Bezirksgericht

Wenn die Richterin nach dem Katzenkistli fragt

Weil sie ihre Haustiere vernachlässigt hatte, stand eine Winterthurer Mittvierzigerin vor Gericht. Ein Fall um verfilztes Fell, Kot in der Dusche und ein dehydriertes «Büsi».

Rund um die Katzenkisten waren Kotspritzer. Die Angeklagte behauptete jedoch, die Kisten regelmässig gereinigt zu habern.

Rund um die Katzenkisten waren Kotspritzer. Die Angeklagte behauptete jedoch, die Kisten regelmässig gereinigt zu habern. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Kantonspolizisten, die im April vor einem Jahr das Haus von S. in Winterthur betraten, traf, auf gut Deutsch gesagt, der Schlag. Ein stechender, beissender Geruch lag in der Luft. Im Badezimmer stiessen sie auf Kothaufen in der Dusche, im Wohnzimmer lag eine Urinlache. Um die Katzenkisten waren die Wände mit Kotspritzern gesprenkelt.In einem verwahrlosten Zustand waren auch einige der acht Haustiere von S. Die beiden Hunde hatten verklebtes und verknotetes Fell und waren voller Zecken. Im Haus fehlte es den Tieren an Wasser. Mindestens eine der sechs Katzen wies Anzeichen einer Dehydrierung auf und musste von einem Tierarzt mit einer Infusion versorgt werden. Auch eine Infektionskrankheit der Katze hatte S. unbehandelt gelassen. Ganz abgemagert soll das «Büsi» gewesen sein, mit eitrigem Augenausfluss und hörbaren Atemgeräuschen.

All das und noch mehr listet der Strafbefehl gegen S. auf, den das Statthalteramt von Winterthur am 15. Februar 2017 erlassen hatte – mit einer Busse über 600 Franken und 430 Franken Schreibgebühren. S. wollte den Entscheid nicht hinnehmen und zog den Fall vors Bezirksgericht. Dort erschien die alleinerziehende berufstätige Mutter letzte Woche in Begleitung einer Anwältin – wenn auch mit einiger Verspätung, S. hatte nämlich verschlafen. Wie sie wortreich ausführte eine absolute Ausnahme. Sonst sei sie meist schon um 5.30 Uhr wach, um erst die Hunde auszuführen und dann den schulpflichtigen Sohn zu versorgen.

«Ich habe ihn gesegnet»

Vor Gericht bestritt S. die Vorwürfe oder spielte sie herunter. Und sie äusserte ihrerseits Vorwürfe gegen einen Polizisten, der ihr Haus durchsucht hatte: «Ich habe ihn gesegnet, und sogar das hat er mir übel genommen.» Die Polizei sei nicht kompetent, um die Tierhaltung zu beurteilen, sagte S. Das Fell der Hunde sei in gutem Zustand gewesen. «Ich bürste sie alle ein bis zwei Wochen.» Die Verfilzungen, die das Veterinäramt festgestellt habe, seien erst nach der Beschlagnahmung der Tiere aufgetreten.

«Es scheint mir ein  grosser Zufall, dass  der Hund wegen der ­Polizei in die Stube ­uriniert und die Katze in die Dusche macht.»Die Richterin

Nach Ansicht von S.,waren viele der ihr zur Last gelegten Zustände ein Produkt behördlichen Fehlverhaltens. Die Hunde hätten bei der Hausdurchsuchung aus Panik ins Wohnzimmer gemacht, sagte sie. Auch der Katzenkot im Bad könnte darauf zurückzuführen sein. Und überhaupt, das könne man doch nun wirklich schnelle wegspülen und alles sei wieder gut. Die Richterin fragte schliesslich nach den Kotspritzern rund ums «Katzenkistli». Sie sei eben das Wochenende davor ausser Haus gewesen, rechtfertigte sich S., und darum noch nicht zum Putzen gekommen. «Ich putze die Kisten regelmässig aussen und innen.»

Die Verteidigerin machte geltend, es handle sich um einen Fall mangelhafter Haushaltsbesorgung, ein solcher sei aber nach Tierschutzgesetz nicht strafbar. Im Weiteren machte sie verschiedene Formfehler geltend. So habe die Polizei bei der Hausdurchsuchung nicht gewartet, bis S. nach Hause zurückkehren konnte. Ausserdem hätte das Veterinäramt vor Ort die Verhältnisse prüfen müssen. Den tierärztlichen Bericht schliesslich bezeichnete die Verteidigerin als unverwertbar, da er nicht von einem Tierarzt unterschrieben sei.

Wie ein Rotlicht überfahren

Die Richterin fand dagegen, sie könne sehr wohl auf die Beweise abstellen, zu denen auch eine umfangreiche fotografische Dokumentation der Verhältnisse gehörte. «Es erscheint mir ausserdem ein etwas grosser Zufall, dass der Hund wegen der Polizei ins Wohnzimmer uriniert und die Katze in die Dusche gemacht haben soll.» S. wurde wie von der Vorinstanz wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz schuldig gesprochen. Die Busse über 600 Franken liess die Richterin stehen. Mit den Kosten für Verfahren, Untersuchung und Anwältin summieren sich die Verpflichtungen aber auf einige Tausend Franken.

Die Richterin legte S. nahe, den Fall ruhen zu lassen. «Sie stehen nicht wegen Tierquälerei vor Gericht, sondern wegen einer Übertretung», stellte sie klar und verglich das Vergehen mit dem Überfahren eines Rotlichtes. «Wir sind alle nicht perfekt und machen mal einen Fehler. Und dann muss man eben eine Busse bezahlen.» (Landbote)

Erstellt: 17.07.2017, 16:51 Uhr

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