Winterthur

Und es lebt sich doch gut im Grüzefeld

Drei Wohnbaugenossenschaften haben im wenig schicken Grüzefeld-Quartier die Bewohner in Interviews gefragt, wie wohl sie sich fühlen: Wohler als gedacht. Doch es gibt auch Probleme, die sich nicht von heute auf morgen lösen lassen.

HGW-Vorsteher Martin Schmidli präsentiert den Bewohnern der Siedlung Grüzefeld die Ergebnisse der Umfrage.

HGW-Vorsteher Martin Schmidli präsentiert den Bewohnern der Siedlung Grüzefeld die Ergebnisse der Umfrage. Bild: zvg / Peter Maurer

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Die Quartiere Steig in Töss und Gutschick in Mattenbach haben ein Imageproblem: Graue Wohntürme im Plattenbaustil, sozial prekäre Zustände und ein AAA-Mietermix «Arm, Alt oder Ausländer» – soweit das Klischee. Aber nicht nur. Als sogenannte Lupenquartiere behält eine Arbeitsgruppe der Stadt ihre Entwicklung nach wie vor genauer im Blick. Die Wohnbaugenossenschaften HGW, GWG und WGW wollten genauer wissen, wie wohl sich ihre Mieter in der Siedlung Grüzefeld fühlen. In diesem nördlichen Teil des Gutschick-Quartiers leben 800 Bewohner aus über 20 verschiedenen Nationen. Eine Sozialarbeiterin mit eigenem Büro hat ihnen während knapp zwei Jahren in gut hundert teils bis zu eineinhalbstündigen Interviews den Puls gefühlt.

Fazit: die Leute dort fühlen sich offenbar wohler als erwartet, Innen- und Aussenwahrnehmung driften auseinander. Als besonders positiv nannten sie die zentrale Lage mit ÖV-Anbindung und Einkaufsmöglichkeiten. Die Preis-Leistung stimme (Durchschnitssmiete: 1000 Franken), die Grünflächen seien grosszügig und das Kinderplanschbecken grossartig. Auch die Containersiedlung in unmittelbarer Nachbarschaft, wo seit acht Monaten 120 Asylsuchende eingezogen sind, sei kein Thema, das beunruhigt.

Natürlich gibt auch Defizite, die im Alltag für Zündstoff sorgen und nicht alle gleich einfach zu lösen sind, zum Beispiel das Lärmproblem. «Die meisten unserer Wohnungen sind leider sehr hellhörig», sagt Martin Schmidli, der Geschäftsführer der HGW. Da könne man nur an die gegenseitige Rücksicht appellieren. Doch auch fehlenden Respekt im gegenseitigen Umgang hätten einige Mieter beanstandet. Bei über 20 Nationalitäten wird dann die Sprache schnell zur Barriere – auch in der Waschküche. Dort, so der Kanon, sehen die Bewohner den grössten Nachholbedarf. «Es gibt definitiv zu wenig Waschküchen», gesteht Schmidli ein. Konflikte seien da vorprogrammiert. Wie man dieses praktische Problem angehen werde, sei noch nicht sicher. Denkbar seien zum Beispiel Waschbars, wie sie sich bereits in der Mehrgenerationensiedlung Giesserei bewährten. Dort kann man an einem kleinen Esstisch einen Kaffee nehmen und hält einen Schwatz, während die Maschine läuft.

Dunkle Ecken...

Auch das äussere Erscheinungsbild der Siedlung wollen die Genossenschaften etwas aufhübschen. Einige Bewohner seien Nachts nicht mehr gerne unterwegs. Nicht etwa, weil es zu Zwischenfällen gekommen wäre. Aber da und dort gebe es «dunkle Ecken». Auch die Hauseingänge seien wenig einladend, Besucher verlören rasch die Orientierung. «Hier können wir schon in den nächsten Monaten ansetzen», sagt Schmidli.

Die Defizite wären damit geklärt, nicht aber, was ein gesundes Quartierleben in einer durchmischten Siedlung tatsächlich ausmacht, ohne dass es aufgezwungen wirkt, sondern für alle stimmt. Alteingessene vermissen den früheren Kitt, der durch gemeinsames Bräteln, Häkelnachmittage oder Ausflüge gestärkt wurde. Als Nachbarn kennt und hilft man sich gemäss Umfrage zwar, mehr aber auch nicht. «Viele würden sich gerne mehr engagieren, wissen aber nicht wie», sagt Schmidli. Beim gemeinsamen Lösen der praktischen Probleme werde man nun ausloten, welche Formen auf breiten Anklang stiessen. Sicher ist: Der Strahleggsaal wird als Treffpunkt neu belebt. Und die Siedlungsarbeiterin bleibt weiterhin in einem 60-Prozent Pensum angestellt. Gut möglich, dass die Wohnbaugenossenschaften in anderen Quartieren künftig ebenfalls solche Bezugspersonen einsetzen. (landbote.ch)

Erstellt: 29.06.2017, 16:16 Uhr

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