Sommerserie

Unterm Gitarrenhimmel liegt der Verstärkerkeller

Insidern ist der kleine Musikladen Strings an der Schulgasse ein Begriff. Doch nicht einmal sie wissen alle, dass sich unter dem Geschäft ein weiterer und annähernd doppelt so grosser Ausstellungsraum befindet.

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Das Wahrzeichen des Musikladens Strings wurde unlängst geklaut. Unübersehbar prangte die Stratocaster-Gitarre als Ladenschild an der Fassade; Gitarren- oder Bass-Spielenden diente sie als nachts illuminierter Leitstern, der sie in ihr Eldorado führt. Dann war sie plötzlich weg, und sie ist nicht wieder aufgetaucht, wie Geschäftsinhaber Peter Dubs sagt. Er will sie aber schon bald ersetzen. Für Winterthurer Hobby-Rocker sind Dubs und sein Laden seit Jahren eine Institution. Obwohl das Lokal nicht klein ist, wirkt es eng: An den Wänden und an der Decke hängen elektrische und akustische Gitarren und Bässe in allen Grössen, Formen und Farben. Dazwischen sind Verstärker aufgebaut; in Wandregalen liegen unzählige Effektgeräte und Zubehörteile. Wer den Laden zum ersten Mal betritt, wird sich umschauen, das Gewünschte finden (oder auch nicht) und ihn dann wieder verlassen. Nachfragen wäre besser gewesen, denn was viele nicht wissen, weil es auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist: Unter dem Laden liegt ein fast doppelt so grosser Kellerraum. Und der birgt noch viele weitere musikalische Schätze.

Anlaufstelle für Probleme

Erreichbar ist der Keller über eine etwas abenteuerliche, steile Treppe. Nachdem man den Schalter ertastet hat und das Licht angeht, staunt man: Fast wie der Pfarrer auf seiner Kanzel steht man auf einem Treppenpodest und blickt auf einen Raum hinunter, der eine Mischung aus Werkstatt, Ausstellung und Lager ist. Bandmusikerinnen und –musiker fühlen sich hier sofort wohl. Verstärker und Instrumente stehen herum. Vieles erinnert an einen Probekeller, und eine ähnliche Funktion erfüllt der Raum auch: «Hier unten können die Kunden nach Lust und Laune Verstärker ausprobieren und vergleichen, auch bei höheren Lautstärken», sagt Dubs. «Wenn die Türe zu ist, hört man oben kaum etwas davon.» Kein Wunder: Dubs hat eigenhändig eine Schallisolation eingebaut.

«Hier unten können die Kunden nach Lust und Laune Verstärker ausprobieren und vergleichen, auch bei höheren Lautstärken»Peter Dubs

In einer Ecke hat sich der gelernte Radio- und Fernseh-Elektriker eine Werkstatt eingerichtet. Reparatur und Unterhalt von Verstärkern, Instrumenten oder Effektgeräten sind für ihn wirtschaftlich ein wichtiges Standbein, da der Musikinstrumentenhandel in den letzten Jahren durch ausländische Internet-Anbieter arg unter Druck geraten ist. «Die Reparaturen schwanken zwar saisonal, doch gibt es Monate, wo sie fast zwei Drittel des Umsatzes ausmachen», sagt er. Dass er einer von wenigen ist, die elektronische Geräte noch reparieren können (und wollen), trägt ihm viel Kundschaft ein. Und auch «artfremde» Reparaturaufträge: «Selbst Flipperkästen oder HiFi-Geräte habe ich schon repariert», erzählt Dubs. Er ist sich auch nicht zu schade, Kleinigkeiten zu erledigen, wie etwa das Aufziehen von neuen Gitarrenseiten.

Durchstieg zum Nachbarhaus

Angenehm kühl ist es in diesen heissen Sommertagen hier unten – doch im Winter? «Die Temperatur sinkt kaum unter 10 bis 12 Grad, dann ziehe ich einfach einen dickeren Pulli an», sagt er gelassen. Und notfalls habe er einen Heizlüfter.

Obwohl der Keller mit fast raumhohen Gestellen möbliert und mit Photos und Postern dekoriert ist, lässt sich seine lange Geschichte erahnen: An einer Stelle ragen grosse Bollensteine aus der Wand, an einer anderen ist ein Durchstieg zum Nachbarhaus erkennbar. Solche Verbindungen wurden zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in allen Kellern der Altstadt als Flucht- oder Rettungswege nach allfälligen Bombenangriffen eingebaut.

Zur Geschichte des Hauses beziehungsweise des Kellers ist Dubs wenig bekannt: «Ich übernahm den Laden im Herbst 1992 von einem Vorgänger, der ihn etwa fünf Jahre zuvor eröffnet hatte», erzählt er. «Vor ihm war eine Kunstgalerie darin untergebracht und noch früher eine Schlosserei.» Das weiss er, weil eines Tages «ein altes Mannli» vorbeigekommen sei und ihm erzählt habe, es hätte in den 1940er-Jahren hier gearbeitet. An diese gewerbliche Vergangenheit erinnert noch die grosse, doppelflügelige Eingangstür: Sie hätte wohl viel Spannendes zu erzählen. Etwa auch, wer die Leuchtgitarre geklaut hat. (Landbote)

Erstellt: 08.08.2017, 17:33 Uhr

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