Humlikon

Vom Kampf um Mikrowellen zur UNO-Generalversammlung

Die 21-jährige Humlikerin Alicia Joho ist eine von drei Schweizer Jugenddelegierten für die UNO. An der Generalversammlung in New York diese Woche setze sie sich für die Anliegen der Schweizer Jugendlichen ein.

Schon am ersten Tag durfte die 21-Jährige Humlikerin eine Rede zur Bildung halten.

Schon am ersten Tag durfte die 21-Jährige Humlikerin eine Rede zur Bildung halten. Bild: PD

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Sie waren bis gestern als Jugenddelegierte bei der UNO in New York. Wer war vorher nervöser, Sie oder Ihre Eltern?
Alle waren etwas nervös, aber ich war klar am nervösesten. Weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie es wird, wen ich treffen, was ich unternehmen werde.

Sie sind in der 500-Einwohner-Gemeinde Humlikon aufgewachsen und waren jetzt für zehn Tage in der Millionenmetropole New York. Kulturschock?
Eigentlich nicht, ich wohne seit einiger Zeit in Genf. Ich studiere dort im fünften Semester Internationale Beziehungen. Es ist schon anders als in der Schweiz, in der Nacht hörte ich immer irgendwo Sirenen. New York ist wirklich die Stadt, die nie schläft.

Sind Sie alleine hingereist?
Ja, aber ich war in engem Kontakt mit der Schweizer Mission. Sie haben mir gezeigt, wo welche Säle sind, wie ich einen Badge bekomme. Ich fand mich ziemlich schnell zurecht.

Sie sind bis 2021 eine von drei Schweizer Jugenddelegierten für die UNO. Was machen Sie in dieser Zeit?
Im ersten Jahr unseres Mandats besuchen wir die UNO-Konferenzen und planen in der Schweiz verschiedene Projekte.

Zum Beispiel?
Für den Januar haben wir eine Fotoausstellung zum Thema junge Flüchtlinge geplant. Sie wird in mehreren Städten zu sehen sein und soll dafür sensibilisieren, dass Flüchtlinge einen grossen Teil ihrer Schule verpassen.

Und was hat das mit der UNO zu tun?
Zugang zu Bildung ist eines der 17 UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung, dass sie bis 2030 erreicht haben will. Die Ausstellung soll zeigen, wie wichtig dieser Zugang zu Bildung ist.

Die Jugenddelegierten an der UNO-Versammlung

Sie durften schon am ersten Tag vor einem vollen Saal ein kurzes Statement verlesen, indem Sie die Wichtigkeit der Bildung betonten. Wie war das?
Ich war im dritten Ausschuss, in dem es um soziale, humanitäre und kulturelle Themen geht. Es hat Tradition, dass man dort die Jugendlichen reden lässt. Weil sich die Schweiz sehr früh in die Rednerliste eingetragen hatte, war ich die erste Jugenddelegierte, die sprach. Ich war sehr nervös und hatte Angst, dass man mir das ansieht. Aber das war zum Glück nicht der Fall.

Haben Sie die Rede geübt?
Die Rede musste vorher von mehreren Bundesstellen validiert werden. Mein Entwurf wurde aber nicht stark geändert. Eine Woche vorher bekam ich die finale Version und fing an, sie auswendig zu lernen. Dass die Rede auf Französisch war, wie alle Schweizer Statements, war auch eine Herausforderung.

Stimmen Sie auch ab an den Versammlungen?

Nein, der dritte Ausschuss tagt bis im Dezember, die Abstimmungen sind erst am Schluss. Nun ging es darum, dass die Länder ihre Themen vorbringen und man diese in sogenannten «informals» diskutiert.

Sie wollten hier auch die Anliegen der Schweizer Jugendlichen vorbringen. Was sind diese Anliegen?
Ein grosses Anliegen ist sicher, dass Jugendliche gehört und einbezogen werden möchten. Das sieht man bei den Klimastreiks. Wir sind da, wir wollen mitreden. Es geht um unsere Zukunft.

Wie möchten Sie diese Anliegen bei der UNO einbringen? Das dürfte kaum Gewicht haben.
Dass wir dabei sein dürfen, zeigt schon, dass sich etwas verändert. Wenn man sich die Fotos mit den Jugenddelegierten anschaut, sieht man deutlich, dass immer mehr von uns eingeladen werden. Dieses Jahr sind wir über 60 Junge. Ich habe alle getroffen und mit allen gesprochen.

Es gefällt mir, mit Leuten, die meine Ziele und Einstellungen teilen, für etwas einzustehen.Alicia Joho

Und was beschäftigt die Jugendlichen auf der anderen Seite der Welt?
Das Klimathema beschäftigt. Ich hatte aber auch viel mit der Jugenddelegierten aus Südkorea zu tun. Themen wie Gleichstellung, die bei uns schon lange diskutiert werden, wurden bei ihnen erst vor Kurzem überhaupt zum Thema. Das war spannend.

Sie engagierten sich in der Schülerorganisation und im Jugendparlament. Nicht gerade die begehrtesten Hobbys von Jugendlichen.
Es gefällt mir, mit Leuten, die meine Ziele und Einstellungen teilen, für etwas einzustehen. Beispielsweise hatten wir nicht genügend Mikrowellen am Gymi, das konnte ich dann am Konvent sagen und am Schluss hatten wir eine Lösung.

Dann geht es für Sie später in die Politik.
Einen Traumberuf habe ich nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, bei einer internationalen Organisation zu arbeiten, die bei der UNO angesiedelt ist.

Mit 21 sind Sie UNO-Delegierte, Vollzeitstudentin und im Jugendparlament. Wo bleibt die Zeit zum Jung-Sein?
Es gibt Semesterferien, in denen man abschalten kann, wenn man sonst so viel unterwegs ist. Und wenn wir hier abends einmal unterwegs sind, geht es definitiv nicht immer um die UNO.

Erstellt: 11.10.2019, 17:09 Uhr

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