Winterthur

Whisky im Boden des Polizeigebäudes

Noch klafft ein riesiges Loch, wo 2022 das neue Polizeigebäude stehen soll. Aber der Aushub ist fertig. Das bot zwei Stadträtinnen, dem Polizeikader und vielen Planern einen Anlass, um zu feiern und einen Gruss an die Zukunft zu senden.

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Als das Land an der Obermühlestrasse vor zwei Jahren vom Tiefbauamt an die Polizei übergeben wurde, feierten Stadt und Stadtpolizei den symbolischen Akt mit grossem Tamtam. An der militärisch anmutenden «Geländeübergabe» schwebte ein Helikopter herbei, von dem sich Grenadiere abseilten. Dazu erging an die Steuerzahler der begleitende Hinweis, das habe die Kantonspolizei organisiert und bezahlt.

Diesen Montag wurde auf dem Land, wo 2022 das neue Polizeigebäude stehen soll, nun erneut gefeiert, diesmal die fertiggestellte Baugrube und ohne Helikopter-Show. Aus dem grauen Himmel tröpfelte es wie aus einem alten Wasserhahn. Es war also kein Flugwetter. Vielleicht aber hatten Stadt und Polizei auch ihre Lektion gelernt.

Versammelt hatten sich gut 50 Personen, darunter mehr oder weniger das ganze obere Kader der Stadtpolizei, das in Uniform und mit Waffe zum Termin erschien. Das verfehlte seinen optischen Effekt nicht. Erst recht, als die Gruppe über die Treppe wie über eine Kugelbahn in die Baugrube hinunter stieg.

Viel Papier in der Kapsel

Inhaltlich war der Anlass weniger spektakulär. Kosten und Baufortschritt lägen im Plan, sagte Bauvorsteherin Christa Meier (SP). 82,1 Millionen Franken hatte das Volk im November 2016 für den Neubau bewilligt, mit 61-Prozent Ja-Stimmen. Zuvor hatte sich die Stadt mit der Investition in ein neues Polizeigebäude fast ein halbes Jahrhundert lang schwer getan.

Polizeivorsteherin Barbara Günthard (FDP) erinnerte an diese lange Vorgeschichte. «Jetzt ist es beeindruckend, zu sehen, dass wir etwas erreicht haben.» Das POM – wie das Polizeigebäude salopp genannt wird – werde ein nachhaltiger Bau, versprach Günthard. Ökologisch, mit Fernwärmeanschluss und Energierückgewinnung, sozial, mit einem neuen, integralen Publikumsbereich, und ökonomisch, mit dem Horizont, Jahrzehnte, ja Jahrhunderte lang stehen zu bleiben.

Der Polizeikommandant Fritz Lehmann verrät im Video, wo sein Büro sein wird. Video: mcl

Statt einen Grundstein im engen Sinn vergrub die Delegation eine Zeitkapsel. Was werden die Menschen der Zukunft wohl über uns denken, frage der verantwortliche Architekt in die Runde und legte einen Stapel Dokumente in die Kapsel. Gesamtbauleiter Walter Graf tat dasselbe, sorgte mit einem Whisky aus Stammheim aber dafür, dass die Finder die Absender dereinst nicht vollends für trockene Bürokraten halten müssen.

Ein Nachtlicht für die Stadt

Direkt über der Zeitkapsel wird später eine Plakette montiert, die den genauen Ort und das Datum der Grundsteinlegung dokumentiert. Senkrecht darüber, im Foyer ein paar Stockwerke höher, wird eine noch etwas grössere und dekorativere Plakette in den Boden eingelassen.

Der Publikumsbereich wird sich im sechsgeschossigen Kopfbau befinden, der neben dem Feuerwehrgebäude steht und der Strasse zugewandt ist. Dahinter erstreckt sich ein dreigeschossiger Anbau mit dem Haftbereich. 10500 Quadratmeter Geschossfläche sind es insgesamt, 3000 Quadratmeter in einer eingeschossigen Tiefgarage.

Die Polizei, so eines der Versprechen, wird schneller ausrücken können. Alle betroffenen Einsatzkräfte werden unten im Gebäude einquartiert. Im obersten Geschoss sitzt die 24-Stunden-Einsatzzentrale. Man werde die Zentrale von weitem leuchten sehen, sagte Günthard – fast so als wäre das POM ein 81 Millionen Franken teures Nachtlicht, dank dem sich alle in der Stadt ein wenig sicherer fühlen können.

Erstellt: 02.09.2019, 18:01 Uhr

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