Winterthur

Unstimmigkeiten im Bruderhaus: Restaurantpächter werfen den Bettel hin

Das Wirtepaar, das fast zwei Jahrzehnte lang den Betrieb des Restaurants Bruderhaus führte, hat auf Oktober gekündigt. Die Stadt sei überhaupt nicht auf ihre Anliegen eingegangen.

Mit diesem Inserat sucht die Stadt nach neuen Pächtern für das Restaurant im Wildpark Bruderhaus.

Mit diesem Inserat sucht die Stadt nach neuen Pächtern für das Restaurant im Wildpark Bruderhaus. Bild: Screenshot

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18 Jahre lang hatten Beatrice Roth und Ralph Schlup das Restaurant Bruderhaus gepachtet. Im Oktober ist jetzt Schluss: das Wirtepaar hat den Vertrag mit der Stadt gekündigt. Es war keine leichte Entscheidung», sagt Ralph Schlup. Sie hätten viele schöne Jahre gehabt. «In den letzten Jahren ist das Bruderhaus aber immer mehr zu einem Rummelplatz geworden.» Und mit der Stadt, allen voran mit Stadtgrün, unter dessen Leitung der Tierparks steht, habe man zuletzt kein gutes Verhältnis gehabt, sagt Schlup. «Unsere Anliegen wurden überhaupt nicht ernst genommen.»

«Lärmschutz nur für Tiere»

Damit meint Schlup zum Beispiel den Bau des neuen Spielplatzes, der direkt ans Restaurant anschliesst. Das Wirtepaar hatte sich von Anfang an gegen die Ausbaupläne gestellt. Es sei nun sehr laut und der Spielplatz ziehe an Sonntagen, wenn es sowieso schon viele Leute hätte, noch mehr Besucher an. «In Richtung der Tiere haben sie als Lärmschutz einen Hügel aufgeschüttet, die Hecke, die das Restaurant vom Spielplatz trennte, ist hingegen abgerissen worden», ärgert sich Schlup.

Erich Dürig, Leiter der städtischen Immobilien und damit zuständig für die städtischen Restaurants, kann diese Kritik nicht nachvollziehen. «Der Spielplatz zieht Gäste an, und davon ja profitiert auch das Restaurant», sagt er. Dieses müsse sich der Umgebung anpassen, und das Bruderhaus sei nun mal ein Ausflugsort, gerade für Familien.

Ein Grundsatzproblem

Seit Jahren kritisieren die Pächter auch die Verkehrssituation. Bereits vor dem Spielplatz-Bau war der Parkplatz an schönen Wochenenden regelmässig überfüllt. «Es sind viel zu wenige Parkplätze vorhanden», sagt Schlup. Um einem Verkehrschaos vorzubeugen, sperrt die Polizei die Zufahrtsstrasse an schönen Wochenenden mit einer Schranke. «Klar kommen unsere Stammgäste nicht mehr, wenn sie ein paar Mal im Stau stecken geblieben sind», sagt Schlup. Die Situation werde sich zudem mit dem geplanten Tierschutz-Kompetenzentrum, das nächstes Jahr gebaut werden soll, nicht verbessern. Nur schon für die Mitarbeiter brauche es mehr Parkplätze.

Immobilien-Chef Dürig sagt, die Gesellschaft sei in der Parkplatzfrage gespalten. «Viele Leute wollen mit dem Auto ins Bruderhaus, die anderen die Parkplätze völlig abschaffen.» Die Attraktivität des Wildparks bringt der Stadt nicht nur Vorteile. Die Stadtkasse verdient an zusätzlichen Besuchern nichts, da der Park keinen Eintritt kostet. Und ein engerer Bustakt, um den Besucherverkehr abzufedern, würde zusätzliche Kosten verusachen.

Offen für ein neues Konzept

Auf die Frage, warum er sich über zu viele Gäste beklage, sagt Schlup: «Ich verstehe, wenn man den Park attraktiver machen will, aber dann muss man auch die Rahmenbedingungen anpassen.» Die Infrastruktur des Restaurants sei nicht auf die vielen Besucher ausgelegt, die an schönen Sonntagen in den Park strömen. So habe man dem Pächterpaar schon lange einen Ausbau versprochen. Das Zelt, welches das Wirtepaar vor 18 Jahren als Provisorium aufgestellt hatte, steht aber heute noch. Zweimal wurde seither ein Umbau angedacht, zweimal vom Parlament verworfen. Roth und Schlup setzten die letzten 18 Jahren auf ein zweigleisiges Konzept, mit Selbstbedienung und einen bedienten Bereich – ein Versuch, auch während den kalten Monaten Gäste anzuziehen.

Schwierige Suche

Die Stadt hat das Restaurant nun zur Pacht ausgeschrieben, allerdings erst per Februar, also für die nächste Saison. Zwischenzeitlich ist eine Renovation des Restaurants angedacht. Interessierte müssen mit ihrer Bewerbung auch ein Konzept einreichen. Wie dieses aussieht, sei offen, sagt Dürig. «So lange es in den Wildpark passt und auf die Besucher ausgerichtet ist, können wir den Vertrag entsprechend anpassen.» Als Pächter käme auch ein Gastro-Unternehmen in Frage, wie dies beim Schloss Wülflingen, das auch der Stadt gehört, der Fall ist.

Ein Wirtepaar oder sogar eine Familie zu finden, die den Betrieb übernehme, sei schwierig. Dieses Modell gebe es fast nicht mehr. Wie schwierig es werden könnte, zeigte sich in der Vergangenheit etwa beim Ausflugsrestaurant Schlosshalde bei der Mörsburg. Nachdem das ehemalige Wirtepaar 2010 aufgehört hatte, suchte die Stadt zwei Jahre lang verzweifelt nach einer geeigneten Nachfolge. Mittlerweile führt die Schlosshalde GmbH bestehend aus fünf Privatpersonen den Betrieb.

Erstellt: 08.08.2018, 17:26 Uhr

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