Winterthur

Verhängnisvoller Sprung auf den Gabelstapler

Er wollte nur drei Säcke Mörtel holen, sprang deshalb auf einen Gabelstapler und verletzte sich schwer. Wer daran Schuld war, musste das Gericht klären.

Schwieriger Fall für das Winterthurer Bezirksgericht: War es ein Berufsunfall oder fuhr der Stapelfahrer vorsätzlich los?

Schwieriger Fall für das Winterthurer Bezirksgericht: War es ein Berufsunfall oder fuhr der Stapelfahrer vorsätzlich los? Bild: (Symbolbild)/Keystone

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Wo gearbeitet wird, passieren Unfälle. Vor allem dort, wo mit schweren Maschinen kutschiert wird. Nicht immer aber sehen sich die Beteiligten drei Jahre später vor Gericht wieder. Es sei ein ganz normaler Tag gewesen, erzählt der Angeklagte. Er habe, wie so oft, auf Kunden gewartet, um ihnen die gewünschten Produkte aus dem Lager zu bringen. Dies tut der Logistik-Assistent mit einem Elektro-Stapler, auf dem er auch damals sass.

Dann sei alles sehr schnell gegangen. Ein Kunde, den er vom Sehen kannte, sei auf ihn zugelaufen. Und dann verbotenerweise auf den Stapler gesprungen. Dieser fing an sich zu bewegen, der damals 48-Jährige Mann fiel vom Stapler, sein Fuss verklemmte sich dabei unter der Maschine. Die Folge: Ablösung der Haut, der Unterhaut, der Muskulatur, der Sehnen, der Gefässe und Nerven. In der Operation danach mussten dem Mann alle Zehen amputiert werden, vier weitere Eingriffe folgten. Die Behandlung dauere bis heute an, der Geschädigte müsse immer noch Opiate nehmen und könne sich nicht länger als eine Stunde am Stück bewegen, sagte sein Anwalt vor Gericht. «Es ist ihm bis heute unmöglich zu arbeiten.»

Unterschiedliche Versionen

Die Frage, die die Richterin beantworten musste, war keine einfache. War es ein Berufsunfall oder fuhr der Stapelfahrer vorsätzlich los? Die Staatsanwaltschaft nahm Zweiteres an und forderte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung mit schwerer Schädigung. Die beiden Involvierten widersprachen sich in wesentlichen Punkten. Der 30-jährige Angeklagte konnte sich nicht erklären, warum der Stapler plötzlich losfuhr, wohl weil der Kunde beim Aufspringen direkt auf dem Gaspedal gelandet sei. Der Geschädigte hingegen erzählte, der Staplerfahrer habe noch mit seinem Vorgesetzten geredet, während er bereits auf dem Stapler stand. Erst dann sei er vorsätzlich losgefahren. Das zumindest waren die Versionen, die die beiden in der zweiten Befragung vorlegten.

In dubio pro reo: Freispruch

In der ersten, direkt nach dem Vorfall hatte es noch ganz anders getönt: «Ich bin gefahren, ich wollte ihn abschütteln, weil er mich genervt hat», hiess es damals vom Angeklagten. Der Geschädigte sagte damals dafür nichts von einer Pause zwischen seinem Sprung und dem Losfahren des Staplers. Auch hier Aussage gegen Aussage also, wenn auch unterschiedliche Versionen.

Die Richterin entschied schlussendlich auf Freispruch, denn vor Gericht gilt: im Zweifel für den Angeklagten. Den ersten Aussagen seien durch den Schockzustand, beziehungsweise den Medikamenten-Einfluss nach der Operation keine Bedeutung zuzumessen. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Geschädigte das Fahrzeug selber in Gang setzte.» Ausschlaggebend waren zudem die Zeugenaussagen des Vorgesetzten, die in sich schlüssig waren, aber den «tragischen Unfall» nicht lückenlos klärten.

Die Enttäuschung war dem Geschädigten, der an diesem Tag seinen 51. Geburtstag feierte, ins Gesicht geschrieben. Kopfschüttelnd verliess er den Gerichtssaal. 300 Franken Busse musste der Stapelfahrer, der nach wie vor bei derselben Firma arbeitet, doch zahlen. Am Tag vor dem Vorfall war er beim Kiffen erwischt worden. (Landbote)

Erstellt: 28.06.2018, 15:45 Uhr

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