Winterthur

Wenn Dieselmotoren das Herz höherschlagen lassen

Nach längerer Suche kann der Verein Dieselmotoren Winterthur aufatmen: Am 1. August dieses Jahres hat er in Neuhegi mit seinen gewichtigen Zeitzeugen einen neuen Standort und Werkplatz bezogen.

Die Winterthurer Dieselfreunde kommen vom Fach und haben Spass an den riesigen alten Motoren.

Die Winterthurer Dieselfreunde kommen vom Fach und haben Spass an den riesigen alten Motoren. Bild: Marc Dahinden

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Einen besseren Platz hätten die Dieselfreunde für ihre Sammlung gar nicht finden können: «Ihre» neue Halle steht auf dem einstigen Sulzer-Areal in Oberwinterthur – und sogar der alte Schriftzug prangt noch am Gebäude. Auf den 200 Quadratmetern Hallenboden stehen nun dicht an dicht verschiedenste Diesel­motoren, vom Ein- bis zum Zwölf­zylinder. Und schon wird es wieder eng. Doch mehr Fläche kann man sich nicht leisten: Trotz «freundlicher» Mietbedingungen kostet die Hallenmiete rund 20 000 Franken jährlich – sie aufzubringen, ist nur dank grossen Sponsoren möglich.

Sieben Mann und eine Frau haben sich an diesem Nachmittag ins Übergwändli gestürzt und sind in der Halle zugange. Sie tun das jeden ersten und dritten Dienstag im Monat, von 10 bis 17 Uhr; wer Zeit und Lust dazu hat, kann auch an den dazwischenliegenden kommen, um an den Motoren zu arbeiten. Zwei Dinge verbinden sie alle: ihr beruflicher Bezug zu Dieselmotoren sowie ihr ehemaliger Arbeitgeber Sulzer (oder eine der diversen Nachfolgefirmen).

Spurensuche im Archiv

Auch Präsident Heiner Comminot ist 1977 bei Sulzer eingetreten – pensioniert wurde er 2010 bei Wärtsilä. Noch vor seiner Pen­sionierung wurde ihm ein alter Sulzer-Einzylinderdieselmotor von 1936 angeboten. «Die Identifikation des Typs war über das riesige Sulzer-Wärtsilä-Archiv kein Problem», sagt der Maschinen­ingenieur, «Bei der Demontage stellte sich jedoch heraus, dass ihm lebenswichtige Teile wie die Einspritzdüse oder die Treibstoffpumpe fehlten.»

Damit begann die Ersatzteilsuche, bei der man auch das Technorama kontaktierte. Dieses konnte zwar nicht weiterhelfen, besass aber weitere Dieselzeitzeugen: «Da sich die Ausrichtung der In­sti­tu­tion geändert hat, wurde uns das gesamte Material gratis angeboten», erinnert sich Comminot, «Dazu hätten wir allerdings ein Verein sein müssen.»

So kam es, dass 2011 innerhalb von nur zwei Monaten der Verein Dieselmotoren Winterthur gegründet wurde. «Auf Anhieb meldeten sich 30 Aktiv- und 40 Passivmitglieder», sagt er. Dass dies so rasch gelang, sei auf das «Dieselnetzwerk» zurückzuführen: Praktisch alle Mitglieder hatten beruflich mit den Selbstzündern zu tun.

«Wir sind sozusagen Berufsnostalgiker und wollen die Industriekulturgüter erhalten, die Winterthur einst weltweit berühmt gemacht haben», erklärt er, «es soll damit aber auch gezeigt werden, was unsere Vorfahren noch ohne Computer und mit viel Handarbeit zustande brachten.»

30 Paletten für einen Motor

Zu den fünf Dieselmotoren, die der junge Verein schliesslich vom Technorama übernehmen konnte, sind inzwischen weitere hinzugekommen, etwa der Motor des Vierwaldstättersee-Schiffes MS Schwyz: Er musste vor Ort demontiert und auf 30 Paletten an seinen «Geburtsort» Winterthur zurückverfrachtet werden. Auch Produkte anderer Winterthurer Hersteller sind unterdessen dabei – denn die Schweizerische Lokomotivfabrik SLM baute ebenfalls Dieselmotoren: «Man müsste des­halb eigentlich von einer Winterthurer Motorensammlung reden», sagt Comminot, «irgendwann sollen alle Motoren wieder betriebsbereit sein und von Zeit zu Zeit vorgeführt werden; idealerweise unter einem Dach mit dem Dampfzentrum vereint.»

Vorerst kon­zen­triert sich das Vereinsleben noch auf das gemeinsame Schrauben an den ­alten Maschinen; daneben gibt es einzig einen Chlausabend. Geplant sind aber künftig Studienreisen, etwa zum Gonzen oder zur Maginot-Linie. Dabei stehen nicht etwa militärische Interessen im Vordergrund: Früher wurden in zahlreichen Bunkeran­lagen für die Ener­gie­­­­gewinnung Sulzer-Dieselmotoren eingesetzt.

Tag der offenen Werkstatt Samstag, 7. November, 10 bis 17 Uhr, Else-Züblin-Strasse 11, 8404 Winterthur (Landbote)

Erstellt: 04.11.2015, 11:31 Uhr

Verein Dieselmotoren

Gegründet: 11.4.2011
Mitgliederzahl: 45 Aktive, über 70 Passive
Vereinsziel:Erhaltung und Pflege von Winterthurer Dieselmotoren
Angebot:14-tägliche Werkstatteinsätze; Chlausabend; Studienreisen (geplant)
Mitgliederbeitrag: 80.-- für Aktivmitglieder, 50.-- für Passivmitglieder
Aktuell: Samstag, 7. November 2015, 10 bis 17 Uhr, Tag der offenen Werkstatt
Mitgliederzahl: 45 Aktive, über 70 Passive
www.vdmw.ch

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