Winterthur

Vieles unklar im Zentrum Töss

Der neue Besitzer des Zentrum Töss ist verstorben. Wie es mit dem Wohn- und Ladenkomplex weitergeht, ist weiterhin offen. Nun wird Kritik laut.

Nach langem Stillstand waren die Erwartungen gross, doch das Zentrum Töss blieb grösstenteils unangetastet.

Nach langem Stillstand waren die Erwartungen gross, doch das Zentrum Töss blieb grösstenteils unangetastet. Bild: Madeleine Schoder

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Am Zentrum Töss grünt es, fast auf jedem Stockwerk machen sich zwischen den Balkonplatten aus Beton Moos und Pflänzchen breit. Der Komplex, ab 1968 gebaut und bestehend aus Wohnblock, Hotel und Läden, wirft Fragen auf: Einfach nur hässlich oder ein interessanter Zeitzeuge? Kalter, abweisender Betonbau oder lebendiges Quartierzentrum?

Vielleicht stimmt ja auch alles auf einmal. Fakt ist: Das Zentrum beschäftigt die Tössemer immer wieder. Jahrelang herrschte Stillstand, bis das mehrere Baukörper umfassende Zentrum im Herbst 2017 aus der Konkursmasse des verstorbenen Pleitiers Rolf Erb gelöst werden konnte. Es ging damals an die Zürcher Familie Sternbuch, welche seither vor allem durch ihre Verschwiegenheit von sich reden machte.

«Die halten sich völlig bedeckt, was ich eigentlich nicht nachvollziehen kann»Rosmarie Peter, Quartierverein

Die Nicht-Kommunikation war Thema im Gemeinderat letzte Woche. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) beklagte, dass noch immer kein direkter Kontakt zwischen der Stadtregierung und den Eigentümern bestehe. Auch der Kontakt zum Anwalt sei zwischenzeitlich abgebrochen. Künzle hofft, wie so viele andere auch, auf eine Aufwertung, die auch von aussen sichtbar ist.

Dafür gibt es momentan nur Indizien. So wurden offenbar einzelne Wohnungen des Hochhauses saniert, wenn jeweils ein Mieter ausgezogen ist. Zudem wurde rund um den Eingang der Migros-Filiale die Fassade gespritzt und aufgehübscht, auch der Beton des Fröschli-Brunnens ist wieder etwas heller.

Hoffen auf ein «Minimum»

Die zuständige Verwaltung verweist zudem auf «kleinere Sanierungen» und die Modernisierung der Heizung. Grössere Arbeiten seien «in Planung». Völlig offen bleibt, ob die Umgebung des Zentrums umgestaltet wird oder was mit dem grossen Platz im oberen Bereich geschieht, wo unter anderem die Quartierbibliothek zu Hause ist.

Angefragte Mieter sagen zudem, sie seien weder über den Besitzerwechsel 2017 noch über allfällige Sanierungspläne informiert worden, dem stimmen die Ladenbesitzer im Erdgeschoss bei. Einzig der Pächter des Hotels und Restaurants will von konkreten Plänen wissen und lobt die neuen Besitzer für ihre Ideen.

«Selbst als ich als Gemeinderat einen offiziellen Brief an die Besitzer verschickt habe, gab es nicht mal eine Antwort. Das ist doch sehr verwunderlich und wenig vertrauensbildend.»Felix Helg, FPD-Gemeinderat aus Töss

Rosmarie Peter vom Quartierverein kritisiert die mangelhafte Kommunikation: «Das lief ganz schlecht, wir haben nie etwas direkt von den Eigentümern gehört.» Mehrere Anfragen seien unbeantwortet geblieben. «Die halten sich völlig bedeckt, was ich eigentlich nicht nachvollziehen kann», sagt Peter.

Denn grundsätzlich begrüsse der Quartierverein die bisher erfolgten Massnahmen. «Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass der Rest der Fassade ebenfalls rasch aufgewertet wird, aber wir sind nur schon froh, dass mit dem Komplex endlich überhaupt etwas geht.» Für Töss sei das Zentrum nur schon architektonisch einzigartig. Nun hoffe der Quartierverein auf ein Minimum an Information.

Erbregelung unbekannt

Der eigentliche Käufer Dow Sternbuch, ein Zürcher Wirtschaftsjurist und Mäzen für jüdische Schulen, starb im Herbst mit 70 Jahren. Er besass auch mehrere andere Immobilien. Wie das Erbe geregelt ist, bleibt unbekannt. Im Verwaltungsrat der für das Zentrum Töss zuständigen Aspia AG verbleiben sein Sohn Bernard und der Anwalt der Familie, Livio Zanetti, ein ehemaliger GC-Fussballprofi.

Die Familie Sternbuch ist nicht nur für den Stadtpräsidenten, sondern auch für den «Landboten» nicht erreichbar. Sie äusserte sich auch beim Kauf im Jahr 2017 nicht öffentlich. Ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt übrigens Christian Erb, Bruder des verstorbenen Pleitiers. Er hält seine Anteile am Zentrum aufgrund eines Schenkungsvertrags aus dem Jahr 2003.

FDP-Gemeinderat Felix Helg aus Töss fordert nun einen Tatbeweis der neuen Eigentümer. «Selbst als ich als Gemeinderat einen offiziellen Brief an die Besitzer verschickt habe, gab es nicht mal eine Antwort. Das ist doch sehr verwunderlich und wenig vertrauensbildend.» (Der Landbote)

Erstellt: 22.04.2019, 19:56 Uhr

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