Winterthur

Todesstürze und Doppelsaltos zu Popmusik

Seit der zweiten Primarklasse tanzen Alexandra von Niederhäusern und Thomas Bula zusammen Rock ’n’ Roll, seit einem Jahr auf der höchsten Stufe.

Der Todessturz,eine der Tanzfiguren, die Thomas Bula und Alexandra von Niederhäusern an Turnieren zeigen.

Der Todessturz,eine der Tanzfiguren, die Thomas Bula und Alexandra von Niederhäusern an Turnieren zeigen. Bild: Marc Dahinden

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Alexandra von Niederhäusern springt auf die Hände von Thomas Bula, die zu einer Räuberleiter geformt sind. Der 21-Jährige wirft seine Tanzpartnerin hoch. Diese fliegt in die Luft, streckt sich vor dem Wendepunkt waagrecht und landet dann wieder senkrecht mit dem Kopf voraus auf dem Rücken von Bula, der sie von hinten auffängt und zwischen den Beinen hindurchzieht.

«Todessturz» wird diese Akrobatikfigur im Rock ’n’ Roll genannt. Sie darf an Turnieren erst gezeigt werden, wenn man die oberste Klasse erreicht hat. Die 22-jährige Alexandra von Niederhäusern und ihr Tanzpartner Thomas Bula gehören seit einem Jahr zur sogenannten A-Klasse der Erwachsenen, auf der Weltrangliste stehen sie momentan auf Rang 53 von 90 Tanzpaaren. «Wir sammeln das ganze Jahr hindurch Punkte an Turnieren in der Schweiz, um uns so für die jährliche Weltmeisterschaft zu qualifizieren», sagt Bula. Gereicht hat es in der Erwachsenenkategorie bis jetzt noch nicht.

Das Lächeln sitzt

Die beiden wirken ruhig und zurückhaltend, fast ein bisschen schüchtern. Aber sie können auch anders. Wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen, dann ist Showtime angesagt. Jeder Schritt sitzt, das Lächeln in Richtung Publikum auch. An Turnieren werden normalerweise zwei Choreografien gezeigt, die eine mit reiner Fusstechnik, typisch sind etwa die Kicks nach vorne, die andere mit Akrobatikelementen, beide sind zwischen ein und eineinhalb Minuten lang. «Länger ginge gar nicht, es ist so schon sehr anstrengend», sagt von Niederhäusern.

Rock ’n’ Roll zu AC/DC

Mit dem Musikstil Rock ’n’ Roll, der in den 50er- und 60er-Jahren entstand, hat der Tanz nicht mehr viel zu tun. Wichtig ist alleine ein 4/4-Takt und die Geschwindigkeit, die mit 46 bis 52 Takten pro Minute sehr hoch ist. Heutzutage wird zu allem getanzt, von AC/DC über Tina Turner bis zu Popmusik wie «Happy» von Pharrell Williams. Auch Bula und von Niederhäusern hören privat keinen Rock ’n’ Roll. «Auch weil man es irgendwann nicht mehr hören kann.» Die 22-Jährige studiert im 3. Semester Physiotherapie an der ZHAW. Dazu habe auch das Tanzen beigetragen, sagt sie. Und ihre Sportbegeisterung. Bula ist Landschaftsgärtner und seit drei Jahren ausgelernt.

Mit Tanzen haben die beiden bereits in der zweiten Primarklasse begonnen. Gepackt hat es sie bei einer Rock-’n’-Roll-Tanzaufführung, bei der auch von Niederhäuserns Schwester auf der Bühne stand. Seither treffen sich die beiden dreimal pro Woche, um zwei Stunden zu üben. Immer mit dabei ist ihr Trainer. Während der Übungsstunden sichert er von Niederhäusern durch eine Loge, die an den Ringen an der Decke angemacht ist. Auch ein Doppelsalto will geübt sein. Auf der Bühne müssen die Sprünge dann sitzen. «Wir tanzen seit 14 Jahren zusammen, da ist das Vertrauen mittlerweile gross», sagt von Niederhäusern.

Zu wenig Männer

Dass ihr Hobby zeitintensiv ist und sie nie länger als einen Monat weg können, nehmen die beiden in Kauf. «Ich habe lieber Erfolg im Rock ’n’ Roll, als zu reisen», sagt von Niederhäusern. Auch wenn es sie manchmal doch reize. Das ganze Leben könne man diese Intensität des Trainings aber sowieso nicht durchziehen. «Mit 30 Jahren ist bei den meisten Tanzpaaren Schluss», sagt Bula.

Heute finden in Winterthur unter anderem die Weltmeisterschaften der Frauenformation statt. Mit dabei ist auch Bulas Schwester, die sich von ihrem Bruder für Rock ’n’ Roll begeistern liess. In der Frauenformation tanzt sie, da ihr Tanzpartner ausstieg, als sie 16 Jahre alt war. Keine Seltenheit, denn «im Rock ’n’ Roll herrscht allgemein Mängermangel». Reine Männerformationen gibt es nicht. Auch Bula und seine Tanzpartnerin werden heute in den Eulachhallen im International Open antreten. Mit im Programm ist auch der Todessturz.

Heute Samstag, 24. 9., Eulachhallen. WM der Ladies Formations, World Masters im Boogie-Woogie und International Open im Rock ’n’ Roll. Vorrunden ab 12.00, Semifinals 17.30 und Finals um 19.30 Uhr. www.damo.ch/wm16 (Der Landbote)

Erstellt: 24.09.2016, 18:32 Uhr

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