Winterthur

Wenn CEOs zu Kreuzfahrern werden

Die Kistler-Gruppe lädt alle 2200 Mitarbeiter auf eine Kreuzfahrt ein. Die Idee ist nicht neu. Was sich die Firmenchefs davon versprechen weiss FDP-Ständerat und Unternehmer Ruedi Noser aus eigener Erfahrung.

Die Kreuzfahrtschiffe im Quartett-Vergleich: Nosers «MSC Fantasia» gegenüber Kistlers «Costa Magica».

Die Kreuzfahrtschiffe im Quartett-Vergleich: Nosers «MSC Fantasia» gegenüber Kistlers «Costa Magica». Bild: Bilder: Wikipedia, Grafik: Fabian Röthlisberger

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Es war im Jahr 2009, als Ruedi Nosers Pläne, seine ganze Belegschaft samt Familie auf eine Kreuzfahrt einzuladen, öffentlich bekannt wurden. Seine Noser Group feierte das 25-Jahr-Jubiläum und Noser landete mit seinem gut gemeinten Geschenk einen kleinen Mediencoup. Die Gratiszeitung «Blick am Abend» nannte den Unternehmer in fetten Lettern den «nettesten Chef» der Schweiz. Und auch andere Medien liessen sich nicht zweimal bitten.

Im selben Fahrwasser wie Noser bewegt sich nun auch Rolf Sonderegger, CEO des Sensorenherstellers Kistler. Er hat im Oktober 2020 für seine Belegschaft ein komplettes Mittelmeerkreuzfahrtschiff gebucht. Aktuell zählt Kistler an 60 Standorten weltweit 2200 Mitarbeitende, schon in diesem Jahr sollen es 2500 werden. Eingeladen aufs Schiff sind die Mitarbeitenden aller Standorte, inklusive China, allerdings ohne Familie. Das würde für Kistler den Rahmen sprengen.

Nicht nur uneigennützig

Die Kosten hat Sonderegger noch nicht beziffert, zu rechnen ist mit einem einstelligen Millionenbetrag. Noser, der 2009 nicht nur rund 500 Mitarbeitende, sondern auch deren gesamte Familien, aufs Schiff einlud, bezifferte die Kosten für den Trip mit 1,5 Millionen Franken. Weitere 1,5 Millionen Franken liess er sich die zusätzlichen Ferientage kosten, die er seinen Mitarbeitern mit der Reise spendierte.

«Viele der Kinder, die mitgekommen sind, haben sich noch vom ersten mal her gekannt.»Ruedi Noser

Lohnt sich das? Glaubt man Noser, sind die Kreuzfahren für die Unternehmer nicht ganz uneigennützig. «Das Konzept ist relativ klar», sagt er. Eine solche Reise habe eine lange Vorlaufzeit. Schon zwei Jahre im Voraus halte man die Mitarbeitenden an, sich den Termin zu reservieren. «Das gibt dann so etwas wie ein Personalbindungsprogramm, die Leute freuen sich darauf, planen den Anlass ein und organisieren sich.»

Noser war mit der Kreuzfahrt so zufrieden, dass er die Idee 2017 wieder aufgriff. Abermals mit Mitarbeitern aller Standorte in der Schweiz, von Winterthur bis in die USA. «Es war lustig», sagt er. «Viele der Kinder, die mitgekommen sind, haben sich noch vom ersten mal her gekannt.» Die Kreuzfahrten konnte Noser auf den Geschmack seiner Belegschaft anpassen. So buchte er zum Beispiel den Schweizer Komiker Marco Rima fürs Rahmenprogramm. Auch Sonderegger hat angekündigt, die Kreuzfahrt werde genau so werden, wie sich das Kistler vorstelle.

Wer ist spendabler?

Welcher der beiden Schweizer Unternehmer und Kreuzfahrern ist spendabler mit seinen Mitarbeitenden? Das lässt sich vom sprichwörtlichen Schiff aus nicht ohne Weiteres sagen. Fest steht: Noser wählte die längere Route - er fuhr 2009 von Genua nach Neapel, Tunis, Palma de Mallorca, Barcelona und Marseille, Sonderegger will von Savona nach Rom und Barcelona und zurück - und das grössere Schiff - die MSC Fantasia gegenüber der Costa Magica (siehe Bild). Kistler dagegen wird wohl mehr Mitarbeiter mitnehmen.

Die Kreuzfahrtschiffe im Video-Vergleich

Nosers Schiff im Video: So präsentiert die Rederei die MSC Fantasia.

Kistlers Schiff im Video: Und hier der Imagefilm der Costa Magica

Erstellt: 05.02.2019, 12:10 Uhr

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