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Widerstand von allen Seiten

Die Verzweigung Wülflingerstrasse / Salomon- Hirzel-Strasse soll ein neues Gesicht erhalten. Doch das Vorhaben ist umstritten.

Blick vom Schloss in Richtung des Knotens Wülflinger- / Salomon-Hizrel-Strasse. Hier sollen künftig die Entlastungsbusse Richtung Stadt wenden können.
Blick vom Schloss in Richtung des Knotens Wülflinger- / Salomon-Hizrel-Strasse. Hier sollen künftig die Entlastungsbusse Richtung Stadt wenden können.
Marc Dahinden

Etwa auf der Höhe des Schloss Wülflingens plant die Stadt einen grösseren Knotenumbau. So soll künftig der Bus dort wenden können. Zudem ist eine Lichtsignalanlage vorgesehen, die den Verkehr dosiert. Doch Anwohner, Vereine und Verbände sind mit den Plänen der Stadt nicht glücklich. Rund ein Dutzend Betroffene haben im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens (siehe Kasten) Einwendungen gegen das Projekt gemacht.

Das Wülflinger Forum und die IG Hessengüetli halten beispielsweise beide fest, dass sie aufgrund der Verkehrsdosierung ohne flankierende Massnahmen mit Ausweichverkehr durch die Quartiere rechnen. Sie bitten die Stadt deshalb, die Pläne durch flankierende Massnahmen zu ergänzen und dabei auch die Bevölkerung einzubeziehen.

Zusagen nicht eingehalten

Diese Befürchtungen teilt auch die Sektion Winterthur des Verkehrsclubs (VCS). Die Stadt habe sich schon früher bei anderen Projekten aus der Verantwortung gezogen, sagt Geschäftsführer Kurt Egli. So habe man in der Abstimmung um den Bahnhofumbau Massnahmen versprochen, um die Quartiere Oberfeld, Neuwiesen und Tössfeld-Brühlberg zu entlasten. Doch später habe man aus Kostengründen auf wichtige Massnahmen verzichtet. Auch der autofreundliche Verein Agil-mobil will wissen, wie man sicherstelle, dass es keinen Ausweichverkehr gebe.

«Das ist ein alter Trick des Stadtrats. Am Schluss geschieht gar nichts. Das machen wir nicht mehr mit.»

Kurt Egli, Geschäftsführer VCS

Der Stadtrat hat seine Haltung in dieser Sache schon im März 2016 in der Antwort auf eine Anfrage der Gemeinderäte Christian Griesser (Grüne) und Annetta Steiner (GLP) dargelegt: Die geplante Lichtsignalanlage sei Teil des Konzepts «Regionale Verkehrssteuerung». Damit werde Verkehrsmenge stadteinwärts so gesteuert, dass der Bus besser priorisiert und der Verkehrsfluss optimiert werden könne.

«Da mit dem Konzept der Verkehr verflüssigt werden soll, ist nicht mit zusätzlichen Ausweichverkehr durchs Quartier zu rechnen», glaubt der Stadtrat. Es sei deshalb zielführend, zuerst die Knotenumgestaltung umzusetzen und parallel dazu die Verkehrssituation in den Quartieren zu beobachten. Falls es doch mehr Durchgangsverkehr in den Quartieren gebe, werde man weiterführende Massnahmen prüfen. «Es ist leichter, Massnahmen umzusetzen, wenn der Handlungsbedarf für eine Mehrheit der Quartierbewohnenden ersichtlich ist.»

Egli ärgert sich über diese Argumentation. «Das ist ein alter Trick des Stadtrats. Am Schluss geschieht gar nichts. Doch das machen wir nicht mehr mit.» Man wolle, dass der Stadtrat sich mit dem Problem des Schleichverkehrs in den Quartieren befasse, andernfalls greife man zu weiteren demokratischen Mitteln.

Zum Vorwurf, sich der Diskussion zu entziehen, wollte sich Stadtrat Josef Lisibach (SVP) nicht äussern. Stadtingenieur Peter Gasser hält aber fest, es sei noch zu früh, zu allfälligen Massnahmen Stellung zu nehmen. «Es ist uns ein Anliegen, nun wirklich alle Einwendungen zu prüfen. Erst dann wissen wir, ob es flankierende Massnahmen braucht.»

Wendeschlaufe nur auf Zeit

Doch nicht nur die verkehrsdosierende Lichtsignalanlage ist umstritten, sondern auch die Buswendeschlaufe. Gemäss Stadtbus soll in ferner Zukunft ein Verstärkungslinie 22 zwischen Bahnhof Wülflingen-Lindenplatz-Hauptbahnhof-Neuhegi verkehren. Bis es so weit ist fährt bereits jetzt eine Entlastungslinie zu Stosszeiten bis zum Schloss Wülflingen. Diese Entlastungsbusse sollen nach dem Knotenumbau am Schloss wenden können.

Stadtbus hält fest, die Wendeschlaufe könne man auch dann noch brauchen, wenn dort kein Bus mehr offiziell umkehre

Im Moment fahren sie leer bis nach Wülflingen und kehren dort um. Doch die Wendeschlaufe macht einen grösseren Umbau des Knotens nötig. Die Höhe der Kosten ist zwar nicht bekannt, aber Agil-mobil geht von bis zu 4 Millionen Franken aus. Das sei viel zu viel, findet Agil-mobil-Präsident und FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson: «Die Umgestaltung wird laut Stadtbus als Übergangslösung gebaut, um die Buslinie kostendeckender betreiben zu können. Diese Kalkulation erschliesst sich uns nicht». Man bezweifle die Wirtschaftlichkeit einer Investition, die in wenigen Jahren eine selten benutze Bauleiche hinterlassen werde.

Zum Verständnis: Stadtbus hält fest, die Wendeschlaufe könne man auch dann noch brauchen, wenn dort kein Bus mehr offiziell umkehre. «Eine Wendemöglichkeit ist aus betrieblichen Gründen sehr wichtig», so Stadtbus-Sprecher Reto Abderhalden.

Der VCS hält die Wendeschlaufe ebenfalls für ungünstig. «Dass die Bus-Kurzlinie dort wendet ist unbefriedigend. Man sollte so bald als möglich die Normallinie realisieren.» Eine Wendemöglichkeit aus betrieblichen Gründen müsste nach Meinung des VCS günstiger zu realiseren sein. So könnte der Bus laut Egli beispielsweise um einen Häuserblock fahren. Weiter gibt Egli zu bedenken, dass während der Bauzeit alle Verkehrsteilnehmer mit massiven Verschlechterungen rechnen müssten.

Agil-mobil stellt zudem die verkehrsdosierende Lichtsignalanlage grundsätzlich infrage: «Eine einfache Anlage zur Buspriorisierung wäre günstiger umsetzbar und bräuchte keine Umgestaltung des Knotens», sagt Mangnusson.

Verzögerungen möglich

Zu den Bedenken bezüglich der hohen Kosten sagt Stadtingenieur Gasser ebenfalls, die Stadt könne sich erst äussern, wenn alles sorgfältig ausgewertet sei. Die geäusserten 4 Millionen Franken seien aber hoch gegriffen.

Wann und ob es zum Knotenumbau kommt, hängt laut Gasser nun entscheidend davon ab, welche der Einwendungen die Stadt berücksichtigen wird. Mit der Planauflage rechnet er frühestens in einem halben Jahr.

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