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Was wir vor dem Lockdown unbedingt noch erledigen wollten

Redaktionsmitglieder erzählen, was sie am Montag in letzter Minute machten – oder verpassten.

Was tun am letzten Abend vor dem Lockdown? Zum Beispiel die Terrasse samt Grill in Betrieb nehmen.
Was tun am letzten Abend vor dem Lockdown? Zum Beispiel die Terrasse samt Grill in Betrieb nehmen.
Fabian Röthlisberger

Sollen die Haare doch wachsen Ich wollte eigentlich am Montagabend noch spontan zum Coiffeur. Die Vorstellung, dass mein schon recht schütteres Haupthaar nun einen weiteren Monat lang vor sich hin wachsen sollte, liess mich kurz innehalten. Dann sah ich meine wehende 1970er-Jahre-Matte im Kopfkino. Ich musste schmunzeln, und mir wurde klar: So üppig würde es nie wieder sein. Wenig später nahm ich Abstand von meinem Vorhaben. Kein Mensch ausser mir sieht in ein paar Wochen den Unterschied. Und es gibt momentan wirklich Wichtigeres als meine Frisur. (hub)

Was ich eben nicht mehr gemacht habe Endlich einmal habe ich die Geschenke für den Geburtstag meiner Frau langfristig vorausgeplant und schon letzte Woche im Onlineshop des Manor etwas bestellt. Damit das Päcklein nicht zu früh in den Händen der Beschenkten landet, habe ich «Abholung in der Filiale» angeklickt. Dass dies keine gute Idee war, hab ich erst gestern gemerkt – der Manor am Stadtgarten war da längst im Lockdown. Das Telefon nimmt niemand mehr ab. Ein Mitarbeiter im Kundencenter in Basel bedauert nur. Notstand, da müsse man Verständnis haben. Die schöne Überraschung folgt während des Geburtstagzvieris: Es klingelt an der Tür, das Geschenk wird doch noch ausgeliefert. Service! (bä)

Quarantäne-Kaffee Wir wussten es ja schon lange. Schliesslich lesen wir Zeitung und sehen in der «Tagesschau» und den sozialen Medien die Berichte aus Italien und der Welt. Der Lockdown kommt. Wir stellten uns schon mal auf ein wochenlanges Ausgehverbot ein. Und was braucht es in dieser Zeit? Kaffee. Guten Kaffee. Also rief ich bei Kaffee Küng an und erkundigte mich erst einmal über deren Öffnungszeiten. Am Montag hatte die Kaffeerösterei sicher geöffnet. Ich bestellte am Telefon schon mal drei grosse Packungen Kaffeebohnen und stieg aufs Velo. Anders als sonst war die Theke weiter vorne eingerichtet. Alles läuft etwas anders. Aber ich war froh, als ich die drei Beutel Roma-Kaffee entgegennehmen konnte. Und falls es trotzdem zu Kaffeeengpässen kommen sollte: Der Laden bleibt zum Glück – mit Einschränkungen – geöffnet, denn Kaffee gehört immer noch zum Notvorrat. Die Quarantäne kann kommen. (ea)

Die Grillsaison ist eröffnet Ein letztes Bier in meiner Lieblingskneipe? Eine letzte Pizza beim Italiener um die Ecke? Nein, so habe ich den letzten Abend vor dem Lockdown nicht genutzt. Dafür habe ich mir den ersten Grillplausch des Jahres erlaubt. Ganz einfach, weil ich an meinem ersten Tag im Homeoffice plötzlich mehr Freizeit hatte – zwei Stunden Arbeitsweg fallen weg. So konnte ich in aller Ruhe den Grill putzen und die Gasflasche anschliessen (und ich habe dabei den Sicherheitscheck nicht vergessen!). Die Grillsaison ist eröffnet, und damit erkläre ich die Terrasse wieder zu meinem zweiten Wohnzimmer. Schön, in diesen Zeiten eine kleine Oase zu haben. (far)

Weisses Papier Nachbarin dreht am Rad: Ich brauche Steckperlen, STECKPERLEN! Und weisses Papier, WEISSES PAPIER für die Kinder! Ich habe mich aufs Velo gesetzt und gerade noch rechtzeitig das zweitletzte Pack buntgemischte Steckperlen und den einsamsten Elco-Block Oerlikons ergattert. Nur das Bügeleisen konnte ich ihr nicht mehr besorgen. Und so werde ich jetzt für das ganze Haus Hama-Beads bügeln, bis die Krise vorbei ist. (mak)

Pampers statt WC-Papier Früher Montagmorgen, Migros Blumenau. Ich lasse mich nicht verrückt machen, sage ich mir vor dem Betreten des Ladens, und lächle über die Frau mit dem Pack WC-Papier unter dem Arm. Und auch über den alten Mann und die Familie aus dem Quartier mit dem Pack WC-Papier. Ich sehe die leeren Pasta-Regale, und lächle – etwas angestrengter nun – in mich hinein. Hamstern, unglaublich, wie irrational ist denn das, auf Twitter lachen ja auch alle darüber. Ha! Da hat es ja noch ganz viel Reis und Risotto, das ist ohnehin viel länger haltbar. Kurz vor der Kasse, ich lächle nicht, auch nicht mehr in mich hinein – der Griff zum Regal, zwei Pack Pampers Grösse 5, das muss beim Nachwuchs für ein Weilchen reichen, bis sie vielleicht erst wieder aus den Versorgungslastwagen der Armee verteilt werden. Ich klemme die Windelpackungen unter beide Arme und gehe gesenkten Hauptes rasch nach Hause. (mpl)

Ein erster Blick in die Bienenhäuschen Das Wetter ist ja ausgezeichnet. Den Menschen nützt das im Moment nicht viel, sie müssen auf Grillpartys, Fussballmatchs und vieles mehr im Freien verzichten. Bienen hingegen dürfen tun, was sie wollen – ja sie müssen es tun. Nach dem milden Winter blühen schon viele Pflanzen, und entsprechend gross ist der Flugverkehr in und aus den Bienenbeuten. Die wachsenden Maden benötigen viel Pollen. Bald sterben die Winterbienen, und dann müssen die ersten Sommerbienen geschlüpft sein. Am sonnigen Montagnachmittag, bei Temperaturen von gegen 15 Grad, blickte ich erstmals in die Beuten hinein. Ein Volk ging im Winter verloren, es war verhungert. Weil es zu warm war im Winter, und weil der Imker zu wenig Erfahrung hatte. Die anderen Völker aber sehen gut aus. In allen Beuten ist frische Brut und damit eine Königin lebendig und am Werk. (dh)

Stoffe und Schuhe Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Bewegung, ein Hobby und Alkohol. Meine Liebste und ich radelten am frühen Montagabend in die Stadt, sie in den Stoffladen, ich zum Sportgeschäft. Sie kam mit allerhand bunten Stoffstücken wieder raus, die nun in den nächsten Wochen zu Jäggli und Hösli für Enkel- und andere Kinder werden. Ich leistete mir das letzte Paar Joggingschuhe, bevor der Laden schloss. Und dann gabs – Prost – Apéro in der Abendsonne auf der Steinberggasse. (mgm)

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