Gemeinderat

«Venus vo Bümpliz» ist die neue Panaschierkönigin

Drei Grüne konnten bei den Wahlen am meisten Stimmen ausserhalb der eigenen Partei erringen. Am beliebtesten ist Co-Präsidentin Renate Dürr, die in der Stadt Bern aufwuchs.

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Gute Stimmung bei Renate Dürr – die 51-jährige Politikerin ist die über die Grenzen der eigenen Partei hinaus beliebteste Politikerin, wie die Auswertung von Zahlen zeigt, die gestern von der Stadtkanzlei aufgeschaltet wurden. Sie sagt am Telefon: «Ich bringe mein Dauergrinsen seit Sonntag nicht mehr weg». «Überwältigt und glücklich» sei sie über das Resultat ihrer Partei und das persönliche Abschneiden.Als Panaschierkönig wird diejenige Person bezeichnet, die bei einer Wahl am meisten Fremdstimmen holt. Im Fall von Renate Dürr sieht das folgendermassen aus: Die Politikerin konnte 4530 Stimmen auf Listen der Grünen, unveränderten oder veränderten, erringen. Fast 1400 Stimmen machte sie aber auch auf Listen der SP, rund 210 auf GLP- und 160 auf AL-Listen. Mit total fast 2000 Fremdstimmen platziert sie sich ungefähr 100 Stimmen vor zwei Parteikollegen, Doris Hofstetter sowie Reto Diener, der die Grünen zusammen mit Dürr präsidiert.

Ganz überraschend kommt das gute Abschneiden der Grünen nicht. Deren Spitzenkandidaten erhalten traditionell viele Einzelstimmen von Anhängern der Schwesterpartei SP und der Fraktionspartnerin AL, wie Diener weiss. In der Ver­gangenheit platzierte sich etwa der jetzige grüne Stadtrat Jürg Altwegg an der Spitze der Fremdstimmenliste.

Einsatz fürs Personal und den Etzbergkreisel

Renate Dürr führt ihre Popu­larität auf ihre politische Arbeit zurück. Sie sei öffentlich stark für das städtische Personal eingetreten (die Grünen lehnten das neue Personalstatut ab), und auch auf ihre Vorstösse zum Unfallschwerpunkt Etzbergkreisel hin habe sie positive Post erhalten, sagt die Parlamentarierin, die als kaufmännische Angestellte bei der Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen arbeitet. Ebenfalls dürfte das Partei-Co-Präsidium beigetragen haben zur Bekanntheit der Politikerin mit Berner Dialekt, die sich scherzhaft «Venus vo Bümpliz» nennt, mit Bezug auf das Lied von Patent Ochsner und den Berner Stadtteil, in dem sie aufwuchs.

Die Zweitplatzierte glaubt, dass sie von ihrem Beruf profitiert hat; Doris Hofstetter ist Anästhesistin am KSW und kommt im Spital mit vielen Personen in Kontakt. Auch sei wohl ihr Einsatz gegen eine Privatisierung des Kantons­spitals gewürdigt worden.

Auch AL-Kandidaten können auswärts punkten

Gut bei Sympathisanten anderer Parteien kommen auch die AL-Gemeinderäte Katharina Gander und David Berger an (1763 und 1572 Stimmen). Gander meint, sie erfahre als Geschäftsstellenleiterin des Mieterverbandes viel Sympathie, auch von politisch Andersdenkenden. Der Wermutstropfen für die AL: Fast hätte es der Kleinpartei zu einem dritten Sitz gereicht – doch es wurde eben viel panaschiert, so fehlten dazu ein paar Listenstimmen.

Im Weiteren sind noch andere Grüne gut platziert, namentlich Christian Griesser und Gabriela Milicevic (1712 und 1203 Stimmen). Von ihrer Bekanntheit aus dem Stadtratswahlkampf pro­fitiert haben dürften Annetta Steiner (GLP, 1616 Stimmen), Christa Meier (SP, 1552) und Marc Wäckerlin (1124). Letzterer hat als Einziger mehr Stimmen von Fremdwählern als von der eigenen Parteiliste erhalten.

Bürgerliche panaschierten weniger stark

Auffällig ist, dass sich in den Top 10 mit Ausnahme von Steiner und Wäckerlin kein Bürgerlicher platzieren konnte. Der erfolgreichste SVP-Kandidat, Daniel Oswald, erhielt rund 330 Stimmen von Anhängern der FDP (630 Fremdstimmen insgesamt). Deren Kandidaten wiederum erhielten nebst SVP- auch einige SP- und GLP-Fremdstimmen, gleichermassen wie Kandidaten der CVP. Auch die besten EVP-Politiker konnten bei drei Fremdparteien grasen: SP, GLP und Grünen (jeweils über 100 Stimmen).

Fast alle Fremdstimmen stammen jeweils von Anhängern nahestender Parteien. Am meisten Stimmen weit im Feindesland holte FDP-Politiker Felix Helg: Er wurde 167-mal auf SP-Listen eingetragen, Parteikollege Stefan Feer immerhin 114-mal. Der Name von SP-Frau Christa Meier stand umgekehrt 110-mal auf FDP-Listen. (Landbote)

Erstellt: 06.03.2018, 18:40 Uhr

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