Winterthur

Wer möchte dieses Hotel kaufen?

Wochenlang war das Hotel Plaza im Internet zum Verkauf ausgeschrieben. «Ein Fehler», sagen die Hotelbetreiber. Der Betrieb laufe gut. Es bleiben Fragezeichen.

Der Eingang des Hotels Plaza an der Obergasse: Die Gäste sind zufrieden, doch geht die Rechnung auch für die Hotelbetreiber auf?

Der Eingang des Hotels Plaza an der Obergasse: Die Gäste sind zufrieden, doch geht die Rechnung auch für die Hotelbetreiber auf? Bild: Madeleine Schoder

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Wer auf dem Immobilienportal «Homegate» nach Gewerbeflächen in Winterthur sucht, findet leere Büros, Altstadtläden, Coiffeursalons, Nagelstudios und Lagerflächen – und bis vorgestern auch ein Hotel.

Ein «Business- und Stadthotel der anderen Art» war mehrere Wochen lang ausgeschrieben, mit 31 Zimmern und Suiten sowie eigener Wäscherei. «Der Pachtvertrag steht zum Verkauf. Lassen Sie sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen», wirbt der Inserent. Kostenpunkt: 35 000 Franken pro Monat. Ein identisches Inserat war bis Mitte Woche auch bei den Konkurrenzportalen geschaltet.

«Nein, wir verkaufen nicht. Warum wir überhaupt inseriert haben? Weil wir Geld verdienen möchten.»Kemal Baskapan, 
Gesellschafter Hotel Plaza GmbH

Aufgrund der Beschreibung kann nur das Hotel Plaza an der Technikumstrasse gemeint sein. Vor etwas mehr als zwei Jahren, im Januar 2016, feierte das Dreisterne-Haus Eröffnung. Die Kunden-Bewertungen im Internet sind gut bis sehr gut. Was ist also los im «Plaza»?

Kemal Baskapan, Mitinhaber der Plaza Hotel GmbH, sagt am Telefon, das Inserat sei «ein Fehler». Er sei davon ausgegangen, dass es längst vom Netz genommen sei und er werde das gleich veranlassen. «Wir machen weiter, das Geschäft läuft hervorragend.» Baskapan sagt, die Auslastung liege durchgehend bei 85 Prozent.

Die Direktorin wusste nichts

Zwei Wochen nach dem Anruf war das Inserat immer noch zu finden. Die Maklerfirma bestätigt allerdings auf Anfrage, ihr sei das Mandat wieder entzogen worden, da die Hotelbetreiber inzwischen mit den Hausbesitzern handelseinig geworden seien.

Doch warum wurde das Inserat überhaupt platziert? «Weil wir Geld verdienen wollen», sagt Baskapan. Seine Familie, die das Hotel seit Beginn pachtet, sei überzeugt, den Betrieb dereinst mit Gewinn in andere Hände geben zu können. Noch sei es aber nicht so weit.

«Zum Glück hört das Trade Center auf.  Es machte einen  komischen Eindruck auf unsere Gäste.»Zerrin Baskapan, Geschäftsführerin Hotel Plaza

Die zweite Gesellschafterin, Baskapans Schwester Zerrin Baskapan, sagt, sie habe gar nichts vom Inserat gewusst. Sie ist Geschäftsführerin des Hotels, nachdem der zuerst als Direktor angestellte Hans Peter Kaiser (der in früheren Jahren das Hotel Krone führte), nach einem Jahr weiterzog.

Ganz so reibungslos wie die Baskapans den Geschäftsgang beschreiben, war er zumindest auf dem Papier nicht immer. Am 14. August 2017 wurde über die Firma der Konkurs eröffnet, eine Woche später konnte dieser allerdings wieder aufgehoben werden. «Das war ein Fehler», sagt Zerrin Baskapan. «Deshalb wurde der Konkurs ja auch so rasch wieder zurückgezogen.»

Ein Insider vermutet, dass der Pachtzins zu hoch angesetzt ist. «Die Familie krampft den ganzen Tag und kommt auf keinen grünen Zweig.» Branchenexperten empfehlen, 10 bis maximal 30 Prozent des Umsatzes für Mietkosten auszugeben. Mit dem inserierten Pachtzins müsste das Plaza mindestens 112 000 Franken Umsatz pro Monat erzielen. Das entspricht einem täglich zu 85 Prozent ausgelasteten Haus mit einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 140 Franken – eine ziemlich ehrgeizige Vorgabe.

«Das Plaza ist für mich eine Wundertüte. Ich weiss fast gar nichts darüber, was dort läuft.»

Rolf Wartmann, Inhaber des Best Western Hotel Wartmann, ist im Vorstand des «House of Winterthur» für die Hotellerie zuständig. «Das Plaza ist für mich eine Wundertüte», sagt er. «Ich weiss fast gar nichts darüber, was dort läuft.» Die Betreiber hätten sich trotz wiederholter Einladungen nie mit den anderen Hotelbetrieben der Stadt vernetzt.

Das Restaurant im Untergeschoss des Hotels Plaza ist separat verpachtet – bis vor kurzem an die Trade Center AG, die eine Art Börsen-Spielsalon betrieb. Seit zwei Wochen ist das Trade Center geschlossen, die Bldschirme wurden rausgerissen, die Maler waren da. Jetzt wird dort wieder ein Restaurant einziehen.

Trade Center irritierte Gäste

«Zum Glück hört das auf», sagt Hoteldirektorin Zerrin Baskapan. «Das Trade Center war ein Fehler. Wenn wir gewusst hätten, was das wird, hätten wir das nie zugelassen.» Der Betrieb im Erdgeschoss habe einen seltsamen Eindruck auf die Hotelgäste gemacht.

Wer das neue Restaurant betreiben soll, sei noch nicht ganz klar. Im ersten Jahr des Bestehens hatte es die Familie Baskapan selbst geführt. Weil die Arbeitslast zusammen mit dem Hotel zu gross wurde, zogen sie sich damals zurück.

Ob sie es nun wieder selbst anpacken, oder die Besitzer des Hauses, die Erbengemeinschaft der Familie Kobelt, eine andere Lösung finden, ist noch offen. Sogar dass die Besitzerfamilie selbst wirtet, sei denkbar, heisst es auf Anfrage bei Madeleine Kobelt Immobilien.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.07.2018, 17:17 Uhr

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