Architektur

Verdichten in Grossform beim Schulbau

Beim aktuellen Schulhausbau steht Verdichten im Zentrum. Das war nicht immer so, wie ein Rückblick auf die Entwicklung der Schulhausarchitektur zeigt.

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Vor rund 50 Jahren wurde der Schulhausbau eigentlich neu erfunden. Das schönste Beispiel in Winterthur ist die Schulanlage Gutschick (1967). Sie entsprach dem aus Holland stammenden architektonischen Konzept, wonach die Bauten auf ein kindergerechtes Mass runtergebrochen werden müssten. Bild: Johanna Bossart

Städtebaulich bilden verschieden grosse Baukörper ein Ensemble. Sie gruppierten sich um einen offenen Hof. Das räumliche Vorbild ist die Stadt mit Platz, Park und Strassen. Geradezu idealtypisch setzte der Architekt Ulrich Baumgartner diese Vorstellung zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Willi Neukom im Gutschick um. Die Topografie wurde so gestaltet, dass die Schulbauten leicht erhöht in eine hügelige Parklandschaft mit Bepflanzung eingebettet sind. Bild: Johanna Bossart

Zum Pausenhof hin treten die Gebäude zweigeschossig auf, gegenüber dem Quartier mit seinen Hochbauten behaupten sie sich mit drei Geschossen. Obwohl in der Differenziertheit nie mehr so geglückt, folgten diesem Vorbild in abgewandelter Form weitere Quartierschulhäuser wie Tägelmoos (1971) in Seen, Wall­rüti (1973) in Oberwinterthur, Wiesenstrasse (2002) in Veltheim und Laubegg (2002) im Dätt­nau.

Knappe Finanzen, knapper Boden

Schon damals zogen sich die knappen Finanzen wie ein roter Faden durch sämtliche Schul­bauprojekte. Heute aber sind die ­finanziellen Ressourcen noch ­beschränkter. So müssen trotz bescheidener Mittel höchst anspruchsvolle und differenzierte Raum- und Funktionsprogramme umgesetzt werden. Und nicht zu vergessen: das Korsett der Energie-, Lüftungs- und Sicherheitsvorschriften, die erfüllt werden müssen. Weil zusätzlich der Boden knapper geworden ist, musste wieder eine neue Schulhausarchitektur entwickelt werden. Es sind also nicht eigentlich der soziale Wandel und die Dynamik in Gesellschaft und Pädagogik, welche den Verzicht auf die Schule als kleine Stadt notwendig machten.

Ministadt unter einem Dach in Zinzikon

Mit dem Bau des Schulhauses Wyden (2011) in Wülflingen zeichneten sich die Trendwende und die Rückkehr zum Solitärbau, zum freistehenden Baukörper, ab. Bild: Marc Dahinden

Mit der einfachen Fassadenabwicklung kann Geld gespart werden, und der Land- und der Energieverbrauch werden reduziert. Die Ministadt wurde gewissermassen in einem Volumen verpackt. Beim Schulhaus Zinzikon (2015) gelang eine meisterlich konzentrierte Raumkomposition mit der Sporthalle im Zen­trum, den umlaufenden Korridoren und angedockten Un­ter­richts- und In­fra­struk­tur­räu­men. Bild: Nathalie Guinand

In dieser zwiebelartigen Raumbildung um einen Kern her­um ist der Geist der idealen Ministadt auch unter einem Dach noch erlebbar.

Im Reich des Lernens in Neuhegi

Auf eine ganz andere Raumkon­stellation müssen sich die Vorschüler und Primarschüler bei Neuhegi einstellen. Der leicht monumentale Massstab sollte kein Problem sein. In der Nachbarschaft stehen nämlich bis zu sechsgeschossige Wohnbauten.

Doch im Innern wartet eine abenteuerliche Entdeckungs­reise – ganz analog dem Leben. Auf dessen Komplexität bereitet dieser Schulbau perfekt vor: Vielleicht erschauern die jungen Lernenden leicht, wenn sie erstmals in die Tiefe und die Weite der Sporthalle schauen. Und sie ­spüren körperlich, was räumliche Enge ist, wenn sie im Gang zu den Umkleidekabinen rennen. Und wenn sie dann durch eine tunnel­artige Treppe ins andere Reich des Lernens unter dem Dach hochklettern und dabei mit der mächtigen Brückenkonstruktion konfrontiert werden, wartete schon die erste Lektion in Statik: Ohne diese konstruktive Lösung des Ingenieurs gäbe es keine trägerfreie Sporthalle im Haus. Aber das ist nur der Anfang auf dem ­abwechslungsreichen Lernparcours, den dieses Pionierschulhaus offeriert.

Konsequent sparen mit Aussenerschliessung

Indes steht bereits eine neue Her­ausforderung auf der Bauagenda: In Planung befindet sich der Ersatzbau des Klassentrakts in der Schulanlage Wallrüti. Dort wird nicht mehr mit Cortenstahl experimentiert, vielmehr hilft dort ein aussenliegendes Erschliessungskonzept mit Laubengängen konsequent sparen. (Landbote)

Erstellt: 28.03.2018, 11:00 Uhr

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