Winterthur

Tibet-Ballon darf nun doch landen

Winterthur stellte für einen Heissluftballon, der auf die ­Lage Tibets aufmerksam macht, anfänglich keinen ­Landeplatz zur Verfügung – nun kann der Ballon im Stadion Deutweg landen. Mit Politik habe das alles nichts zu tun, versichert ein Sprecher.

Bewilligung erteilt: Der Ballon Tashi («Glück»), bedruckt mit der  tibetischen Flagge, kann Kurs auf Winterthur nehmen.

Bewilligung erteilt: Der Ballon Tashi («Glück»), bedruckt mit der tibetischen Flagge, kann Kurs auf Winterthur nehmen. Bild: zvg

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Dass die Aktion aufwendig zu organisieren sein würde, war Thomas Büchli immer bewusst. Doch nach den Absagen aus Winterthur und Luzern vermutete der Prä­sident der Gesellschaft schwei­zerisch-tibetische Freundschaft jenseits der Bürokratie auch politische Motive: «Man will China nicht brüskieren.»

China annektierte Tibet 1950; viele Tibeter kämpfen für die Unabhängigkeit.Geplant ist, dass im September ein Heissluftballon, bedruckt mit Tibets Flagge, durch die Schweiz fliegt und an einigen Orten landet. Interessierte können dort einen Fesselflug unternehmen, also mit dem befestigten Ballon aufsteigen.

Obwohl die Zusagen der Flugsicherheitsbehörden vorliegen und sieben Städte eine Landeerlaubnis erteilten, kam aus Winterthur eine Absage. Die Gesuche um ­Landungen auf der Zeughaus­wiese und dem Teuchelweiherplatz wurden abgelehnt.

«Ganz normale» Anfrage

Nun wurde doch noch eine Lösung gefunden, wie Gesellschaftspräsident Büchli auf Nachfrage sagt. Der Ballon darf am 22. September im Leichtathletikstadion Deutweg landen; dort könne man alle geplanten Aktivitäten durchführen. Der stellvertretende Leiter der städtischen Kommunikationsabteilung, Andreas Friolet, bestätigt, dass die Stadt die An­lage zur Verfügung stellt. Die Bewilligung werde gerade verschickt; sie kostet 127 Franken.

«Wir suchten die ganze Zeit nach einer Lösung.»Andreas Friolet,
Sprecher der Stadt Winterthur

Es handle sich um eine «ganz normale Belegung» des Stadions, betont Friolet: «Der Fall hatte nie eine politische Dimension.» Zwar habe der Stadtrat in seiner Sitzung vom Mittwoch über das Thema diskutiert, jedoch handle es sich nicht um ein Regierungsgeschäft. Vielmehr hätten mehrere Ver­waltungseinheiten, namentlich Stadtpolizei, Sportamt und Immobilienabteilung, nach einem Landeplatz gesucht, «übrigens fortwährend und unabhängig von der Medienberichterstattung».

Tibet-Gesellschafts-Präsident Büchli hatte erst beklagt, dass die Stadt keine eigenen Vorschläge machte. Nun bedankt er sich bei den Behörden: «Das Sportamt ist sehr kooperativ und zuvor­kommend. Der Platzwart hat uns bereits ganz unkompliziert den für die Landung besten Platz im Stadion zugeteilt.»

«China hat schon interveniert»

Dass die Tibet-Freunde bei Ab­sagen politische Motive wittern, sei keine Paranoia, meint der Präsident: «Die Einflussnahme Chinas ist real.» Aktuell habe die chinesische Botschaft schon bei den Behörden in Zürich, Bern, Basel und Solothurn sowie beim auswärtigen Bundesamt interveniert. Winterthur wurde laut Sprecher Friolet bisher nicht von einer chinesischen Vertretung kontaktiert.

Mit der Zusage in Winterthur entfällt die ersatzweise geplante Ballonlandung beim Polopark in Seuzach. Einen Tag vor dem Stopp in der Stadt ist eine Landung beim Tibet-Institut Rikon vorgesehen.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.08.2017, 18:31 Uhr

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