Winterthur

Versteckte Schalter und geheime Rituale

Morgen öffnet in Winterthur der erste Escape Room seine Türen. Tüfteln, rätseln, knobeln – der «Landbote» hat den Selbstversuch gewagt.

Überall könnten Hinweise verborgen sein: Die Gründer Cédric Holenstein und Miro Hintermüller im ersten Escape Room in Winterthur.

Überall könnten Hinweise verborgen sein: Die Gründer Cédric Holenstein und Miro Hintermüller im ersten Escape Room in Winterthur. Bild: Marc Dahinden

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«In einer Stunde werde ich gehängt, Watson. Du bist meine letzte Chance.» So endet der Kurzfilm zur Einstimmung auf den ersten Escape Room in Winterthur. Zwei Minuten später schliesst sich eine schwere Türe hinter uns. Nun gilt es innerhalb einer Stunde die Halskette der Queen im Büro von Moriarty, dem Erzfeind Sherlocks zu finden.

Als Erstes werden selbstverständlich alle Kastentürchen und Schubladen geöffnet, die Bilder umgedreht, die Sofas abgetastet. Schnell finden wir Zahlen- und Buchstabenschlösser, die Codes müssen härter erkämpft, respektive errätselt werden. Das Büro ist mit viel liebe zum Detail eingerichtet, allerdings ohne zu viel Dekoration, denn alles könnte ein potenzieller Hinweis sein und die Knobler vom eigentlichen Rätsel ablenken.

Sprüche von Sherlock

Die zwei Winterthurer Studenten Cédric Holenstein und Miro Hintermüller (beide 23) eröffnen morgen den Geheimgang 188, das erste «Live Escape Game» der Stadt. In der Schweiz gibt es in jeder grösseren Stadt solche Räume, in denen Gruppen gemeinsam Rätsel lösen müssen, meist um wieder hinauszugelangen. In Zürich gibt es mittlerweile sogar schon, auch in Frauenfeld hat vor Kurzem der erste eröffnet.

«Uns war es sehr wichtig, dass das Spiel eine Geschichte erzählt»

Die Idee zum Geheimgang 188 entstand nach einem Wochenende in Berlin, wo die beiden Freunde, nicht das erste Mal, einen Escape Room besucht hatten. «Danach hat eins zum anderen geführt, alles ist aufgegangen», erzählt Hintermüller: von den perfekten Räumlichkeiten in den Kellergeschossen des alten Sulzer-Spitals unter dem Lagerplatz über die Mithilfe von vielen Freunden und Handwerkern bis zum erfolgreichen Crowdfunding von 5000 Franken auf der eigenen Homepage. Den Rest finanzierten sie durch private Investoren.

Fünf Angestellte ermöglichen es, künftig jeden Abend und am Wochenende geöffnet zu haben. Eine Stunde rätseln, kostet, je nach Gruppengrösse, 25 bis 50 Franken pro Person. 70 Gruppenspiele sind bereits im Vorverkauf gebucht worden. «Das Interesse war von Anfang an gross», sagt Hintermüller. Genau ein Jahr und einen Monat haben die beiden Gründer auf die Eröffnung hingearbeitet. Sie haben Lüftungen und eine Heizung eingebaut, den Empfangsraum isoliert und die Fluchtwege den Vorschriften angepasst.

Mehr als nur Schlösser öffnen

Zeitaufwändig sei auch das Austüfteln der beiden Spiele Sherlock Holmes, («Ein Klassiker») und Sonderkommando Meteor («schwieriger, mehr Technik») gewesen. «Es braucht gefühlte 3000 Fassungen, bis ein Spiel steht», sagt Hintermüller und lacht. Am aufwendigsten seien die kleinen Anpassungen am Schluss, bis alles reibungslos funktioniere. «Bei unserer ersten Testgruppe haben wir zum Beispiel nicht bemerkt, dass noch ein altes Stromkabel an einem Gerät befestigt war und der Elektriker die Steckdosen bereits ausgewechselt hatte.» Wir haben ihnen zugeschaut und verstanden nicht, wieso sie das Gerät nicht einfach einstecken.

Die Gruppen werden von den Spielleitern über eine Videokamera beobachtet. Immer wieder ertönt während dem Spiel ein Gong und Sherlocks Stimme ertönt. Manchmal lobt er, manchmal macht er blöde Sprüche, meist gibt er Hinweise. Dann nämlich, wenn die Teilnehmer zu lange ratlos herumstehen. Das passiert auch dem Team des «Landboten» ab und zu, soll aber auch so sein. «Uns war es sehr wichtig, dass das Spiel nicht aus einem Aneinanderreihen von Rätseln und Schlössern besteht, sondern eine Geschichte erzählt», sagt Hintermüller. Mit Dramaturgie kennt sich der 23-Jährige aus. Er ist ehemaliger Präsident des Jungen Theaters Winterthur und Gründer der Improtheater-Gruppe «Die Redaktion».

Die Katakomben unter dem Lagerplatz bieten sogar noch Platz für ein drittes Spiel, das erst noch entstehen wird. Nach etwa einem Jahr sollen die Geschichten jeweils ausgewechselt werden. Zu viel sei in diesem Artikel nicht über das Spiel verraten. Aber die Geschichte funktioniert, während der ganzen Stunde arbeiten wir hoch konzentriert, manchmal etwas frustriert, dann wieder hell begeistert am Lösen der Rätsel.

Das Spiel hat viel mehr zu bieten, als blosses Schlösser-Knacken. Da spielen Sternzeichen eine Rolle, versteckte Schalter, Temperaturunterschiede, Physik und geheime Rituale. Etwas beschämt sei zugegeben, wir haben es schlussendlich nicht geschafft. Aber nur ganz knapp nicht, also wirklich, mehr als 15 Zentimeter haben nicht gefehlt. Und, ganz allein unsere Schuld war es nicht, die letzten kleinen Details müssen Holenstein und Hintermüller bis morgen noch ausbügeln.

Eröffnung: Samstag, 25. März, 16.30 Uhr, Lagerplatz 2, Winterthur. www.geheimgang188.ch (Der Landbote)

Erstellt: 23.03.2017, 18:56 Uhr

Das erste, einfache Rätsel: Wo befindet sich die Eingangstür? (Bild: Marc Dahinden)

Eröffnung

Die Eröffnung des Geheimgangs 188 findet am Samstag, 25. März ab 16.30 Uhr am Lagerplatz 2 in Winterthur statt.
Informationen und Tickets: www.geheimgang188.ch

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