Winterthur

Was vom Streit um die Stefanini-Stiftung bleibt

Mit dem Urteil des Bezirksgerichts vom Montag dürfte, ja muss der Streit zwischen der Familie von Bruno Stefanini und zwei früheren Topleuten seiner Immobilienfirma ein Ende haben. Für die Tochter ist selbst die Niederlage vor Gericht ein Sieg.

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Erleichterung. Es war wohl diese Empfindung, mit der Bruno Stefaninis frühere Topleute Markus Brunner und Umit Stamm am Montag das Gerichtsgebäude verliessen. Die Einzelrichterin hatte sie vom Vorwurf der Urkundenfälschung frei gesprochen. Bettina Stefanini als Privatklägerin und die Staatsanwaltschaft waren unterlegen.

Für Brunner und Stamm war es der erste Sieg im fünfjährigen Kampf gegen die Tochter des Immobiliensammlers. Und er war teuer erkauft. Zwar bleiben beide unbescholten. Der Prozess aber hat noch einmal vieles in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, das dem Ansehen der früheren Kaderleute schadet. Bettina Stefaninis Anwalt nutzte den Prozesses, um die Bezüge des früheren Geschäftsführers von Stefaninis Immobilienfirma und deren Finanzchefs bekannt zu machen. 700'000 und 500'000 Franken sollen es 2018 gewesen sein.

Brunner und Stamm wurden als Nutzniesser dargestellt.

Die Zahlen, die im Gerichtssaal nur halblaut bestritten wurden, unterstreichen das Narrativ, mit dem die Seite der Familie den Kampf um die moralische Deutungshoheit im Ringen um die Nachfolge in der Stiftung führte: Brunner und Stamm wurden als Nutzniesser dargestellt, die zum Zeitpunkt, als sich der geistige Zustand des Patrons verdunkelte, nach der Macht griffen und dann, als die Tochter sich wehrte, die juristische Auseinandersetzung in die Länge zogen, um sich die Taschen zu füllen.

Brunner und Stamm erzählen eine andere Geschichte. Auch diese fand am Montag Eingang in die Verhandlung, die sich vom Rechtsgegenstand der Urkundenfälschung teils bedenklich entfernte. Demnach war es Bruno Stefanini selbst, der seine Kinder aus der Stiftung ausschliessen wollte, nachdem seine Tochter seine Nachfolge abgelehnt hatte. Bettina Stefanini bestreitet dies, sie habe damals nur nicht ihren Wohnsitz von Irland in die Schweiz verlegen wollen. Für Brunner und Stamm hat die Tochter den Vater im Stich gelassen, worauf dieser unter seinen Vertrauten eine Nachfolge suchte.

Den Beweis dafür erkennen sie in seinen Tagebüchern, die erst vor zwei Jahren entdeckt wurden und in denen der Immobilienunternehmer 2011 wiederholt die Absage seiner Tochter und die Dringlichkeit einer Neuregelung zum Thema machte. Der assoziative Stil jener Einträge lässt Deutungsspielräume. Für Brunner und Stamm ist indes klar, hier artikulierte der Stifter seinen Willen neu, wählte sie beide als Nachfolger aus.

Für Brunner war klar, er vertritt im Konflikt mit der Tochter Stefaninis nicht seine eigenen Interessen, sondern die seines Patrons.

Wer die beiden vor Gericht erlebt hat, dürfte ihnen dieses Gefühl der Berufung schwerlich absprechen. Zumal für Brunner war klar, er vertritt im Konflikt mit der Tochter Stefaninis nicht seine eigenen Interessen, sondern die seines Patrons. In seinem Schlusswort im Gericht postulierte er die Übereinstimmung seines Handelns mit dem Willen Stefaninis – was ein Phantasma bleibt.

Einiges spricht dafür, dass die beiden 2014, als sie im Stiftungsrat die Nachfolge neu regeln wollten, auch aus dieser Überzeugung heraus handelten. Dass sie die Lücken, die sich in den Voten Stefaninis auftaten, ausfüllten mit der Vorstellung, seinen Willen zu vollstrecken. Dass sie einen Mann mit Anzeichen von Demenz in eine Situation manövrierten, in der er einen Entscheid gegen seine eigenen Kinder fällte.

Es ist der letzte Punkt, der die Handlungen von Stefaninis Ex-Managern moralisch belastet. Stefanini hatte seine Kinder bei der Gründung der Stiftung als Nachfolger bestimmt, sie hatten im Gegenzug auf einen erheblichen Teil ihres Erbes verzichtet. Die Nachfolge war ihnen immer geschuldet, selbst wenn der Stifter das irgendwann verkannt haben sollte.

Der Vorwurf schliesslich, die Tochter habe die Nachfolge nicht gewollt, ist durch die Fakten widerlegt. Seit über einem Jahr führt Bettina Stefanini die Stiftung. Das ist die Geschichte, die in Erinnerung bleibt: Wie eine Tochter für ihr legitimes Erbe kämpfte und das Lebenswerk ihres Vaters weiterführt. Darum kann Bettina Stefanini das Urteil vom Montag ungerührt stehen lassen.

Erstellt: 29.10.2019, 17:29 Uhr

Marc Leutenegger, Ressortleiter Stadt (Bild: tru)

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