Winterthur

Verhängnisvolle Begegnung vor dem Zimmer 31

In einer Partynacht im Herbst 2016 kam es nahe dem HB zu Gewalt. Nun mussten sich die Bezirksrichter unterschiedliche Versionen anhören, letzte Klarheit schafften auch Videoaufnahmen nicht.

Vor dem Winterthurer Nachtclub Zimmer 31 kam es im November 2016 zu einer Schlägerei.

Vor dem Winterthurer Nachtclub Zimmer 31 kam es im November 2016 zu einer Schlägerei. Bild: wintiguide

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Die Anklageschrift der Staatsanwältin beschreibt den Vorfall, der sich in der Nacht auf den 6. November 2016 vor dem Ausgehlokal Zimmer 31 ereignete, als einen sinnlosen Akt, einen Akt der Brutalität.

Drei junge, damals gerade erst erwachsen gewordene Männer, trafen beim Verlassen des Clubs um 3 Uhr Nachts auf einen über 40-jährigen Mann, der seinerseits soeben das Salzhaus verlassen hatte. Wegen einer Berührung beim Vorübergehen und einem knappen Wortwechsel kam es dann zu einer Prügelei der einseitigen Art: Die drei Kollegen schlugen mehrfach auf ihr Opfer ein und traten den Mann, als er bereits am Boden lag, noch gegen den Kopf.

«Die Tat weist auf eine Geringschätzung menschlichen Lebens hin.»Aus dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft

Am Mittwochmorgen standen sie dafür vor dem Winterthurer Bezirksgericht. Und überraschend präsentierten die derart beschuldigten jungen Männer eine ganz andere Version der Ereignisse. Sie seien vom älteren Mann, der nicht vor Gericht erschien, provoziert worden. Dieser habe sie betrunken beleidigt und dann einem von ihnen einen «Magenbox» verpasst. Der Ältere sei der Aggressive gewesen, und habe sich dann glücklicherweise irgendwann Richtung Hauptbahnhof zurückgezogen.

Mann erlitt Schädelbruch

Was sollten die drei Bezirksrichter, die den Fall behandelten, nun glauben? Die vorliegenden Beweise sprachen auf den ersten Blick gegen die Version der drei jungen Männer. Denn nur der ältere Salzhaus-Besucher trug von dem Vorfall Verletzungen davon, und zwar keine geringfügigen: Laut medizinischem Bericht erlitt er zwei Hautquetschungen am Kopf und einen Bruch der Stirnbeinhöhle.

Dieser Schädelbruch war allerdings nicht lebensgefährlich und führte nicht zu bleibenden Schäden. Dennoch zeugt er von irgendeiner Form der Gewalteinwirkung. Hinzu kommen Zeuginnen, welche den jungen Männern ein «aggressives Verhalten» vorwerfen und den älteren Beteiligten entlasten.

Die drei Beschuldigten, die mittlerweile alle ihre Lehre abgeschlossen haben, zeigten sich vor Gericht auskunftsfreudig, in ihren Aussagen widersprachen sie sich untereinander nicht. Die Staatsanwanwältin verwies allerdings auf Einvernahmeprotokolle, in denen sie sich «in zahlreichen Details» widersprochen hätten.

Sie forderte gegen den jüngsten der drei Männer eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung, die beiden anderen seien für den Straftatbestand des Angriffs mit 14 Monaten zu bestrafen. In einem Fall forderte sie zudem einen Landesverweis von fünf Jahren. «Die Tat weist auf eine klare Geringschätzung menschlichen Lebens hin», schloss die Staatsanwältin.

«Betrunkene Zeuginnen»

Die drei Pflichtanwälte der Beschuldigten forderten hingegen vollumfängliche Freisprüche und angemessene Entschädigungen für ihre Mandanten. «Was sich in der besagten Nacht abspielte, wissen wir Juristen überhaupt nicht», meinte ein Anwalt. Ein anderer stimmte zu und befand: «Es gibt keine rechtsgenügenden Beweise, welche Beweise hat denn die Staatsanwältin überhaupt? Die befragten Zeuginnen waren alle stark betrunken, die Aussagen widersprechen sich.»

Restlose Klarheit brachten am Mittwoch auch vor Gericht präsentierte Videoaufnahmen nicht. Auf den kurzen Sequenzen aus der Überwachungskamera des Zimmer 31 ist im Hintergrund einzig eine gewisse Hektik zu erkennen – Personen, die sich aufeinander zubewegen oder hin und her rennen.

Die drei Bezirksrichter erkannten jedoch aufgrund der Videos, dass Aussagen von Zeugen und des vermeintlichen Opfers zur zeitlichen Abfolge nicht stimmen können. Zudem monierten sie Widersprüche bei den Zeugenaussagen und falsche Täteridentifizierungen. «Wir gehen zu ihren Gunsten davon aus, dass sie sich deeskalierend und abwehrend verhalten haben», hiess es an die Adresse des Trios. Es folgte ein vollumfänglicher Freispruch.

Wie das vermeintliche Opfer zu seinem Schädelbruch kam, bleibt ungeklärt. Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil weiterzieht, ist noch nicht bekannt.

(Der Landbote)

Erstellt: 04.07.2018, 18:48 Uhr

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