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Die Schlinge um den «Emir von Winterthur» zieht sich langsam zu

Der «Emir von Winterthur» ist mit seiner Beschwerde beim Bundesstrafgericht abgeblitzt. Er bleibt drei weitere Monate in Untersuchungshaft. Seine einstige Geliebte zeichnet von ihm das Bild eines gezielten Jihad-Rekrutierers.

Galt als Leitwolf in der Winterthurer Islamistenszene: Der Konvertit S..
Galt als Leitwolf in der Winterthurer Islamistenszene: Der Konvertit S..

Die Liste mit den Vorwürfen, welche die Bundesanwaltschaft gegen den mutmasslichen Drahtzieher in der lokalen Islamistenszene anführt, ist lang. S. wird dringend verdächtigt, sich dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen und seit 2012 Muslime für den Heiligen Krieg rekrutiert zu haben, unter anderem auch das Tössemer Geschwisterpaar. Er, der die beiden seit klein auf kannte, soll sie Ende 2014 an den Flughafen gefahren haben, als sie über die Türkei nach Syrien reisten. S. selbst war im Kriegsgebiet bei Aleppo im Einsatz. Er behauptet, bei einem humanitären Hilfseinsatz – wenn auch teilweise schwer bewaffnet und uniformiert. Weiter legen Recherchen der «Rundschau» nahe, das S. in Winterthur die Gratis-Koranverteilaktion «Lies!» etabliert haben soll. Seither ist er in den Medien als der «Emir von Winterthur» bekannt.

Und dann gilt S. noch als Gründer der Kampfsportschule MMA Sunna in der Grüze. Nach einjährigen Ermittlungen wurde der «Islamisten-Leitwolf» im Februar 2016 schliesslich festgenommen und er kam in Untersuchungshaft. Dreimal wurde diese bereits um drei Monate verlängert. Mit seinen Beschwerden – und auch mit seiner Forderung um Einsicht in die Haftakten – blitzte S. jeweils ab. Nun bleibt er mindestes für weitere drei Monate in U-Haft. Am Freitag publizierte das Bundesstrafgericht in Bellinzona den begründeten Entscheid seiner Beschwerdekammer dazu. Darin werden neue Indizien und Zeugenaussagen ins Feld geführt, die den italienischstämmigen Konvertiten weiter belasten.

Vor dem Umzug nach Syrien

S. streitet offenbar nicht ab, geplant zu haben, mit Frau und Kind nach Syrien zu ziehen. Allerdings nicht, um zu kämpfen, sondern nur, um dort zu leben. In einem abgehörten Online-Chat mit zwei Kontakten vor Ort erkundigte er sich nach den «wichtigsten Infos» zu Ortschaften, Unterkunft, Sprache und Studium.

«Er ist der Auffassung gewesen, dass man nach Syrien gehen muss, um dort zu kämpfen»

Ehemalige Geliebte von S.

Dem stehen die Aussagen seiner einstigen Geliebten gegenüber, die in Deutschland einvernommen wurde. «Dabei sagte sie aus, er sei der Auffassung gewesen, dass man nach Syrien gehen müsse, um dort zu kämpfen», heisst es im Beschluss. S. habe sowohl den IS als auch den «kämpferischen Jihad befürwortet, nicht bloss den inneren». Auf die Frage, ob dieser bereits im Jihad gekämpft habe oder es zumindest plane, stellte sie klar: «Ja, weil er davon fest überzeugt ist.» Das Bundesstrafgericht sieht in ihren Ausführungen Belastungen «konkreter Natur». Dass S. dies als «reine Lügen» abtue, weil die beiden sich «im Schlechten getrennt hätten», ändere daran nichts.

Brisant sind zudem die Aussagen der Geliebten zur Mixed-Martial-Arts-Sunna-Trainingsschule, wo auch der gefallene Jihadist und Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi trainierte. S. habe die Kampfsportschule gegründet. In dieser – so behauptet die Ehefrau eines von S. radikalisierten Syrien-Reisenden – habe es eine öffentliche und eine muslimische Gruppe gegeben. Die muslimische Gruppe habe für den IS trainiert. Wenn jemand sich für diese interessiert habe, so die Zeugin, sei er solange überredet worden, bis er fest daran geglaubt habe. S. bestreitet dies.

Deckt ihn eine Bekannte?

Weniger aufschlussreich war offenbar das Verhör mit einer dritten Zeugin und zeitweiligen Bekannten von S. Strenggläubig sei er gewesen, ja, aber wohl kein Befürworter des IS. Als sehr glaubwürdig und somit entlastend stuft das Gericht deren Aussagen aber nicht ein. Wahrscheinlich ist, dass sie mehr wusste, als sie zugab. In Whatsapp-Chats hatte S. sie aufgefordert, sämtliche Bilder zu löschen, weil sie sonst als Beweismaterial gegen ihn verwendet werden könnten. In einem anderen Chat rühmte er sich, dass er Leute dazu gebracht habe, «zu gehen».

Weil die Bundesanwaltschaft eine Verdunkelungs- und Fluchtgefahr sieht, wird die U-Haft nun wie beantragt um drei Monate verlängert.

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