Winterthur

Über Mittag Bauch und Seele nähren

Zuerst Linsensuppe, dann vierhändiges Klavierspiel. Im Winter findet in der Villa Sträuli einmal im Monat die «Kultursuppe» statt. Dieses Jahr spielen immer familiär verbandelte Musiker.

Zwanzig Finger tanzen gleichzeitig über die schwarzweissen Tasten. Die «Kultursuppe» in der Villa Sträuli ist  fast immer ausgebucht.

Zwanzig Finger tanzen gleichzeitig über die schwarzweissen Tasten. Die «Kultursuppe» in der Villa Sträuli ist fast immer ausgebucht. Bild: Johanna Bossart

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Schon am Tor der Villa Sträuli steht: «Kultursuppe ausgebucht». Gegen halb zwölf trudeln die Gäste ein und machen es sich im neubarocken Speisesaal bequem. Fünfzig Leute haben Platz. «Seitdem ich nicht mehr arbeite und lange Mittage habe, bin ich regelmässig hier», sagt eine Besucherin. Sie hat sich schick gemacht. Pianist Samuel Fried, der mit seiner japanischen Frau Yuka Muehisa als Arte Animi auftritt, spielt sich warm.

Dann, Aufregung: Eine Taste des Flügels klemmt, Mitorganisator und Stiftungspräsident Roger weibelt herum und kann im letzten Moment eine Klaviertechnikerin organisieren. Beim Löffeln der warmen Linsensuppe ist das kalte Wetter im Engadin ein Thema. Dann werden die Stühle in einem Raum mit goldenen Tapeten und aufwändigen Stukkaturen zusammengerückt. Es knarrt.

Extrovertierte Garderobe

Das erste Stück ist von Mozart. Samuel Fried – weisser Anzug, Stoffschuhe mit Leopardenmuster, die brauen Haare, deren Spitzen ins Grüne übergehen, zu einem Rossschwanz gebunden – sitzt neben seiner Frau Yuka Muehisa am Flügel. Sie trägt ein nicht minder extrovertiertes Gewand. Zwanzig Finger tanzen über die Tasten; verschlaufen sich ineinander. Roger Girod stellt die Musiker vor. «Normalerweise spielen sie in den grossen Hallen Tokios», sagt er. Die beiden Musiker sind sich näher gekommen, als sie bei einem Konzert spontan eine vierhändige Zugabe spielten.

«Wenn wir Streit hatten, ist es schwer, ein vierhändiges Klavierkonzert zu spielen.»

Samuel Fried,
Pianist «Arte Animi»

Sie studierten gemeinsam in Lausanne. Ein Mann aus dem Publikum fragt, wie sich Disharmonien in der Beziehung auf das kollektive Klavierspiel auslösen. «Es ist nicht einfach. Wir hatten auch schon Streit vor einem Konzert. Zum Glück ist dieser dann beim ersten Ton verflogen», sagt Fried. Danach spielt Arte Animi eine Komposition, die zwei russsiche Volkslieder vereint. Sie wechseln ständig die Plätze am Klavier. Manchmal umarmen sie sich von hinten und spielen trotzdem unbeirrt weiter. Eine Frau lacht lautstark.

«Speziell, so früh zu spielen»

So unterschiedlich lassen sich Mittwochnachmittage gestalten: Primarschüler verabreden sich zum Schlitteln, kulturell interessierte Pensionäre zu Speis und Musik. Pianist Samuel Fried sagt: «Es ist speziell so früh ein Konzert zu geben. Wir haben das schon lange nicht mehr gemacht.» Wie zum Beweis macht er ein Handybild von seiner Frau und positioniert dazu die Linsensuppe vor der Linse.

Gastgeber der «Kultursuppe» sind Ruth und Roger Girod. Beide sind Stiftungsräte der Stiftung Sulzberg, welche die Villa Sträuli betreibt. 2015 hat das Paar den Winterthurer Kulturpreis gewonnen. Seit drei Jahren gibt es den Anlass in dieser Form. «Fast immer sind wir ausgebucht», sagt Ruth Girod. «Es ist schön so nahe bei den Künstlern zu sein und danch mit ihnen Kaffee trinken zu können», sagt Roger Girod. Salonkultur nennt er das.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.01.2017, 18:58 Uhr

Beatles und Bündnder Volksmusik

Am 15. Februar findet die nächste «Kultursuppe» statt. Sautter Fiorenza Sautter sind eine Familie, die die Musik der Beatles covern. Der letzte Suppe der Saison gibt es am 15. März. Das Duo Jannet spielt Bündner Volksmusik.
Der Eintritt mit Suppe, Kaffee und Kuchen kostet jeweils 30 Franken. Um 11.45 Uhr beginnt das Essen, das Konzert geht bis 13.10 Uhr.

Reservieren kann man über Telefon 052 260 06 10 oder office@straueli.ch.

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