Abstimmung

Tages-GA für Winterthur kommt an die Urne

Seit bald zehn Jahren vermittelt die Stadt der Bevölkerung vergünstigte ÖV-Tageskarten. Dieses Angebot ist bei vielen Leuten beliebt. Nun ist die Stadt gezwungen, diese Praxis vors Volk zu bringen, obschon sie nie Kosten verursachte.

Seit 2009 bietet die Stadt Winterthur die Gemeinde-Tageskarten der SBB an.

Seit 2009 bietet die Stadt Winterthur die Gemeinde-Tageskarten der SBB an. Bild: Patric Spahni

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Jahrelang lief alles rund und gut, auch ohne Volksabstimmung. Seit 2009 kauft die Stadt bei den SBB eine gewisse Anzahl sogenannter Gemeinde-Tageskarten. Am Anfang waren das 10, 15 Stück pro Tag, doch je populärer das Angebot wurde, desto mehr Karten erwarb die Stadt. 2017 waren es 50 Karten pro Tag, das Maximum für eine Stadt mit einer Bevölkerung von über 100 000 Personen. Die Stadt zahlt pro Tageskarten-Satz und Jahr 14 000 Franken und verkauft die einzelnen Tickets dann etwas teurer weiter an die Bevölkerung.Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt können die Tageskarten maximal zwei Monate im voraus online reservieren, man kann sich die Karten schicken lassen oder sie im Superblock abholen. Der Preis seit Oktober beträgt 44 Franken an Werktagen, 51 Franken an den Wochenenden. Zum Vergleich: Aktuell verkaufen die SBB ihre Tageskarten zum Halbtax für 75 Franken, Spar­tageskarten gibts ab 52 Franken.

In zehn Jahren nie draufgelegt

Die Stadt kann ihre Preise selber festlegen, trägt aber auch das Risiko: Im besten Fall verdient sie einige Zehntausend Franken, im schlechten Fall verliert sie Einiges. Der schlechte Fall ist in all den Jahren jedoch noch nie eingetreten: Die Auslastung lag zwischen 2009 und 2017 stets zwischen 91,8 und 99,3 Prozent; die Stadt legte also nie drauf, im Gegenteil. Und das soll so bleiben. Weil die Nachfrage in den letzten beiden Jahren etwas zurückging, hat die Stadt für 2019 nicht mehr 50, sondern nur noch 45 Sätze gekauft. Das ergibt Einkaufskosten von 45 mal 14 000: macht 630 000 Franken. Dazu werden 20 000 Franken Aufwand für die Verwaltung verrechnet.

Finanzkontrolle intervenierte

Wie eingangs gesagt: Bisher hat die Politik dieses Zückerchen für die Bevölkerung stets ohne irgendeine Finanzdebatte geschluckt. Im Rahmen einer Überprüfung nach dem Stadtwerk-Skandal aber stellte die Finanzkontrolle fest: Von Gesetzes wegen brauche es für dieses Geschäft eine Legitimation. «Ausgaben dürfen nicht mit Einnahmen aufgerechnet werden, wenn die Einnahmen nicht vorgängig rechtsverbindlich zugesichert sind», schrieb der Stadtrat am Donnerstag in einer Mitteilung. Darin kündigt er eine Volksabstimmung zum Thema Tageskarten am 10. Februar 2019 an. Der Gemeinderat hat dem Kreditantrag vor einigen Wochen bereits überdeutlich zugestimmt: mit 53 zu 1.

Wer bisher noch nie Gebrauch machte von diesem Angebot, dem sei dieser Hinweis gegeben: Auf der Internetseite der Stadt Winterthur «Tageskarte Gemeinde» suchen; um zu reservieren oder zu kaufen, wird man auf eine andere Seite weitergeleitet. Dort findet man mit zwei Klicks leicht heraus, ob für das gewünschte Datum noch Tageskarten zu haben sind. Doch wieso gibt es dieses Angebot überhaupt? Die Frage wird nicht von den SBB beantwortet, sondern von der ÖV-Branchenorganisation ch-direct: «Man wollte ursprünglich (ab 2003) ein Publikum ausserhalb der Bahnhöfe erreichen und nicht ÖV-affinen Personen mit einem günstigen Angebot die öffentlichen Verkehrsmittel näher bringen.» (mgm)

Erstellt: 29.11.2018, 11:19 Uhr

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