Herbstmarkt

Thurgauer Äpfel, Thurgauer Bauer

Am Untertor zeigen die Nachbarn, was sie haben. Und der ehemals höchste Bauer fordert mehr Technologie, statt Verbote.

Was die Thurgauer im Keller haben, schmeckt den Winterthurerinnen und Winterthurern.

Was die Thurgauer im Keller haben, schmeckt den Winterthurerinnen und Winterthurern. Bild: Enzo Lopardo

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Es kommt nicht von ungefähr, dass unser Nachbarkanton Thurgau auch der «Apfelkanton» genannt wird. Zusammen mit dem Wallis und der Waadt zählt er zu den drei grössten Apfel-Anbaugebieten der Schweiz. Auch auf dem Thurgauer Herbstmarkt am Untertor findet man die Paradiesfrucht in jeglichen Variationen. Getrocknete Apfelringli, Konfitüre, als Kuchen oder im Brot, der Apfel ist an fast jedem der Stände, die alle mit der Thurgauer Flaggen dekoriert sind, präsent. Zwischendurch trifft man aber auch Exotisches an. So gibt es an einem Stand Lachs aus Norwegen. «Wir räuchern ihn hier kalt und schneiden ihn in Tranchen», erklärt der Inhaber mit Thurgauer Dialekt.

An vielen Ständen konnte ausprobiert werde. Foto: Enzo Lopardo

Um den Import von Lebensmitteln geht es auch bei der Podiums­diskussion, die auf einer kleinen Bühne vor der Zürcher Kantonalbank stattfindet. Martin Hübscher, Kantonsrat und Fraktionspräsident der SVP Zürich steht zusammen mit Hansjörg Walter, dem ehemaligen Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbandes und Thurgauer SVP-Nationalrat, auf dem Podest. Beide führen einen Bauernhof, Hübscher in Bertschikon, Walter in Wängi TG.

Die IP-Bauern Martin Hübscher (links) und Hansjörg Walter (rechts) diskutieren unter der Leitung von Hanspeter Trütsch (Mitte) auch über sauberes Trinkwasser. Foto: Enzo Lopardo

«Bio-Bananen sind gut, Äpfel sind besser»

«Ich habe hier eine Bio-Banane. Ist die gut, auch wenn sie nicht einheimisch ist?», fragt Hanspeter Trütsch, ehemaliger SRF-Bundeshausredaktor, der das Podium moderiert. Die beiden Landwirte betreiben ihren Hof nach den Richtlinien der IP-Suisse. Das Label mit dem Marienkäfer wirbt für qualitativ hochwertige und dennoch erschwingliche Produkte. «Das ist zwar nicht ganz gleich wie die Bio-Knospe, dennoch achten wir beim Anbau auf die Umwelt», sagt Martin Hübscher. Auf die Frage, ob die Bio-Banane eine gute Sache ist, sagt er: «Die ist sicher gut. Aber man würde besser Äpfel statt Bananen kaufen».

«Auch mal einen Apfel mit Beule kaufen»

Moderator Trütsch merkt an, dass die vielen Lebensmittel-Labels manchmal verwirrend sein können. «Auch ich komme teilweise nicht draus», sagt Hansjörg Walter. Primär sei auch ihm wichtig, dass die regionalen Produkte gefördert werden. Dennoch findet er: «Die Zertifizierungsstellen im Ausland werden ebenso seriös geführt». Grosskonzerne wie Coop oder Migros würden die Richtlinien sehr ernst nehmen.

Auch musikalisch wurde der Herbstmarkt begleitet. Foto: Enzo Lopardo

Um das Label der Bio-Knospe zu erhalten, müssen Bauern komplett auf den Einsatz von chemisch- synthetischen Pestiziden und Düngern verzichten. Nun fordert die Initiative für sauberes Trinkwasser, die vermutlich 2020 an die Urne kommt, dass nur noch diejenigen Betriebe vom Staat unterstützt werden, die ebenfalls auf diese Pestizide verzichten. «Natürlich wollen auch wir sauberes Trinkwasser. Das ist eines der kostbarsten Güter», sagt Hübscher. Seiner Meinung nach würden aber blosse Verbote nichts bringen. Auch Walter vertritt diese Ansicht. «Zuerst sollten wir die Technologien fördern, die Veränderungen in diesem Bereich bringen».

Die Landwirte auf dem Herbstmarkt am Untertor sehen das ähnlich: «Man kann sich immer verbessern und das müssen wir auch», sagt Andreas Aeschbacher, der an seinem Stand Obst und Gemüse verkauft. Etwas verändern müssen laut ihm aber nicht nur die Produzenten: «Die Leute sollten bereit sein, auch mal einen Apfel mit Beule zu kaufen.»

Erstellt: 27.10.2019, 15:27 Uhr

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