Klimaschutz

«Vielleicht streiken wir bald in Winterthur»

Schon drei Mal sind Jugendliche in Zürich fürs Klima auf die Strassen. Jonas Stadler ist Mitorganisator der Streiks und weiss, dass er in den nächsten Jahren nicht mehr fliegen will.

Seit Wochen streiken Schülerinnen und Schüler fürs Klima. Vielleicht ist es auch in Winterthur bald so weit. Bild: Keystone

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Jonas Stadler, die Streikaktion der 15-jährigen Umweltaktivistin Greta Thunberg aus Schweden hat auf der ganzen Welt für Aufsehen gesorgt. Warum sind Sie auf die Strasse gegangen?
Jonas Stadler: Ich habe mich schon vorher für den Klimaschutz engagiert. Aber zum Streiken bin ich vor allem wegen den Demonstrationen in Australien gekommen. Denn diese haben Schweizer Schülerinnen und Schüler inspiriert. Greta war mit ihrem Anliegen anfangs eher alleine in Schweden. In Australien waren es dann zum ersten Mal mehrere 1000 Leute, die gemeinsam auf die Strasse gingen.

Was haben Sie denn vorher für unsere Umwelt gemacht?
Nebst meinem Studium habe ich schon im Zivildienst und in einem Praktikum im Bereich des Klimaschutzes gearbeitet. Dafür investiere ich auch einen grossen Teil meiner Freizeit. Ich esse nahezu kein Fleisch, deshalb kann ich mich nicht Vegetarier nennen.

«Nach dieser Logik könnten wir uns gleich in einen Bunker verkriechen und auf den Weltuntergang warten.»

Man ist also auch als Umweltschützer mal inkonsequent?
So wenig wie möglich natürlich. Letztes Jahr habe ich für längere Zeit in Namibia studiert. Da bin ich auch mit dem Flugzeug hingeflogen. In den nächsten Jahren werde ich aber bestimmt nicht mehr so verreisen. Das wollen Kritiker natürlich hören. Laut einigen darf man sich auch nicht fürs Klima einsetzen, wenn man ein Smartphone hat. Nach dieser Logik könnten wir uns gleich in einen Bunker verkriechen und auf den Weltuntergang warten. Aber beim Klimastreik dürfen sich alle engagieren, weil es dringend notwendig ist.

Sie sind 22 Jahre alt, also noch sehr jung. Viele planen, dann auch mal eine Weltreise zu machen. Würden Sie fürs Klima darauf verzichten?
Meine kleine Weltreise habe ich mit diesem Auslandaufenthalt hinter mir. Ich denke, man kann auch hier in Europa gut mit dem Zug verreisen. Das möchte ich auch in Zukunft so handhaben. Wenn man weiter weg will, dann muss man sich eben mehr Zeit dafür nehmen und ökologisch verreisen. Also beispielsweise den Zug oder das Velo nehmen. Das bietet sowieso mehr Erlebnisse, als eine Flugreise.

Das heisst, vor allem der Einzelne sollte mehr für die Umwelt tun?
Ich denke, man sollte die Einzelnen eher entlasten. Klar, kann jeder beeinflussen, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegt. Aber die Politik muss die Spielregeln so festlegen, dass billige Preise nicht einfach auf Kosten der Umwelt ermöglicht werden. Vor allem die Flugpreise wären da ein Ansatz.

Was wollt ihr denn mit euren Demonstrationen bewirken?
Generell will der Klimastreik vor allem Druck auf die Politik und die Gesellschaft machen. Wir wollen zeigen, dass dieses Thema dringend ist. Es ist wahrscheinlich das grösste Problem, das die Menschheit je verursacht hat. Die Fakten sind eindeutig, man muss einfach handeln. Wir wollen auch keine neuen Ideen einbringen, denn die gibt es bereits. Es geht, darum zu zeigen, dass es unsere Zukunft ist, die Zukunft der Jungen.

«Der Klimawandel ist wahrscheinlich das grösste Problem, das die Menschheit je verursacht hat.»

Was halten Sie von kritischen Stimmen, die diese Streiks nur als Modeerscheinung sehen?
Natürlich gibt es Leute, die weniger interessiert sind und einfach mitlaufen. Aber auch diese braucht es, so funktioniert nun mal eine solche Bewegung. Doch die Mehrheit ist engagiert und denen liegt der Klimaschutz am Herzen. Wir haben auch von vielen Organisationen Rückmeldung bekommen, dass sie eine solche Dynamik noch nie erlebt hätten.

Wie merkt man diese Dynamik?
Die Medien berichten viel, die Resonanz ist gross. Auch das Schweizer Radio und Fernsehen hat schon viele Male darüber berichtet. Das Thema ist nun wieder auf dem Tisch. Es ist eben einfach anders, wenn die Jungen sagen, man muss dringend etwas tun.

Sie sind aus Winterthur, ihr demonstriert aber in Zürich. Sind die Winterthurer zu wenig motiviert?
Es ist gerade eine Whats-App-Gruppe mit Winterthurern entstanden, die hier zusammen demonstrieren wollen. Vielleicht ist es also bald soweit.

Wie haben Sie denn bis jetzt die Streiks in Zürich erlebt?
Ehrlich gesagt war ich noch nie an einer so energievollen Demonstration dabei. In Bern war ich bei der Demo «Klimaalarm», das war schon in Ordnung, aber in Zürich war es unglaublich. Man hat gemerkt, dass alle mit Herzblut dabei sind. Über zwei Stunden haben sich die einen die Seele aus dem Leib geschrien. Viele sind erleichtert, endlich die Möglichkeit zu haben, etwas für ihre Zukunft zu unternehmen.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.01.2019, 17:12 Uhr

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Jonas Stadler ist selbst auch klimabewusster geworden.

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