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Vom Kirchenchor auf die Musicalbühne

Bei den neuen ­Aufführungen des Musicals Evita in Zürich steht eine ­zehnjährige Winterthurerin auf der Bühne. Ihr Lied übt Paulina Calizaya auf dem Schulweg ein.

Showtalent: Paulina Calizaya singt im Musical Evita. Nervös ist sie «ein bisschen».
Showtalent: Paulina Calizaya singt im Musical Evita. Nervös ist sie «ein bisschen».
Johanna Bossart

Man kann sich gut vorstellen, wie Paulina singend in die Schule läuft. Das zehnjährige Mädchen wirkt beim Treffen zwar eher ruhig, hat aber keine Mühe, im Restaurant eine Kostprobe ihrer Gesangskünste zu geben: «Please, gentle Eva, will you bless a little child?» Paulina Calizaya möchte einmal Sängerin werden – oder etwas mit Tieren machen. Mit einer Rolle im Musical Evita unternimmt Paulina einen ersten Schritt in Richtung Schein­werferlicht.

An zwei Abenden, Samstag und Sonntag, darf sie bei den kommenden Aufführungen in Zürich die einzige Kinderrolle im Musical übernehmen und bei weiteren drei Vorstellungen steht sie als Statistin in derselben Szene auf der Bühne. Die Kinderrolle wird in jeder Stadt neu und immer mehrfach besetzt. Das hat arbeitsrechtliche Gründe, denn ein Kind darf nicht mehr als acht Stunden pro Woche arbeiten. Dadurch erhalten in Zürich vier Mädchen die Chance, einmal auf der grossen Bühne zu stehen.

«Papi, bitte sag ja!»

Paulina

«Seit wir den Kinderfilm Heidi im Kino gesehen haben, spricht Paulina davon, dass sie in einem Film mitspielen möchte», erzählt ihre Mutter, Annette Locher. Kein ungewöhnlicher Wunsch für eine Viertklässlerin. Dass sie dann aber selber die Initiative ergreift und sich für das Casting anmeldet, hätte auch ihre Mutter nicht erwartet. Sie habe das Inserat für die Rolle in der Zeitung gesehen und ihrem Vater gezeigt, erzählt Paulina. «Ich hatte gehofft, dass er sagt: Da könntest du mit­machen.» Und genau so reagierte er.

Das Casting fand im Zürcher Theater 11 mit vielen anderen Kindern statt. Zusammen wurde eingesungen, danach musste jedes Mädchen das Lied «Santa Evita» alleine vortragen. «Ich war am Anfang etwas nervös, aber nach dem Singen hatte ich ein gutes Gefühl», berichtet Paulina. Sie schaute gerade mit einer Freundin fern, als das Telefon klingelte: die Zusage. Nun freut sich das Mädchen auf das grosse Publikum, während die Mutter es gut findet, dass die Aufführungen und damit die langen Abende in die Ferien fallen und nicht die Schulzeit belasten.

Zweisprachig aufgewachsen

Bei der einzigen Probe vor den Auftritten wird Paulina ihr Kostüm, ein Kleidchen, erhalten; dazu trägt sie ihre eigenen Strümpfe und Schuhe. Das Lied kann sie bereits in- und auswendig. Um es zu lernen, zupfte sie sich die ersten Töne auf der Geige, die sie seit mehr als drei Jahren spielt, und übte die Noten ab Blatt. Das lernte sie im Kinderchor der katholischen Kirche St. Peter und Paul, wo sie einmal wöchentlich singt.

Auch die spanischen Zeilen im sonst englischen Lied sind kein Problem für Paulina. Sie spricht die Sprache zu Hause mit ihrem bolivianischen Vater. «Es ist ein schöner Zufall, dass ihr Vater wie die Geschichte des Musicals aus Südamerika stammt», sagt die Mutter. Er war es auch, der Paulina die Geschichte erklärte. Eva «Evita»” Perón war die Gattin des argentinischen Präsidenten und bekannt für ihren Einsatz für Arme. Das Musical erzählt Evitas Entwicklung vom einfachen Mädchen zur schillernden First Lady. Eine schöne Geschichte für ein Mädchen, das von einem Leben als Sängerin träumt.

Musical Evita:25. bis 30. April im Theater 11 in Zürich, Preise ­zwischen 48 und 128 Franken.

www.musical.ch

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