Winterthur

Venus trifft Erde

Die neue Umwelt-Miss trägt kurze Haare, um Wasser zu sparen, und stellt vor den Ferien den Kühlschrank ab. An ihrer Message feilt die Botschafterin der Winterthurer Klimaschutzorganisation Myblueplanet noch.

Eine von denen, die immer das Licht ausschaltet. Die 21-jährige Bernerin Sarah Peyrel in der Coalmine-Bar.

Eine von denen, die immer das Licht ausschaltet. Die 21-jährige Bernerin Sarah Peyrel in der Coalmine-Bar. Bild: Madeleine Schoder

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Frau Peyrel, föhnen Sie die Haare weniger lang als andere Frauen?
Sarah Peyrel: Weniger lang?

Ja, um Strom zu sparen.
Ah, so. Also ich föhne meine Haare eben gar nicht.

Nicht?
Nein, ich lasse sie einfach trocknen. Zum Frisieren nehme ich Schaum, oder ich brauche Spangen. Das ist bequem bei kurzen Haaren, man muss nicht viel tun.

Sie tragen aber nicht kurze ­Haare, um Strom zu sparen?
Doch, und um beim Duschen Wasser und Shampoo zu sparen. Seit ich die Haare gekürzt habe, merke ich, wie gross der Unterschied ist. Die kurzen Haare ge­fallen mir aber auch. Win-win.

Der Kurzhaarschnitt gehört doch nicht etwa zum Anforderungsprofil der Miss Earth?
Nein, nein.

Die Öko-Miss wird gewählt, um PR für Umweltschutz und ­soziale Anliegen zu machen.
Es lief so ab: Jede Kandidatin verfasste ein Konzept und legte dar, wie sie Spenden sammeln möchte, zum Beispiel für eine Organisation wie Myblueplanet. Die Organisatoren haben dann das beste Konzept ausgewählt.

Sie sind also nicht die Schönste, sondern die Gescheiteste?
Es geht um beides. Wir nutzen die Schönheit, um auf Dinge aufmerksam zu machen. Im Boot Camp habe ich gemerkt, dass es den anderen Mädchen auch darum geht, etwas zu verändern. Das fand ich schön.

Boot Camp?
Wir haben Lauftraining erhalten und so weiter. Die meisten Mädchen waren nicht so Miss-Typen. Ich selber trage zum Beispiel nicht so oft hohe Schuhe.

Was tut man so als Öko-Miss?
Ich habe viele Auftritte bei ­Medienanlässen wie jetzt hier.

Und was gibt es dafür?
Ich verdiene nichts, man bezahlt mir die Reisekosten und das ­Essen. Ich nehme mir aber viel Zeit für das Amt, weil es mir wichtig ist. Mein Kunststudium an der Kingston University in London unterbreche ich für ein Jahr.

Wow, Kingston. Aber darf man als Miss Earth immer von ­London nach Zürich fliegen?
Ich schaue, dass ich nicht zu oft in die Schweiz zurückkomme. Ich telefoniere viel mit Skype. Es ­wäre mir auch nicht wohl dabei, immer hin- und herzufliegen. Ich bin gerne dort, wo ich bin.

Hand aufs Herz: Wie oft flogen Sie letztes Jahr zurück?
Zweimal, für die Ferien. Meine Mutter ist Slowakin, darum fahren wir oft dorthin.

Gewiss mit dem Zug?
Nein, mit dem Auto. Wir fahren alle zusammen, auch meine zwei Brüder und meine Schwester. Das Auto ist also gut ausgelastet.

Man hat Ihnen sicher eine wohlklingende Botschaft vorgelegt, die Sie jeweils in die Kameras sagen sollen. Wie lautet sie?
Nein, nein, so war es nicht. Man hat uns Beispiele gegeben, aber jeder muss seine Botschaft selber finden. Es bringt nichts, wenn man etwas auswendig lernt.

Jetzt haben Sie den Slot für Ihre Message verpasst.
Ich bin noch daran, herauszufinden, was ich sagen möchte. Es gibt so viele wichtige An­liegen. Ich habe den Titel eben erst gewonnen.

Bei Misswahlen in den USA wird jeweils gefragt: Was würden Sie tun, wenn Sie Präsidentin der Vereinigten Staaten wären?
Ja, Weltfrieden und so. So etwas Einstudiertes habe ich nicht parat. Wüssten Sie etwas zu sagen?

Gott, nein. Ich bin ja aber keine Miss. Interessiert Sie Politik?
Wenn ich ehrlich bin: nicht so.

Ich habe da eine Testfrage: Wie hoch ist die Bundesabgabe für die kostendeckende Einspeisevergütung pro Kilowattstunde?
Da habe ich keine Antwort. Entschuldigung.

1,5 Rappen. Wie wäre es damit: Wie hoch ist der Atomanteil an der Schweizer Stromproduktion?
Oje.

Das ist die einfachste Frage, die ich habe.
Wirklich? Ich glaube, der Anteil ist nicht so hoch.

39 Prozent. Welcher Typ Umweltschützer sind Sie, der ­bünzlige oder der lockere?
Was heisst bünzlig?

Nun, es gibt solche, die hinter einem das Licht ausschalten . . .
Genau so eine bin ich! Ich schalte überall, wo ich hinkomme, das Licht aus. Bevor wir in die Ferien fahren, leeren wir jeweils den Kühlschrank und tauen ihn ab.

Da wird doch alles nass, wenn man den Kühlschrank abstellt.
Wir stellen ihn am Abend aus und morgens vor der Abfahrt trocknen wir mit einem Lappen. Die Sandwichs lassen wir über Nacht auf dem Balkon, in der Nacht ist es ja nicht so warm draussen.

Welche WG-Bewohner machen denn so etwas mit?
Meine Eltern. Ich wohne dieses Jahr jetzt wieder daheim in Belp. Wir haben das schon immer so gemacht. Es geht uns auch darum, kein Essen fortzuwerfen.

Sie haben Eltern mit Über­zeugungen.
Ja. Wir baden auch nur wenig. Bei uns heisst es jeweils: Wer geht jetzt diesen Monat baden?

Um Wasser zu sparen?
Genau. Mich stört auch der Abfall auf der Strasse. Ich geniere mich nicht, jemanden anzusprechen, der etwas auf den Boden wirft. Oder ich hebe es selbst auf und werfe es in den Kübel.

Macht man sich da nicht un­beliebt bei coolen Jugendlichen?
Wie, Sie würden sich das nicht ­getrauen?

Ich weiss nicht.
Was sollen die Ihnen schon tun? Es kommt schon bei den Leuten an, wenn man etwas sagt. Häufig entschuldigen sie sich.

(Landbote)

Erstellt: 25.02.2017, 10:50 Uhr

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