Critical Mass

Wenn die Velos den Verkehr dominieren

Der Veloumzug wird neben Zürich seit April auch in Winterthur durchgeführt. In der Velostadt kommt die Bewegung aber nicht so recht in die Gänge.

Laura und Moritz, beide 20 Jahre alt, machen bei der Bewegung Critical Mass mit.

Laura und Moritz, beide 20 Jahre alt, machen bei der Bewegung Critical Mass mit. Bild: Madeleine Schoder

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Die Critical Mass ist keine Demo, sondern ein «spontaner Veloausflug unter Freunden», dies stellen Moritz und Laura gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Im Gegensatz zu den Klimademos schreien die Teilnehmenden keine Parolen oder strecken ihre Forderungen auf Plakaten in die Höhe. Das Konzept ist simpel: Eine Gruppe von Leuten trifft sich, um zusammen mit dem Velo durch die Stadt zu fahren. Dabei fahren sie – wie die Autos – auf der ganzen Spur und sorgen so auch einmal für kleine Staus und Wartezeiten. «Für einmal sollen die Velos den Verkehr dominieren», sagt Laura. So wolle man einerseits das oftmals gefährliche Fahrverhalten der Autofahrerinnen kritisieren und andererseits die Bevölkerung ermutigen, öfters in die Pedale zu treten.

Niederschwellige Aktion

Auch wenn sich die Critical Mass mit dem Fahren auf der ganzen Spur nicht ganz an die Verkehrsregeln hält: Einen Unfall habe es noch nie gegeben. Einmal sei ihm ein Autofahrer aber absichtlich ins Velo gefahren, sagt Moritz. «Ich habe hinten immer noch eine Acht.» Die Reaktionen auf die Critical Mass seien sehr unterschiedlich. Viele würden sich nicht daran stören. «Die Fussgänger feiern uns meistens», sagt Laura. Und doch: In Zürich hat sich kürzlich die Stadtpolizei in einem offenen Brief an die Critical Mass gerichtet. Sie wolle verhindern, dass es zu «kritischen Situationen» komme. Denn beim letzten Umzug sei ein Einsatzfahrzeug an der Weiterfahrt gehindert worden. «Völlig übertrieben», lautet die Reaktion von Moritz. «Wir machen immer Platz für Kranken- und Polizeiautos mit Sirene.»

Dass die Aktion niederschwellig ist, sei ihnen bewusst, sagt Moritz. Organisiert werden müsse nichts. Nur Treffpunkt und Zeit sind festgelegt, auf der Fahrt bestimmten die vordersten Velos die Route. «Der Spass ist bei der Critical Mass ein wichtiger Faktor, wenn wir unsere Forderungen wirklich durchsetzen wollten, müssten wir vermutlich mehr tun.» Denn konkrete Forderungen von Einzelpersonen gäbe es schon. «Erhöhte Velowege», platzt Moritz heraus. «Die sollte es überall in der Stadt geben.» Ausserdem: «Ich finde, freihändig fahren sollte erlaubt sein.» Auch die Durchfahrt über den Bahnhof, von einer Seite der Gleise auf die andere, sei suboptimal. «Momentan fehlt vermutlich bei den meisten das Interesse, um unsere Forderungen ernsthaft an die Öffentlichkeit zu bringen», sagt Laura.

Ein weiteres Problem: Auch wenn man meinen könnte, in der Velostadt sei eine solche Bewegung am besten aufgehoben, wird die Winterthurer Critical Mass inzwischen weniger besucht. Im April fand hier die erste Velofahrt statt, mitgefahren sind 60 Leute. «Bei der letzten Versammlung kamen etwa 25», sagt Laura. Es könne doch nicht sein, dass die Klimademos so gut besucht seien, aber die Veloaktion nicht. «Schlussendlich ist der Kampf der gleiche.» Die Zürcher Critical Mass ist mit jeweils fast 1000 Teilnehmenden erfolgreicher unterwegs. Zürich mache aber mehr Werbung, auch auf Social Media, und ausserdem gebe es sie schon länger, räumt Laura ein.

Erstellt: 25.09.2019, 16:29 Uhr

Nächste Critical Mass

am Freitag, 27. September, um 18.30 Uhr, Treffpunkt vor dem Technikum.

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