Winterthur

«Über das Sterben will niemand reden»

Auch wenn keine Heilung mehr möglich ist, weigern sich viele Menschen, über das Sterben zu reden. Der Verein Palliative Care will das ändern.

Ingrid Wener, Pflegefachfrau am KSW und Co-Präsidentin des Vereins Palliative Care Winterthur-Andelfingen: «Bei vielen Betroffenen könnte man meinen, sie würden Scheuklappen tragen.»

Ingrid Wener, Pflegefachfrau am KSW und Co-Präsidentin des Vereins Palliative Care Winterthur-Andelfingen: «Bei vielen Betroffenen könnte man meinen, sie würden Scheuklappen tragen.»

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«Die meisten Menschen sträuben sich dagegen, über den Tod zu reden.» Ingrid Wener weiss, wovon sie spricht. Seit 17 Jahren arbeitet sie als Pflegefachfrau auf der onkologischen Abteilung des Kantonsspitals Winterthur. Menschen, für die das Sterben unausweichlich wird, gehören zu ihrem Berufsalltag am KSW. Ingrid Wener sagt: «Bei vielen Betroffenen könnte man meinen, sie würden Scheuklappen tragen.»

Für die Pflege von Personen auf dem letzten Lebensabschnitt engagiert sich der Verein Palliative Care Winterthur-Andelfingen. Ingrid Wener ist dort Co-Präsidentin. Es sei wichtig, dass sich die Patientinnen und Patienten rechtzeitig auf die Situation einstellen. «Palliative Pflege kann viel mehr bewirken, wenn sie frühzeitig miteinbezogen wird. So können wir Gespräche führen und Vertrauen aufbauen.» Die Lebensqualität steht dabei im Vordergrund, häufig geht aber auch eine Lebensverlängerung damit einher.

«Palliative Care ist eine Ergänzung zur kurativen Pflege, kein Gegensatz.»Ingrid Wener, Co-Präsidentin Verein Pallaitive Care

Palliative Care müsse als Ergänzung zur kurativen Pflege wahrgenommen werden, nicht als Gegensatz, sagt Ingrid Wener. Wenn es etwa um die Schmerzproblematik gehe, um die Kontrolle belastender Symptome wie anhaltende Übelkeit oder häufiges Erbrechen, um die Organisation einer Nachtwache oder den Umgang mit Akutsituationen, dann verfügt das Mobile Palliative Care Team (MPCT) über grössere Erfahrung als die Spitex.

Sterben zu Hause ermöglicht

Ein Beispiel für die Arbeit der Palliativ Care ist das Sterben zu Hause. Ein häufiger Wunsch von Patientinnen und Patienten, der aber meistens nicht in Erfüllung geht. Meistens stirbt man in der Schweiz im Spital oder im Altersheim. Mit Palliative Care liegt die Sterberate zu Hause deutlich höher. Gemäss dem jüngsten Jahresbericht hat das MPCT Winterthur 194 Patienten und ihre Angehörigen betreut, 62 Prozent der Menschen konnten wie von ihnen gewünscht zu Hause sterben. Laut einer Bevölkerungsbefragung des Bundesamts für Gesundheit ist Palliative Care in der Deutschschweiz weit weniger bekannt, als in den anderen Sprachregionen. Darum macht der Verein Palliative Care Winterthur-Andelfingen regelmässig Öffentlichkeitsarbeit. Der nächste Anlass findet am nächsten Dienstag statt. In einem interaktiven Theater werden Entscheidungssituationen in Zusammenhang mit der Palliativen Pflege aufgezeigt, gefolgt von einer Diskussion mit Fachleuten. «Der Anlass richtet sich an die breite Bevölkerung», sagt Wener. «Denn das Thema betrifft alle.»

Info zur Veranstaltung: Stop! ... es gibt viel zu tun ... wenn man meint nichts mehr machen zu können! Interaktives Theater zum Thema Palliative Care in Krisensituationen, anschliessend Diskussion mit Fachpersonen. Dienstag 14. November 2017, 19.30 Uhr, Hotel Banana City. Eintritt frei, Kollekte. (Der Landbote)

Erstellt: 10.11.2017, 11:36 Uhr

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