Altstadt

Was auf Starbucks folgen könnte

Im prominenten Haus am Neumarkt soll auch nach der kurzen Starbucks-Ära Gastronomie betrieben werden, sagt Eigentümer Lorenz Haid, und räumt einige Befürchtungen aus.

Nach nur drei Jahren gibt der US-Kaffee-Multi Starbucks seine Filiale am Winterthurer Neumarkt auf.

Nach nur drei Jahren gibt der US-Kaffee-Multi Starbucks seine Filiale am Winterthurer Neumarkt auf. Bild: Enzo Lopardo

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Die Nachricht, dass der Kaffee-Multi Starbucks seine Filiale am Neumarkt Ende Monat schliessen wird, ist in Winterthur mit auffallender Schadenfreude aufgenommen worden. Im Internet ergiesst sich über dem US-Konzern mehr Häme als die Kaffee-Kette an Milch in einen Grande Latte schüttet. Derweil Starbucks-Fans mit den Schultern zucken und auf die verbleibende Filiale am Hauptbahnhof verweisen, rufen andere «Bravo Winterthur!». Ganz so als hätte eine wackere kleine Stadt gerade die Globalisierung in die Schranken verwiesen.

Fast-Food-Ängste

Abseits der emotionalen Reaktion stellt sich die Frage, wie es am zentralen Standort weiter gehen soll. Die Wirtefamilie Kqira, die im Lokal vor der Starbucks-Zeit das Stella del Centro betrieben hat, ist längst ins Restaurant Goldenberg weitergezogen. Und die jüngsten Umnutzungen von Altstadtliegenschaften lassen nichts Gutes ahnen. Erst vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass an die Stelle des früheren Foto-Glattfelder beim Eingang in die Obergasse ein Migrolino eröffnen soll. Die Migros führt bereits an beiden Enden der Hauptgasse das Güggeli-Schnellrestaurant Chickeria. Und vom US-Konkurrenten Kentucky Fried Chicken (KFC) weiss man, dass er in der Schweiz auf Standortsuche ist. Droht Winterthur am Ende noch ein dritter Güggeli-Grill in der Altstadt?

Strassenumfrage

Der Starbucks verschwindet: Wie finden Sie das? Wir haben Passantinnen und Passanten in der Altstadt gefragt.

Lorenz Haid, Besitzer der Altstadtliegenschaft, winkt ab. Von KFC habe sich bisher niemand bei ihm gemeldet, sagt er. Hingegen gebe es schon eine lange Liste von Interessenten, die alle eine «Bereicherung für Winterthur» sein könnten. Noch ist nichts entschieden. Haid sieht aber eine Weiternutzung des Hauses als Kaffee als wahrscheinlich an. Allerdings mit einem flexibleren gastronomischen Konzept. Denn das starre Geschäftsmodell sei letztlich mit ein Grund für das Scheitern von Starbucks in der Altstadt. «Die Zahlen waren gar nicht schlecht. Es fehlte einfach das Abendgeschäft.»

Der «Landbote» hatte nach einer indirekten Einsicht in Geschäftszahlen von Starbucks am Neumarkt einmal einen ungefähren Jahresumsatz von 1,2 Millionen Franken errechnet. Mit dem Abendgeschäft wären rund 2 Millionen möglich gewesen, ist Haid überzeugt. «Dann hätten alle etwas verdient.» So hat sich Starbucks nun um einen vorzeitigen Abbruch des Mietvertrages bemüht. Haid sagt, man habe sich einvernehmlich getrennt.

Erst mal eine Baustelle

Bis am Neumarkt ein neuer Mieter sein Glück versucht, wird das Lokal nun mehrere Monate leer stehen. Haid ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr einen neuen Mieter unter Vertrag nehmen zu können. Dieser müsse aber erst umbauen, und das dauere, auch weil die Denkmalpflege ein Wort mitzureden hat. «Ich hoffe nur, dass die Stadt anerkennt, dass man an diesem Ort etwas Unterstützung braucht, wenn man etwas gelungenes Neues machen will.»

«Die Zahlen von Starbucks waren gar nicht so schlecht.»Lorenz Haid, 
Eigentümer der Liegenschaft

Die Interessenten, mit denen die Gespräche schon fortgeschritten seien, seien es alle gewohnt, auch architektonisch Rücksicht auf die lokalen Gegebenheiten zu nehmen, sagt Haid. Die räumliche Situation bleibe dennoch anspruchsvoll. Das sei vor drei Jahren auch der eigentliche Grund für den Mieterwechsel gewesen. Ein Umbau, der den modernen Ansprüchen an ein Restaurant entsprochen hätten, wäre an diesem Standort nur schwer möglich gewesen. Darum habe er der Kaffeekette mit ihren wesentlich schlichteren Installationen den Vorzug gegeben. Die Wirtefamilie Kqira hatte die Konstellation damals anders dargestellt, auch den Mietpreis als Auszugsgrund genannt.

Auf eine künftige Nutzung der Liegenschaft festlegen, will sich Haid heute auf Nachfrage nicht, eine Fast-Food-Kette und ein Kleiderladen sieht er als wenig wahrscheinlich. «Aber ich schliesse auch das nicht aus, wenn es es keine bessere Lösung gibt.»

Erstellt: 14.08.2019, 17:31 Uhr

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