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Weitere Koran-Aktion in der Marktgasse

Eine Standaktion in Winterthur, Korane zum Mitnehmen: ­Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wolle ­aufklären und habe nichts mit der Lies-Aktion zu tun, sagt der Imam der pakistanisch ­geprägten Moschee in Zürich, Nabeel Ahmed.

Koranverteiler der Zürcher Ahmadiyya-Gemeinschaft an der Marktgasse in Winterthur Anfang April. Links ist Nabeel Ahmed im Gespräch mit einem Passanten.
Koranverteiler der Zürcher Ahmadiyya-Gemeinschaft an der Marktgasse in Winterthur Anfang April. Links ist Nabeel Ahmed im Gespräch mit einem Passanten.
Enzo Lopardo

Sie haben in der Marktgasse einen Infostand betrieben, an dem Sie auch Korane verteilen. Wie ist es gelaufen?Nabeel Ahmed:Das war das erste Mal dieses Jahr, aber wir waren früher schon in Winterthur vertreten. Es ist aber nicht so, dass wir nicht einfach nur dastehen und Korane verteilen. Wir betreiben einen Infostand über den Islam mit Broschüren und religiösen Schriften, darunter eben auch dem Koran. Die Aktion ist gut gelaufen. Viele Menschen zeigten Interesse und stellten uns Fragen zum Islam.

Gab es auch negative Reaktionen von Leuten, die dachten, Sie seien Salafisten?Nein, das gab es nicht. Wir waren deutlich als Infostand deklariert. Unser Ziel ist die Aufklärung, und meine Aufgabe als Imam ist es, Brücken zu bauen. Wenn Menschen im Namen des Islams Terror ausüben, kann das zu Missverständnissen führen. Wir wollen unseren Mitbürgern zeigen: Was dort passiert, hat nichts mit dem wahren Islam zu tun. Ich übersetze das Wort Islam mit «Frieden». Ein Muslim ist ein Friedensstifter. Von Terroristen wird der Name des Islams dagegen missbraucht.

Welche Begegnungen und Gespräche sind Ihnen geblieben?Ein Christ kam zu mir und sagte: «Ich habe den Koran gelesen und nichts Negatives darin gefunden!» Dass ein Nicht-Muslim sich ernsthaft und unvoreingenommen mit dem Islam auseinandersetzt, hat mich gefreut. Eine andere Person hatte ein negatives Bild vom Islam. Aber auch dafür sind wir ja da. Wir wollen Kritik nüchtern begegnen und das Gespräch anbieten. Insgesamt führten wir an jenem Samstag etwa 25 Gespräche.

«Der Koran ist wie die Bibel ein heiliges Buch. Das verteilt man nicht als wäre es ein Flyer.»

Nabeel Ahmed

Was unterscheidet Sie von der umstrittenen Lies-Aktion?Wir verteilen den Koran nicht wie das die Lies-Aktion in Winterthur gemacht hat. Der Koran ist wie die Bibel ein heiliges Buch. Das verteilt man nicht als wäre es ein Flyer, das ist einem heiligen Buch nicht würdig. Ja, wir haben Korane für Menschen, die sich dafür interessieren. Wir sprechen aber keine Passanten an, um ihnen Korane aufzudrängen.

Sind die Lies-Verteiler in Ihren Augen Salafisten?Das weiss ich nicht, dafür weiss ich zu wenig über sie.

Sie gehören zur der eher kleinen muslimischen Strömung der ­Ahmadiyya an. Was ist die ­Botschaft Ihrer Gemeinde?Wenn Sie die ganze Lehre des Korans nehmen, dann ist das A und O: Liebe für alle, Hass für keinen. Das ist die Hauptbotschaft, welche die Ahmadiyya-Gemeinde vertritt. Christen und Muslime stammen alle von Abraham ab. Wir sind Brüder und Schwestern.

Woher stammen die Mitglieder?Hauptasächlich sind wir aus Pakistan. Wir haben aber Mitglieder von überall: Schweizer, Albaner, Araber, Franzosen.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft kennt das Kalifatsystem. Was unterscheidet Ihr Kalifat von demjenigen des Islamischen Staats mit Kalif Abu Bakr al-Baghdadi?Das ist ein ganz anderes System und nicht vergleichbar. Das Wort arabische Wort Kalif heisst Nachfolger. Wir sind jetzt unter der Leitung unseres fünften Kalifen. Er ist ein spiritueller Führer für uns und hat nichts mit politischen oder weltlichen Angelegenheiten zu tun. Unsere Gemeinde ist der Ansicht, dass der Islam und jede andere Religion sich nicht in den Staat einmischen soll.

Ihre Moschee in Zürich hat ein Minarett. Für Kritiker ist das ein Symbol für den politischen Machtanspruch des Islams.Solche Vorwürfe entstehen, weil manche Menschen Angst schüren wollen. Sehen Sie, die Mahmud-Moschee ist seit über 50 Jahren in Zürich, damals war sie die erste Moschee in der Schweiz. Minarette sind wie Kirchtürme gebaut, weil sie in den alten Zeiten den Karawanen ein Dorf, eine Siedlung signalisierten. Das alleine ist der Ursprung. Übrigens hat unsere zweite Moschee in Wigoltingen kein Minarett.

In Österreich ist gemäss dem neuen Integrationsprogramm das Verteilen von Koranen künftig untersagt. Auch in der Schweiz gibt es solche Forderungen. Wie stehen Sie dazu?Als Grund hinter solchen Forderungen sehe ich viel Angst. Dabei sollten wir die Türen nicht zu machen, sondern gemeinsam nach Antworten suchen. Diese findet man nicht einfach im Internet. Warum sitzen wir nicht zusammen, um Lösungen zu finden, welche die Situation verbessern? Verbote bringen nichts, mit Verboten schaut man nur weg.

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