Winterthur

Träume, Talente und die richtige Schule

Seit diesem Sommer gibt es die neue Kunst- und Sportschule im Win4-Sportpark im Deutweg. Die Tennisspielerin Darsin Selo gewährt einen Einblick in den Alltag als Schülerin und Leistungssportlerin.

Talentiert, konzentriert und fokussiert: Darsin Selo aus Töss  gehört zu den besten Tennisspielerinnen ihres Jahrgangs.

Talentiert, konzentriert und fokussiert: Darsin Selo aus Töss gehört zu den besten Tennisspielerinnen ihres Jahrgangs. Bild: Madeleine Schoder

Mittwochmorgen 07.30 Uhr. Chaos herrscht in der Turnhalle Geiselweid. Ein schriller Pfiff und das morgendliche Training der Kunst- und Sportschule Winterthur beginnt mit Völkerball. «Ich will dieses Spiel nicht spielen. Das letzte Mal haben wir verloren. Ich will nicht verlieren.» sagt Darsin Selo aus Töss kleinlaut.

Das muskulöse Mädchen mit grossen dunklen Augen und langem braunem Haar ist 13-jährig, Tennistalent, U12 Schweizer Meisterin im Doppel und U14 Ost-Schweizermeisterin. Die Schülerin ist seit der Eröffnung des Talent-Campus Winterthur vor sechs Wochen dabei. Sie besucht die 1. Oberstufe und trainiert täglich für ihren Traum.

Tennis im Blut

Als Zweijährige hat Darsin mit ihrem Vater die ersten Bälle geschlagen, mit vier Jahren trainierte sie einmal die Woche Tennis. Zur dieser Zeit mit einem abgesägten Squash-Schläger. Die Tennisrackets waren zu gross und zu schwer. Seit fünf Jahren trainiert sie jeden Tag, an manchen absolviert sie drei Trainingsinheiten.

«Hier wollen alle dasselbe. Alle wollen Erfolg.» Darsin Selo,
Tennis-Talent

Darsin mag ihre neue Schule und das neue Leben: «Es ist toll. Hier wollen alle dasselbe. Alle wollen Erfolg.» In der Primarschule im Tössfeld liess sich der Sport und die Schule nur schwer kombinieren. «Ich wusste zwei Tage vor der Schweizermeisterschaft nicht, ob ich überhaupt die Genehmigung der Schule erhalte um teilzunehmen.»

Folglich hat Darsin auch kaum Zeit für Freunde ausserhalb der Schule. Früher wurde ihr genau das vorgeworfen, sie nehme sich keine Zeit für sie. «Aber ich habe auch wirklich keine Zeit. Ich trainiere jeden Tag.»

Neue Schule - mehr Freiheit

Der Talent-Campus Winterthur, wie sich die Kunst- und Sportschule im Deutweg nennt, bietet seit diesem Schuljahr 88 Oberstufenschülerinnen und Schüler, die Möglichkeit Schule mit Sport, Tanz oder Musik auf Leistungsniveau zu kombinieren. «Wir haben Schüler, die fehlen ganze Wochen.» erklärt Yanek Schiavone.

«Sie ist ein positives Aushängeschild unserer Schule.»Yanek Schiavone,
Lehrer und Trainer von Darsin

Nach Abschluss der pädagogischen Hochschule arbeitete er in der Junioren-Abteilung des FC ST. Gallen. Heute ist er als Französischlehrer und Sporttrainer am Campus tätig. Er ist auch Darsins persönlicher Lerncoach und somit erster Ansprechpartner für die Eltern, die Lehrer, die Vereinstrainer und Darsin selbst.

«Sie ist ein positives Aushängeschild unserer Schule. Sie ist ehrgeizig, diszipliniert und selbstständig.» Letzteres ist laut Schiavone sehr wichtig: «Wer nicht anwesend sein kann, muss den Schulstoff via Online-Plattform eigenständig nachholen.»

Geometrie, Mathematik und Französisch

Das Morgentraining ist vorbei. In den eineinhalb Stunden gab es nur wenige Momente in denen Darsin nicht voll konzentriert war. Leichtfüssig und kraftvoll verhalf die Einzelsportlerin ihrem Team zu Siegen. Um 10:10 Uhr beginnt die Schule. Das Schulhaus ist der vierte Stock des neu erbauten WIN4-Sporttrakt im Deutweg.

Während den Lektionen in Geometrie, Mathematik und Französisch wird klar, hier unterscheidet sich die Sportschule nicht wesentlich von anderen Schulen. Selo knüpft da an, wo sie zuvor aufgehört hat. «In der Schule ist sie eine ruhige Arbeiterin.» sagt Mathematiklehrer Raphael Kramer. Er ist gleichzeitig auch Athletiktrainer und fügt an: «Im Athletiktraining ist Darsin eine Maschine.»

Weil die Lehrer auch die Trainer sind, gibt es in der Umgangsform einen Unterschied zur normalen Schule. Hier duzt man sich.

«Freier» Nachmittag

Die Klingel um 12.20 Uhr entlässt Darsin und ihre Mitschülerinnen und Schüler in den freien Mittwochnachmittag. Darsin geht nach Hause. Die Mutter hat gekocht. Drei Stunden später trifft sie auf dem Tennisgelände des Tennis Club Winterthur in der Schützenwiese ein. Um 16.30 Uhr beginnt ihr Tennistraining. Gemeinsam mit dem 11-jährigen Bruder Baran feilt sie heute am Aufschlag, der Beinarbeit und der Vorhand. «Wir profitieren beide von einander.» sagt Baran.

«Ihr Spiel ist das aggressive Spiel mit harten Aufgschlägen.»Darsin spielt wie ihr Vorbild Serena Williams

Die Geschwister werden vom Österreicher und ehemaligen ATP-Profi Clemens Breuss unterrichtet. Vor drei Jahren wurde er Darsins Trainer. Sie war damals in den Top30 ihres Jahrgangs. In zwei Jahren möchte sie unter den besten Drei der Schweiz sein und Breuss weiss um die Stärken seines Schützlings: «Ihr Spiel ist das aggressive Spiel mit harten Aufgschlägen.» Nicht zufällig heisst Darsins Vorbild Serena Williams.

Engagierte Familie

Der Vater Abdul Selo besucht fast jedes Training: «Früher gab ich Darsin viele Ratschläge. Heute hat sie ein professionelles Umfeld und ich halte mich dementsprechend zurück.»

Etwa 50 000 Kilometer fährt er jährlich mit dem Auto. Dazu kommt der grosse finanzielle und zeitliche Aufwand: «Wir haben Freunde verloren weil wir einfach immer mit den Kindern unterwegs sind.» Er ist froh, dass seine Tochter die Sportschule besuchen darf: «In der neuen Schule blüht sie auf.»

Wenn sich der Tag nach dem Tennistraining zu Ende neigt, fährt Vater Abdul und Bruder Baran mit dem Auto nach Hause - Darsin läuft. Es ist ihr persönliches Auslaufen. Heute ist für das Tennistalent allerdings noch nicht Feierabend.

Dreimal wöchtentlich besucht sie das abendliche Konditionstraining des Box Club Winterthur. Sie gibt alles für ihren Traum. «Ich möchte einmal zu den fünf besten Tennisspielerinnen der Welt gehören.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.09.2018, 18:16 Uhr

Talent-Campus

Der Talent-Campus Winterthur ist eine private Kunst- und Sportschule, die von der SBW Haus des Lernens AG betrieben wird. Der Standort Winterthur befindet sich im WIN4-Sporttrakt direkt neben der AXA-Arena im Deutweg. Die Schule bietet ausgewiesenen Talenten die Möglichkeit, Sekundarschule und eine sportliche oder musische Karriere zu verbinden.

Die Aufnahmeverfahren sind je nach Sportart, Musikrichtung oder Tanzstil unterschiedlich. Basis der Aufnahme ist eine schriftliche Empfehlung durch eine Partnerorganisation in Sport bzw. Kunst oder Musik. Die Aufnahmekommission, die sich aus Vertretern von Sport, Kunst, der Stadt Winterthur und der SBW Haus des Lernens AG zusammensetzt, entscheidet endgültig über die Aufnahme.

Die Kosten werden je nach Wohnort der Jugendlichen von den Gemeinden übernommen. Die Stadt Winterthur versteht sich als Partner der Schule und trägt ein gewisses Kontingent der Kosten für Winterthurerinnen und Winterthurer. Aktuell besuchen 79 Talente aus 21 verschiedene Sportarten, fünf Musiker mit vier untertschiedlichen Instrumenten und vier Tänzerinnen und Tänzer die Kunst- und Sportschule.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!