Landwirtschaft

Wenn Bauern Ferien machen

Früher kannten Landwirte gar keine Ferien. Heute ist das anders. Um die Tiere muss sich trotzdem jemand kümmern.

Ein Bauernhof steht nie still: Vieles muss täglich gemacht werden.

Ein Bauernhof steht nie still: Vieles muss täglich gemacht werden. Bild: Keystone

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«Tiere können nicht ohne Betreuung sein», sagt Landwirt Andreas Buri. Er führt in Ossingen einen Hof mit 60 Kühen und 40 Jungtieren. «Selbst wenn jemand einen Melkroboter hat, an dem sich die Kühe selber melken lassen: Wenn sie aus irgendeinem Grund nicht wollen, braucht es jemanden, der schaut.»

Buri und seine Frau können in die Ferien gehen: einmal im Sommer, einmal im Winter. Oft springt dann eine Bekannte ein. Sie ist gelernte Landwirtin und macht auf verschiedenen Höfen Ferienvertretungen. «Am liebsten nehmen wir immer die gleiche Person, die dann die Tiere und Maschinen schon kennt.» Aussenstehenden müsse er zuerst die Pflege seiner Tiere zeigen, das Futtern, das Misten. «Bei so vielen Tieren kann man das nicht in fünf Minuten lernen.» Buri hat gute Erfahrungen mit den Ferienvertretungen gemacht. Es könne schon etwas Unvorhergesehenes passieren, etwa dass eine Kuh zu früh kalbe. «Wir versuchen trotzdem, in Gedanken nicht bei den Tieren zu sein, damit wir auch mal abschalten können.»

Schwieriger ist es bei Bruno Baumgartner. Auf seinem Hof in Russikon leben 38 Rinder. «Vertretungen sind schwierig zu finden und auch sehr teuer.» Baumgartner geht selten bis nie in die Ferien. «Das letzte Mal war ich vor drei Jahren für vier Tage weg. Seither nie mehr.» In dieser Zeit haben sich seine Kinder um den Stall gekümmert.

Ferien machen die Jüngeren

«Früher kannten viele Bauern gar keine Ferien», sagt Ferdi Hodel, der beim Zürcher Bauernverband die Geschäfte führt. Das sei heute nicht mehr so. Viele könnten ein oder zwei Wochen pro Jahr einplanen. «Die jüngere Generation legt tendenziell mehr Wert darauf, mit ihren Kindern weggehen zu können.»

Landwirte planen laut Hodel ihre Ferien dann, wenn sie eine Vertretung finden und wenn es der Betrieb zulässt. «Sie müssen ihre Ferien ausserhalb der Spitzenzeiten organisieren.» In der Viehwirtschaft fällt im Sommer am meisten Arbeit an. Neben der Tierbetreuung müssen sich die Bauern dann auch um den Futteranbau auf den Feldern kümmern.

Die Vertretung durch Verwandte ist laut dem Zürcher Bauernverband das gängigste Modell. «Oft können Kinder, Eltern oder Grosseltern überbrücken. Bei manchen springen auch die Nachbarn ein», sagt Hodel. Auf Externe würden nur wenige Bauern zurückgreifen. Ein professionell organisiertes Angebot gibt es im Kanton Zürich trotzdem. Der Verein Maschinenring bietet einen sogenannten Betriebshelferdienst mit geschulten Arbeitskräften an. «Die Bauern beanspruchen den Dienst aber hauptsächlich zur Überbrückung von kritischen Zeiten, zum Beispiel, wenn sie krank sind.» Ferienvertretungen mache der Maschinenring tatsächlich eher selten, bestätigt dessen Geschäftsführer Martin Suter. Übers ganze Jahr verteilt fielen dafür Stunden im Umfang von einer Vollzeitstelle an. «Auf rund 4500 Bauern im Kanton ist das nicht so viel.» Im Allgemeinen seien die Betriebe grösser geworden, einige arbeiteten mit Angestellten. «Da können die Mitarbeiter in den Ferien überbrücken.» Viele Höfe suchen auch nach internen Lösungen, weil das deutlich günstiger ist.

Deutsche Bauern

Die Mitarbeiter des Maschinenrings sind dem Gesamtarbeitsvertrag für Temporäre unterstellt und verdienen je nach Qualifikation zwischen 27 und 35 Franken pro Stunde. Bei durchschnittlichen Arbeitszeiten, die Suter auf etwa elf Stunden pro Tag beziffert, verdient eine Ferienvertretung also bis zu 2700 Franken pro Woche. Trotzdem werde es immer schwieriger, Personal zu finden, so Suter. Der Maschinenring suche deshalb auch in Deutschland. «Dann müssen die Kühe in den Ferien Hochdeutsch verstehen», sagt Suter und lacht.

Erstellt: 17.07.2016, 15:43 Uhr

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