Winterthur

Trinkwasser bester Qualität

Winterthur darf sich nach wie für sein sauberes Trinkwasser rühmen, sagt Fachmann Urs Buchs von Stadtwerk. Doch auch Sünden aus der Vergangenheit sind Jahre später im Grundwassserspeicher messbar.

Ein Stadtwerk-Mitarbeiter nimmt eine Trinkwasserprobe aus Grundwasserspeicher im Linsental. Foto: mad

Ein Stadtwerk-Mitarbeiter nimmt eine Trinkwasserprobe aus Grundwasserspeicher im Linsental. Foto: mad

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Letzte Woche hat eine Mehrheit im Nationalrat die Trinkwasserinitiative und die Initiative «Für eine Schweiz ohne Pestizide» abgelehnt. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Interkantonale Labor Schaffhausen an 40 Prozent von über 300 Ostschweizer Standorten eine zu hohe Konzentration des Pestizids Chlorothalonil gemessen hat.

Das erst seit 2018 auf dem Markt erhältliche Chlorothalonil steht im Verdacht, krebserregend zu sein und das Erbgut von Organismen zu verändern. In der EU ist der Einsatz des Mittels verboten. Für die Schweiz, die sich ihres sauberen Trinkwassers rühmt, und vor allem für die Trinkwasserversorger hierzulande ist dieser Befund ein Alarmzeichen.

«Wir können das Wasser völlig naturbelassen einspeisen, während andere Wasserversorgungen Chlor oder Ozon verwenden müssen.»Urs Buchs 
Leiter Technik Gas und Wasser, Stadtwerk Winterthur

Ein Alarmzeichen auch in Winterthur? Der «Landbote» wollte es genauer wissen und hat Urs Buchs, Leiter Technik Gas und Wasser von Stadtwerk Winterthur, zur Pestizidbelastung im lokalen Wasser befragt.

Buchs gibt Entwarnung: «Winterthur bezieht sein Trinkwasser zu 97 Prozent aus dem riesigen Grundwasserstrom der Töss. Da im Tösstal wenig Ackerbau betrieben wird, finden wir entsprechend wenig Pestizidrückstände.» Das Tösswasser liefert Stadtwerk auch in die Nachbargemeinden, der Anteil variiert von Gemeinde zu Gemeinde.

Vergleichsweise komfortabel

Buchs will aber die allgemeine Situation nicht verharmlosen. «Die Schweiz ist in Sachen Pestizidverbrauch alles andere als vorbildlich, die Wasserversorgung als Ganzes ist sehr von der Problematik betroffen.» In Winterthur sei man glücklicherweise in einer vergleichsweise komfortablen Situation.

«Wir können das Wasser völlig naturbelassen ins Trinkwassernetz einspeisen, während andere Wasserversorgungen je nach hydrogeologischen Voraussetzungen ein mehrstufiges Aufbereitungsverfahren mit Zugabe von Chlor oder Ozon vornehmen müssen.» Dies sei etwa beim Wasser aus dem Zürichsee der Fall, das als besonders sauber vermarktet wird.

Die meisten Wasserproben erfolgen, um die hygienische Beschaffenheit zu untersuchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Grundwasser Bakterien und Krankheitskeime vorkommen, ist nach Hochwasserereignissen am grössten, aber «dennoch sehr gering», sagt Buchs. Im Fall, dass in den zweiwöchentlich durchgeführten Proben zu viele Keime entdeckt würden, werde eine mobile Chloranlage in Betrieb gesetzt, die das Wasser innert weniger Stunden desinfiziere.

Seit die präventive Standarddesinfektion mit Einsatz von ChlorAnfang der Neunzigerjahre ausser Betrieb genommen wurde und das Wasser naturbelassen eingespeist wird, sei eine Notmassnahme mit Desinfektionsmitteln «zum Glück noch nie vorgekommen», sagt Buchs.

Siebzig Pestizidsubstanzen

Der Töss-Grundwasserstrom wird regelmässig auf weitere Stoffe wie Nitrat, Waschmittelenthärter, Lösungsmittel, Schwermetalle und Pestizide untersucht – die letzte Gruppe auf 70 verschiedene Substanzen. Bisherige Proben hätten gezeigt, so Buchs, dass die Resultate «stets deutlich unter den gesetzlich erlaubten Werten» lagen.

Am Beispiel von Atrazin, das einst zur Unkrautvertilgung im Maisanbau und im Schotter um die Bahngleise verwendet wurde, zeigt Buchs aber auf, wie langfristig die Böden und das Grundwasser durch Pestizide verunreinigt werden können.

Das Mittel ist in der Schweiz seit 2012 verboten, in der EU seit 2003 und in Deutschland sogar seit 1991. «Noch heute finden wir Spuren dieses Gifts im Grundwasser, wenn auch in unbedenklichen Mengen unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes.» Aber es könne weitere zehn Jahre dauern, bis die Probenresultate vollends negativ ausfielen.

Erstellt: 26.06.2019, 17:20 Uhr

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