Winterthur

Warum das Spital nicht an der Paracelsusstrasse liegt

Krankenstation und Bierbrauerei: Diese Nähe stiess dem ersten Direktor des Kantonsspitals sauer auf. Doch seine Intervention zeitigte keinen Erfolg

Das Hauptgebäude des Kantonsspitals als Postkartenansicht aus dem Jahr 1950.

Das Hauptgebäude des Kantonsspitals als Postkartenansicht aus dem Jahr 1950. Bild: Archiv Stadtbibliothek

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Vor 60 Jahren wurde das heutige Kantonsspital Winterthur erstellt. Mit dem Bau des Parkplatzes wurde ein Teil der Gottfried-Keller-Strasse aufgehoben und das KSW bekam seine heutige Adresse an der Brauerstasse 15.

«Bei aller Wertschätzung für das Brauergewerbe, scheint uns der Name ‹Brauerstrasse› als Adresse für das grosse Spital nicht gerade der richtige zu sein.»

Der damalige Spitaldirektor hielt dies für unpassend und versuchte bei den Behörden zu intervenieren: «Bei aller Wertschätzung für das Brauergewerbe, scheint uns der Name ‹Brauerstrasse› als Adresse für das grosse Spital mit seiner Frauenklinik und dem Kinderspital nicht gerade der richtige zu sein. Die Bierfabrik in unserer Nachbarschaft hat immer noch eine ‹Malz-› und eine ‹Hopfenstrasse›, sodass dieses Gewerbe wohl genügend mit Strassenbezeichnungen geehrt wird.»

Da in der Altstadt in Erinnerung an das erste Krankenhaus am Neumarkt bereits eine Spitalgasse existierte, war dieser Name nicht verfügbar. Deshalb schlug der Spitaldirektor vor, eine historische Persönlichkeit wie den berühmten Arzt Paracelsus aus dem 16. Jahrhundert oder den Rot-Kreuz-Gründer Henri Dunant als Namenspaten zu verwenden.

«Täfeli» unnötig

In einer internen Notiz an den Stadtgeometer, der für die Strassenbenennungsgeschäfte zuständig war, zeigte der Stadtrat nur beschränkt Verständnis: «Der Wunsch des Spitalverwalters hat eine gewisse Berechtigung, wenn auch zu sagen ist, dass wohl kein Mensch das Kantonsspital nach einem Strassentäfeli sucht und wohl auch Briefschaften nicht mit dem Strassennamen adressiert werden.»

Schliesslich wurde entschieden, dass eine Umbenennung nicht notwendig sei: die «imposanten Gebäudlichkeiten» würden in diesem Fall bereits die beste Orientierung bieten.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.10.2017, 16:43 Uhr

Strassen und Namen

Wo befindet sich die einstige «Hintergasse», deren Bewohner lange um eine Namensänderung kämpfen mussten? Und weshalb darf die Schlachthofstrasse in Wülflingen trotz Widerstand des Stadtrats noch immer so heissen? Der Winterthurer Historiker Miguel Garcia hat für den «Landboten» die Geschichten hinter den Winterthurer Strassennamen recherchiert. Die Serie startet heute mit dem Beispiel der Brauerstrasse, weitere acht Geschichten folgen in den nähchsten Tagen.

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