Wahlen Winterthur

Wer heute zittern muss

Die vier bisherigen Nationalratsmitglieder aus der Region Winterthur haben ganz unterschiedliche Chancen auf eine Wiederwahl.

Die vier Bisherigen aus der Region Winterthur im Nationalrat (von oben links im Uhrzeigersinn): Therese Schläpfer (SVP), Rosmarie Quadranti (BDP), Mattea Meyer (SP) und Nik Gugger (EVP).

Die vier Bisherigen aus der Region Winterthur im Nationalrat (von oben links im Uhrzeigersinn): Therese Schläpfer (SVP), Rosmarie Quadranti (BDP), Mattea Meyer (SP) und Nik Gugger (EVP). Bild: Dahinden/Gutenberg/Diener

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Die Abstimmungslokale sind auch in Winterthur geschlossen, in den Wahlbüros wird fleissig ausgezählt. Für die vier Bisherigen aus der Region Winterthur im Bundesparlament sind das kribblige Stunden: Erst um 20 Uhr wird das Endergebnis der nationalen Wahlen im Kanton Zürich erwartet, erst dann steht fest, für wen sich der Wahlkampf gelohnt hat. Wer hat welche Chancen?

Mattea Meyer (SP): Wiederwahl sicher

Einen ruhigen Wahlsonntag dürfte die Sozialdemokratin Mattea Meyer verbringen. Die 31-jährige Geografin tritt auf dem vierten Listenplatz der SP an. Die Zürcher SP erreichte in der Wahl 2015 neun Sitze im Nationalrat. Da bräuchte es schon ein gröberes politisches Erdbeben, damit Meyer die Wiederwahl nicht schaffen würde.

Fest im Sattel: SP-Nationalrätin Mattea Meyer, hier als Rednerin am 1. Mai 2019 in Winterthur. Bild: Heinz Diener

Meyer wurde vor vier Jahren bei ihrem ersten Anlauf nach Bern gewählt. Sie profitierte damals von einer vorteilhaften Platzierung, die SP wollte junge, neue Poltikerinnen fördern. Sie rutschte am Wahlsonntag zwar vom vierten auf den siebten Listenplatz ab. Das dürfte ihr heute als Bisherige aber kaum passieren. Denn sie hat in ihrer ersten Amtszeit im Bundeshaus zwar nicht für Furore gesorgt, aber sich auch keine Schnitzer geleistet.

Therese Schläpfer (SVP): Wahlchancen gut bis sehr gut

Etwas mehr zittern muss heute Therese Schläpfer (SVP). Auch die Gemeindepräsidentin aus Hagenbuch hat als Bisherige gute Wahlchancen, auf Platz 11 der SVP, die 2015 12 Sitze machte eigentlich sogar sehr gute. Umfragen sagen der Blocher-Partei heute aber Verluste voraus. Wenn die SVP tatsächlich einbricht, könnte Schläpfer eines der Opfer werden.

Rutscht sie mit der SVP ins Tief? Therese Schläpfer, Nationalrätin und Gemeindepräsidentin aus Hagenbuch. Bild: Marc Dahinden

Schläpfer ist im Juni in den Nationalrat nachgerutscht, für den zurücktretenden Jürg Stahl. Vor vier Jahren glänzte sie im Wahlkampf. Sie machte auf der SVP-Liste acht Ränge gut und schaffte den Sprung von Platz 22 auf 14. Sie profitierte von der Affäre um eine Flüchtlingsfamilie in Hagenbuch, in der sie sich mit einer harten Linie profilierte und national Schlagzeilen machte. Diesmal gab es keinen derartigen Rückenwind. Zudem haben Frauen auf der SVP-Liste manchmal einen schweren Stand. Die 60-jährige Bezirkspräsidentin der SVP Winterthur muss also ein bisschen bangen.

Nik Gugger (EVP): Wiederwahl so gut wie sicher

Nik Gugger ist wie Schläpfer in den Nationalrat nachgerutscht; er trat im November 2017 die Nachfolge von Maja Ingold an. Gugger profitiert von zwei Faktoren: Erstens war er als Ständeratskandidat im Wahlkampf präsent. Zweitens gilt der Zürcher EVP-Sitz als krisensischer. Denn die evangelische Volkspartei hat eine treue, disziplinierte Wählerschaft.

Nik Gugger als Wahlkämpfer am «Landbote»-Podium in der Alten Kaserne am 17. September. Bild: Marc Dahinden

Gugger ist auch immer wieder in den Medien präsent. Nicht nur mit politischen Themen: So erhielt der 49-Jährige im Frühling einen Ehrendoktortitel in seinem Geburtsland Indien. In Winterthur ist er auch als ehemaliger Leiter der Fabrikkirche und als Inhaber des Veltemer Restaurants Concordia bekannt.

Rosmarie Quadranti (BDP): Wahlchancen unsicher

Wirklich zittern muss nur eine der vier Bisherigen aus der Region Winterthur, nämlich BDP-Politikerin Rosmarie Qudranti aus Illnau-Effretikon. Gemäss einer Umfrage des «Tages-Anzeigers» verliert die aus der SVP hervorgegangenen BDP in Zürich über die Hälfte ihrer Wählerinnen und Wähler und kommt nur noch auf 1,5 Prozent Wähleranteil. Bewahrheitet sich diese Prognose heute, so verliert Quadranti ihren Sitz.

Ihrer Partei werden grosse Verluste prognostiziert: BDP-Politikerin Rosmarie Quadranti aus Illnau. Bild: Patrick Gutenberg

Die 62-Jährige sitzt seit 2011 im Nationalrat. In den Medien präsent war sie in den letzten acht Jahren aber selten. Im Frühjahr 2019 kandidierte sie für den Regierungsrat und zeige sich da als Kanidatin der bürgerlichen Mitte, die sich gegen die Radikalisierung in der Politik stemmt. Die Illnauerin erreichte aber mit 52'000 Stimmen kein herausragendes Resultat (das absolute Mehr lag bei 103'000 Stimmen). Angesichts der schlechten Prognosen für ihre Partei, sieht es für die BDP-Politikerin also düster aus.

Updates zu den Winterthurer Abstimmungen und den nationalen Wahlen laufend auf Landbote.ch. Die Resultate der Nationalratswahlen werden ab 20 Uhr erwartet.

Erstellt: 20.10.2019, 10:54 Uhr

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