Winterthur

Vater verlangte Sex von der eigenen Tochter

Ein Mann wollte «Verbotenes» machen mit seinem Kind. Die Richter verhängten eine ­Haftstrafe – vor allem wegen eines zweiten, zufällig aufgedeckten Vorfalls.

Der Vater soll seine Tochter halbnackt mit erigiertem Glied in ihrem Zimmer aufgesucht haben.

Der Vater soll seine Tochter halbnackt mit erigiertem Glied in ihrem Zimmer aufgesucht haben. Bild: Keystone (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war ein emotionaler Fall, der gestern verhandelt wurde. Er wünsche allen Beteiligten viel Kraft, sagte der Angeklagte zum Schluss, «ich hoffe, dass es für uns einen gemeinsamen Weg gibt».

Die im Saal anwesende Tochter schluchzte, und auch der Vater weinte zeitweise während des zweieinhalbstündigen Prozesses.

Die heute 17-jährige Tochter hatte ihren Vater wegen eines Übergriffs angezeigt. Die Folge war ein Kontaktverbot, das auch andere seiner vier Kinder betrifft; mittlerweile lebt die Tochter, deren Mutter sich einst selbst ge­tötet hatte, in einer Pflegefamilie. Weil der ­Vater mit seinem Anwalt die Einsichtnahme in Beweismittel vor Obergericht erstritt, vergingen vom Vorfall bis zum Prozessauftakt zwei ganze Jahre.

Eines Abends hatte der Mann, ein heute 48-jähriger Schweizer, die Tochter erregt auf den Schoss gezogen, festgehalten und gefragt, ob sie «verbotene Sachen» machen wolle, dies jedenfalls die Darstellung der damals noch minder­jährigen Frau. Sie hatte sich befreit, doch später hatte der Vater in ihrer Zimmertür gestanden, unten nackt und mit halb erigiertem Glied, und sie erneut zu sexuellen Handlungen aufgefordert, worauf die Tochter die Türe geschlossen und verriegelt hatte.

Die Tochter «nur umarmt»

Nein und immer wieder Nein sagte seinerseits der Vater zu alledem vor Gericht, ohne seine Tochter auf Nachfrage ­direkt der Lüge zu bezichtigen. Es habe im Vorfeld viele Spannungen gegeben, so erkläre er sich alles.

An jenem Abend habe er das Kind nur umarmt, in einem Moment der Freude, als man ein Problem mit einem Handy lösen konnte. Der Vater war angetrunken ge­wesen, «gut in Fahrt», wie er es nannte. Der gestern im Anzug erschienene, in der Gastronomie tätige Mann sprach leise und ruhig.

Der Staatsanwalt und der Anwalt der Tochter stellten ihn als «primitiven» Unhold hin. Dazu passte ein zweiter, im Zug der Ermittlungen aufgedeckter Vorfall, der sich vor über zehn Jahren in Töss ereignet haben soll, anders als der im Thurgau geschehene Übergriff auf die Tochter.

«Sie sind kein böser Mensch, aber Sie  sind egoistisch.»Der Richter zum Vater

Eine Ex-Partnerin des Beschuldigten hatte ausgesagt, dass er sie wohl betäubt hatte, um zu fotografieren, wie er Mörserstab, Rosenstiel und anderes in ihre Scheide einführte. Zwar sei der Angeklagte nicht vorbestraft, jedoch zweifellos schuldig, seine Bestreitungen seien «pauschal und farblos».

Der Pflichtverteidiger dagegen kritisierte den «unsorgfältigen» Staats­anwalt (teilweise war von Ver­gewaltigung die Rede gewesen, ohne dass eine solche ein­geklagt wurde) und ebenso die Tochter.

Diese habe einer Freundin ganz anderes erzählt als der Polizei, was ­ihre Schilderungen zweifelhaft mache. Zum zweiten Vorfall sagte der Angeklagte, die Frau sei mit den Fotos einverstanden gewesen, «nie und nimmer» habe er sie wehrlos gemacht.

Die Bezirksrichter, ein Dreiergremium unter dem Vorsitz von Andreas Huizinga (EVP), sprachen den Vater jedoch schuldig, wegen (teilweise versuchter) sexueller Handlungen mit einem Kind sowie Nötigung im ersten Fall und wegen Schändung im zweiten.

Sie bestraften ihn nebst einer hohen Geldstrafe mit 18 Monaten Haft. Damit erhöhten sie das Strafmass gegenüber der staatsanwaltlichen Forderung sogar noch leicht um drei Monate; allerdings handelt es sich um eine bedingte Strafe, die nur bei Rückfälligkeit innert zwei Jahren anzutreten ist. Ob der Vater das Urteil anfechten wird, ist offen.

Partnerin wollte Sexfotos nicht

Aus juristischer Sicht wiegt der zweite, eher zufällig aufgedeckte Vorfall schwerer als der Übergriff auf die Tochter. Zwar könne der Nachweis nicht erbracht werden, dass der Angeklagte seine frühere Partnerin wehrlos gemacht hat, jedoch sei glaubhaft, dass diese nicht gewollt habe, dass derartige Aufnahmen erstellt werden.

«Sie sind kein böser Mensch», sagte Huizinga abschliessend zum Vater, «aber sie sind ego­istisch». Er stelle seine eigene Lust ins Zentrum und nehme in Kauf, andere in ihrer sexuellen Integrität zu verletzen. «Ich hoffe, dass Ihnen und Ihrer Tochter die menschliche Aufarbeitung gelingt, auch wenn sie länger ­dauert als die juristische.» (Der Landbote)

Erstellt: 02.05.2018, 18:07 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare