Schulpflegepräsidium

Was ist wertvoller, Innen- oder Aussensicht?

Seen-Mattenbach muss als einziger Schulkreis am 15. Juli noch eine Präsidentin oder einen Präsidenten wählen. Drei Kandidierende glauben, mit ihrer Erfahrung punkten zu können — wenn auch in unterschiedlichen Bereichen.

Alle drei Kandidierenden haben einen Bezug zu Seen-Mattenbach. Beat Meier (FDP) ist in Seen aufgewachsen, Martha Jakob (GLP) und Hans Peter Rohner (EVP) wohnen im Kreis.

Alle drei Kandidierenden haben einen Bezug zu Seen-Mattenbach. Beat Meier (FDP) ist in Seen aufgewachsen, Martha Jakob (GLP) und Hans Peter Rohner (EVP) wohnen im Kreis. Bild: Marc Dahinden

Aus dem Zweikampf ums Präsidium wurde nach dem ersten Wahlgang ein Dreikampf. Was waren Ihre Gedanken, als Sie davon erfuhren?
Beat Meier (FDP): Mich würden Hans-Peter Rohners Beweggründe im Detail interessieren.

Martha Jakob (GLP): Ich habe gestaunt, dass ein EVP-Kandidat kommt, da die Partei ja mich unterstützt. Aber grundsätzlich hat jeder das Recht anzutreten. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, künftig miteiander zu arbeiten.

Herr Rohner, was war denn Ihre Motivation?
Hans-Peter Rohner (EVP): Ich habe schon länger überlegt zu kandidieren, entschied mich im ersten Wahlgang aufgrund der zwei starken politischen Blöcke dagegen. Als ich aber sah, dass 700 Stimmen an andere Personen gingen und 1000 Zettel leer abgegeben wurden, merkte ich, dass es Unmut gibt. Deshalb kandidierte ich, auch ohne Unterstützung der EVP.

Die Wahlunterlagen sind aber bereits gedruckt, ohne einen Stern für die Präsidiumskandidierenden bei Ihrem Namen. Kam Ihre Entscheidung zu spät?
Nein, das ist in meinen Augen ein Fehler des Wahlbüros. Man sagte mir schon am Tag nach dem ersten Wahlgang, die Wahlunterlagen seien bereits im Druck. Das dürfte nicht sein, denn jeder Gewählte ist für das Präsidium wählbar. Ein klarer Fehler — und leider ja nicht der erste.

«Ich merkte, dass Unmut vorhanden ist. Deshalb habe ich kandidiert.»Hans-Peter Rohner, 
EVP

Frau Jakob, Sie erzielten am meisten Stimmen, haben Sie Ihre Kündigung am alten Arbeitsort schon geschrieben?
Jakob: Ich habe eine provisorische Kündigung eingereicht, ich wäre vorbereitet, falls es klappt, kann aber bleiben, wenn nicht. Mich haben die vielen Stimmen jedenfalls sehr gefreut.

Was würden Sie bei einer Nichtwahl tun? Sie haben offen gelassen, ob Sie dann das Amt als Schulpflegerin überhaupt antreten würden.
Jakob: Ich habe es mir überlegt und kam zum Schluss, dass ich das Amt annehmen würde.

Meier: Das finde ich positiv. Schön, dass wir nun in dieser Konstellation arbeiten können.

Herr Meier, Sie müssen einen Rückstand wettmachen, was tun Sie, damit das gelingt?
Meier:Womöglich spielte der Frauenbonus. Ich werde aber alles daran setzen, das Resultat noch zu wenden. Wesentlich ist jetzt, die Wählenden noch einmal zu mobilisieren. Das ist mein Ziel

Herr Rohner, Sie sind als einziger schon Mitglied der Schulpflege Seen-Mattenbach. Ein Vorteil?
Rohner:Ja absolut. Ich kenne die Schlüsselpersonen, die Schulleitungen und geniesse durch meine bisherige Arbeit ihr Vertrauen.

Jakob:Es stehen in Winterthur viele Themen an, bei denen die bisherigen Behörden offenbar seit längerem anstehen. Da kann es ein Vorteil sein, wenn man von aussen kommt. Und Die Leute werde ich schnell kennen lernen.

Meier: Vertrauen muss man sich so oder so erarbeiten. Aber ich möchte noch etwas Anderes ansprechen. Die Hauptaufgabe des Präsidiums ist es, die Schulleitungen zu führen. Martha Jakob ist heute Schulleiterin. Wir brauchen aber keine Oberschulleiterin, sondern eine komplementäre Aussensicht. Ein Präsident muss Erfahrungen im Bereich der Personalführung, Krisen- und Projektmanagement und in der Kommunikation mitbringen.

Sind Sie der Meinung Martha Jakob sei als Schulleiterin zu nahe an der Schule dran?
Meier: Ja, ich habe den Eindruck.

Jakob:Du kennst mich noch kaum. Die Innensicht der Schule ist wertvoll, wenn ich daran denke, dass Behörden Entscheide treffen, die Einfluss bis ins Schulzimmer haben. Es ist wichtig, abschätzen zu können, welche Auswirkungen Entscheide auf unsere Kinder haben. Diese Sicht schadet sicher nicht, im Gegenteil.

Meier: Diese Erfahrung habe ich auch, ich bin seit vielen Jahren in der Schulpflege. Aber meine Angst ist, dass Du die Schulleiter zu stark beeinflusst

«In Winterthur nutzt man nicht alle  Ressourcen, die vorhanden wären.»Martha Jakob, 
GLP

Jakob: Wenn man Schulleitende sucht, wählt man bevorzugt ehemalige Lehrpersonen. In diesem Feld hat man diese Angst nicht. Es ist doch genau das Gleiche: Ich führe als ehemalige Schulleiterin nachher Schulleitungen, wo ich jetzt als ehemalige Lehrerin Lehrpersonen führe.

Meier: Aber ein Schulleiter hat einen pädagogischen Auftrag, ein Schulpflegepräsident dagegen eine strategischen.

Jakob: Woher kommt diese Angst, gibt es eine konkrete Erfahrung?

Meier: Im Volksschulgesetz war früher sogar verankert, dass Lehrer nicht Lehrer kontrollieren sollen. Beim Strassenverkehrsamt reparieren wir auch nicht Autos und kontrollieren sie dann selber. Der Gesetzgeber hat das bewusst getrennt. Ich habe den Eindruck, dass Du zurückfallen würdest in die frühere Rolle und Dir dann die Objektivität fehlt.

Rohner: Ich teile die Einschätzung von Beat Meier. Aber eigentlich müsste man die Schulleiter fragen, ob sie jemanden aus ihren Reihen als Chefin möchten.

Jakob: Schau mein Komitee an, das sitzen viele Schulleiter drin. Ich habe jetzt als Schulleiterin eine Behörde, die Bescheid weiss. Das ist wertvoll, die ganze Aufklärungsarbeit fällt weg, Ich mache damit beste Erfahrungen.

Rohner: Da müssen wir differenzieren. In der Zentralschulpflege hat es Lehrerbeisitzer und Schulleitungsbeisitzer, die ihr Wissen auch einbringen. Es ist nicht so, dass Du matchentscheidend wärst. Es hat Fachleute.

Jakob: Ich möchte nochmals auf das Thema Erfahrung kommen. Ihr hattet als Schulpfleger alle zwei Monate eine Sitzung, also sechs im Jahr. Ich gab 20 Jahre Schule in dieser Stadt und arbeite seit fünf Jahren vollamtlich als Schulleiterin. Das ist eine andere Qualität von Erfahrung.

Rohner: An diesen Sitzungen fassen wir ja nur Beschlüsse. Die ganze Vorbereitung braucht aber Stunden, wenn man es seriös macht. Der Aufwand ist grösser.

Ihre Hauptaufgabe wäre künftig das Führen. Beschreiben Sie Ihren Führungsstil.
Roher: Ich möchte Vertrauen aufbauen und zuhören. Mein Ziel ist nicht, alles umzukrempeln, vieles hat sich bewährt im Kreis, Konstanz ist mir wichtig. Ich finde, man sollte die Schulleiter an den langen Zügeln lassen. Das sind kreative Leute. Nicht jeder macht es gleich und das ist auch gut so.

Jakob: Führen heisst auch, sich führen lassen. Es ist ein Miteinander. Den Begriff «Zügel» kenne ich in meinem Führungsverständnis nicht. Wir machen es miteinander. Manchmal überschneiden sich die Felder von Schulpflege und Schulleitern. Dann muss man miteinander vernetzt arbeiten.

Meier: Ich habe einen partizipativen Führungsstil, möchte aber auch ein Vorbild sein. Kommunikation ist mir wichtig, zugleich schaue ich genau hin. Ich will nahe bei den Schulleitenden sein. Mir schwebt ein 14-täglicher Austausch vor. Ich will den Puls spüren in allen Schulhäusern, beispielsweise in der 10 Uhr Pause mal mit der Lehrerschaft einen Kaffee trinken. Es muss ein Miteinander sein. Nur als Präsident alleine, kann man nichts bewirken. Mir ist auch wichtig, die Schulpflegemitglieder einzubeziehen, ich würde einen intensiveren Sitzungsrhythmus wählen.

Wechseln wir zu anstehenden Schulthemen. Im Gemeinderat wurde ein Postulat überwiesen, das eine Tagesschule pro Kreis fordert, wie stehen Sie dazu?
Meier: Das ist eine gute Sache, man muss aber alles sauber regeln, etwa die Morgen- und Abendbetreuung oder das Finanzielle. Es gibt noch offene Fragen. Aber die Idee begrüsse ich sehr.

Jakob: Ich finde das dringend. Die Bedarfsklärung vor Ort ist wichtig. Man darf das Angebot nicht an den Eltern vorbei planen.

Rohner: Ich befürworte das auch. Für mich ist einfach wichtig, dass das Angebot freiwillig bleibt.

«Die Zusammenarbeit liesse sich optimieren.»Beat Meier, 
FDP

Neu sollen die Kreisschulpflegen auch die Verantwortung für organisatorische Massnahmen, wie einen Lotsendienst, für sichere Schulwege übernehmen. Halten Sie Lotsen für sinnvoll?
Ja. Sie beobachten nämlich nicht nur die Verkehrssituation, sondern nehmen auch eine präventive Funktion in andern Bereichen wahr. Ich würde mich stark für Lotsen einsetzen. Das ist eine gute Investition.

Jakob: Wenn ich den Auftrag erhalte, für Sicherheit zu sorgen, kommt mir das sehr entgegen. Das ist das A und O — da darf man nicht sparen, ich würde auch etwas investieren, wenn nötig. Ich finde es aber auch schön, wenn man mit Elternräten oder mit einem Verein etwas aufgleisen kann. Es gibt gute Ideen.

Meier: Die Sicherheit muss im Zentrum stehen. Ich würde mir aber wünschen, dass man die Situation gesamtstädtisch anschaut. Im «Landboten» war der Übergang Rebwiesen ein Thema. Aber es gibt noch viel gefährlichere Übergänge. Die Kinder werden immer jünger. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei zu begrüssen.

Im Kreis Seen-Mattenbach ist der Schulraum knapp, was braucht es?
Rohner: Es braucht flexible Lösungen wie Pavillons, die man zügeln kann. Zudem braucht es eine rollende Planung. Es kann nicht sein, dass manche Kinder im Hort zur Schule müssen.

Jakob: Manche sollte bei den Provisorien nicht die günstigste Variante nehmen, diese sind teils sehr unbefriedigend. Wenn man Pavillons einsetzt, finde ich es zudem wichtig, dass sie bei der Schule stehen, damit keine Klasse abseits stehen muss .

Meier: Es braucht genügend Schulraum: Jedes Kind sollte am Wohnort zur Schule gehen dürfen. Ich sehe aber einen strategischen Ansatz, eine Zusammenarbeit mit Kanton und Stadt. Man hat viele gesicherte statistische Werte. Man müsste viel stärker in die Zukunft planen, und zwar im Verbund. In Dättnau ist man zum dritten Mal am Bauen und es wird immer teurer. Hätte man das von Beginn weg richtig gemacht, wäre es günstiger gewesen.

Rohner: Es lässt sich aber nicht alles planen. Es kann blitzschnell gehen, ich denke an das Asylzentrum in der Grüze. Da stehen plötzlich viele Kinder da, die untergebracht werden müssen.

Meier: Aber nicht alles geschieht von heute auf morgen. Mehr Zusammenarbeit schadet nicht.

Das Sparkorsett der Schule ist eng, ist es zu eng?
Rohner: Ja definitiv. Für die Unterstützung der Sonderschüler haben wir zu wenig Ressourcen. Viele Lehrpersonen kommen an den Anschlag, es braucht unterstützendes Personal.

Jakob: Man nutzt nicht alle Ressourcen, die man könnte. In Winterthur setzt man offenbar die verfügbaren Gestaltungspoolstunden nicht zusätzlich für Unterricht ein, ebenso wenig nutzt man die Möglichkeit der kommunalen Erweiterung der Pensen für Schulleitungen. Ich frage mich wieso. Fehlt das Wissen um diese Ressourcen? Das würde ich anschauen, es geht um viele ungenutzte Möglichkeiten.

Meier: Ich habe auch den Eindruck, dass das Korsett eng ist. Man müsste die vorhandenen Instrumente besser nutzen. Auch die Zusammenarbeit liesse sich optimieren. Da fehlt das Miteinander. Sparen an der Bildung ist grundsätzlich falsch. Aber man hat in der Vergangenheit auch Fehler gemacht. Ich denke an Sirma, wenn man kein Planungsbudget, Controllinginstrument und keine Umsetzungsbegleitung hat, kommt das nicht gut.

Einteilungen beschäftigen Eltern sehr. Wie ist Ihre Haltung, wie weit kann man Eltern entgegen kommen?
Rohner:Wir haben eine strategische Planung und müssen verschiedene Faktoren wie Schulweg oder Klassengrösse unter einen Hut bringen. Ich werde Eltern ernst nehmen, aber manchmal muss man sagen, nein, es geht nicht, aus strategischen Gründen.

Meier: Elternmitwirkung ist für mich ganz wichtig, es wäre mir auch ein Anliegen, mit den Elternräten zusammenzusitzen. Aber wenn es um personelle Fragen oder Klassen- und Gruppeneinteilungen geht, würde ich klar die Grenzen ziehen. Man schaut das wohlwollend an, aber es ist nicht immer möglich.

Jakob: Wichtig ist, dass man transparent informiert, auf welcher Grundlage man entscheidet. Bei Infoveranstaltungen kommen viele Fragen. Klar ist, dass man nicht wählen kann, wo man zur Schule geht. Aber es kann sinnvoll sein, auf die Anliegen der Eltern einzugehen.

Zum Schluss: Was unterscheidet Sie von Ihren Konkurrenten?
Meier:Zwölf Jahre Erfahrung in der Schulpflege, davon neun als Vizepräsident. Zudem bringe ich Kompetenzen im personellen Bereich, in der Kommunikation sowie Erfahrungen im Krisen- und Projektmanagement mit.

Jakob: Ich bringe eben auch Erfahrung mit. Ich kenne die Schule, das Umfeld und die Zusammenarbeit mit kantonalen Entscheidungsträgern. Meine Haltung ist geprägt von meinem Wissen, Verstehen und der Erfahrung aus der Praxis.

Rohner: Als einziger habe ich Erfahrung als Schulpfleger in SeenMattenbach. Ich kenne die Strukturen und die Leute und könnte die alten Schulpflegenden mit den neuen zusammenführen.

Gesprächsleitung: Mirjam Fonti

(Der Landbote)

Erstellt: 29.06.2018, 16:22 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.