Winterthur

Via Skype Dudelsack studieren

Für Jeannine Piesold ist das Dudelsack­­spielen eine Leidenschaft. Als einzige Musikerin in der Schweiz studiert sie in Winterthur und in Glasgow.

Vier bis fünf Stunden täglich übt Jeannine Piesold auf ihrem Dudelsack. Der Rest der Familie spielt schottische Trommeln.

Vier bis fünf Stunden täglich übt Jeannine Piesold auf ihrem Dudelsack. Der Rest der Familie spielt schottische Trommeln. Bild: Melanie Duchene

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Für Jeannine Piesold ist das Dudelsackspielen so etwas wie ein Gesamtkunstwerk. Bei den Auftritten beispielsweise mit der Power of Lemania Pipeband tragen alle eine Uniform. «Das korrekte Tenü ist Pflicht.» Dieses besteht aus einem Kilt, geschnürten Schuhen, Kniestrümpfen, weissem Hemd, einer Weste und einem Hut. «Auf einem Bild sieht man ja nicht, wie gut man spielt, darum muss das Äussere auch stimmen», gibt die 36-Jährige zu bedenken.

Schon als kleines Kind musikbegeistert

Musik hat die gebürtige Baslerin schon als kleines Mädchen fasziniert: «Ich habe mit sechs Jahren im Kinderchor von Bo Katzmann gesungen.» Mit acht Jahren begann sie Piccolo zu spielen und schloss sich einer Fasnachtsclique an. «In Basel gehört es einfach dazu, dass man sich in der Fasnacht engagiert, jeder kennt jeden, ein richtiger Daig eben.»

«Ich bin durch meinen Vater zum Dudelsackspielen gekommen», erinnert sich Jeannine Piesold. Als sie 16 Jahre alt war, brachte ihr Vater eine Übungsflöte nach Hause. «Er hatte aber keine Ahnung, wie die Grifftabellen beim Dudelsack funktionierten», erzählt Jeannine und lacht laut her­aus. Weil sie von diesem Instrument so fasziniert war, nahm sie auch gleich Stunden bei den Pipes and Drums in Basel. «Die Lehrer attestierten mir grosses Talent», sagt sie nicht ohne Stolz. Für Jeannine Piesold, die mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Rafz lebt, ist der Dudelsack eine grosse Leidenschaft. «Ich kann das In­strument nicht mehr aus meinem Leben wegdenken.» Wenn sie von der Musik erzählt, spürt man ihre Begeisterung. Die sonst eher zurückhaltende Frau gerät dann richtig ins Schwärmen.

Dabei empfindet die Musikerin das Dudelsackspielen zuweilen auch als mühsam: «Bevor man richtig zu spielen beginnen kann, muss man das Instrument stimmen. Wenn sich dann aber das Wetter ändert, beginnt man gleich wieder von vorne, eigentlich ist man immer am Stimmen.» Der Grund dafür sei, dass die Flöten genau aufeinander abgestimmt sein müssten, weil auch Laien die Misstöne sofort hörten.

In den 20 Jahren, die sie schon Dudelsack spielt, hat Jeannine Piesold an unzähligen Auftritten, Wettbewerben, Meisterschaften und Trainingslagern teilgenommen. Seit rund zwei Jahren gibt sie selber Musikstunden an der Dudelsackschule in Dübendorf und an regionalen Musikschulen. Darum wollte sie sich weiterbilden und suchte in der Schweiz nach einem Konservatorium, das ihr eine Weiterbildung ermöglicht. «Seit Februar 2015 nehme ich im National Piping Centre in Glasgow via Skype Unterricht.»

Da aber dies nicht jeden Bereich abdeckt, suchte sie nach einer anderen Lösung. Das Winterthurer Institut für aktuelle Musik (Wiam) habe ihr angeboten, ein Musikstudium zu absolvieren. «Somit bin ich die erste Schweizerin, die hierzulande Dudelsack studiert.» Da ihr das Wiam keinen Dudelsackunterricht anbieten kann, absolviert sie diesen weiterhin via Skype beim National ­Piping Centre in Glasgow. Gehörbildung, Musiktheorie, Unterricht auf einem zweiten Instrument unterrichte das Wiam.

Die ganze Familie beim Musizieren dabei

Ihr Hobby nimmt vier bis fünf Stunden täglich in Anspruch und Jeannine Piesold ist viel unterwegs. Auf die Frage, was ihr Mann dazu meint, lacht sie über das ganze Gesicht: «Mein Mann und ­meine Söhne spielen schottische Trommeln und begleiten mich, wann immer es geht.» Die Pipe-Szene sei wie eine grosse Familie: «Man kennt einander, und dass die Familie auch dabei ist, gehört einfach dazu.»

Erstellt: 04.07.2016, 09:04 Uhr

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