werde.

Und: «Ich rechne viel.» Beispielsweise, wie viel Prozent der Strecke er bereits zurückgelegt habe. Oder wann er bei der Geschwindigkeit, mit der er gerade unterwegs sei, im Ziel ankomme. Und je müder er werde, desto länger brauche er fürs Rechnen.

 «Ich habe mich zu 90 Prozent von Biberli ernährt»Julian Schneckenberger

Und dann sei ja auch noch ein Begleitteam dabei gewesen, das ihn während der ganzen Zeit mit Essen und Trinken versorgt hat. «Ohne sie hätte ich das nicht geschafft», sagt er. Seine Helfer haben sich zu zweit auf dem Fahrrad abgewechselt. Dabei war auch Schneckenburgers Freundin.

Ein weiterer Kollege fuhr mit dem Auto mit. Etwa alle 20 Kilometer haben sie sich getroffen. Damit sich die Begleitperson auf dem Velo wieder neu mit Verpflegung eindecken konnte. «Ich habe mich zu 90 Prozent von Biberli ernährt», erzählt Schneckenburger. Der Rest der Nahrung bestand aus Bouillon, Kartoffelstock und einem isotonischen Getränk.

Freunde fieberten mit

Seine Freunde haben mitgefiebert, obwohl sie nicht vor Ort waren. Das Begleitteam hat sie über eine Whattsapp-Gruppe laufend über den Verlauf des Wettkampfes und den Zustand des Läufers informiert. «Sie haben mich auch während des Laufes interviewt», erzählt Schneckenburger. «Das hat mich abgelenkt und gleichzeitig angespornt.»

Dass Schneckenburger am Lauf überhaupt teilnehmen konnte, ist nicht selbstverständlich. Denn wie es auf der Website des Veranstalters heisst, ist es eine «private Verabredung zum Laufen». Der Organisator entscheidet also, ob er jemanden einlädt oder nicht. Das hat seinen guten Grund. Denn die Bewerber sollen eine gewisse Erfahrung im Ultralauf mitbringen. Die «Tortour de Ruhr» ist einer der längsten Non-Stop-Läufe Deutschlands.

Das Lauffieber hat den Andelfinger vor rund zehn Jahren gepackt. Als ihn seine Schwester und seine Freundin erstmals auf eine Fünf-Kilometer-Runde mitnahmen. Dann wurden die Strecken immer länger. «Denn da kommt es nicht so sehr auf die Schnelligkeit an», sagt Schneckenburger. Und das liegt ihm. «Je länger man läuft, umso mehr kann man die schönen Kilometer geniessen.» An der Tortour wurde es erst auf den letzten 20 so richtig hart. «Das hat keinen Spass mehr gemacht. Ich wollte nur noch meine Ruhe.»

Mittlerweile hat der Andelfinger mehrere über 100-Kilometer- und einige 24-Stunden-Läufe absolviert. Welchen Wettkampf er als nächstes in Angriff nehmen will, hat er noch nicht entschieden. Reizen würde ihn der Deutschlandlauf über 19 Etappen und 1300 Kilometern im nächsten Jahr, für den er einen Startplatz gewonnen hat. (Der Landbote)

Erstellt: 29.05.2018, 17:53 Uhr

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