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Wie der jüngste Erb-Sohn vom Deal profitiert

­Christian Erb spielt in den Verkaufsverhandlungen um die Schlosshof Immobilien AG eine bisher nicht bekannte ­Rolle. Trotz Privatinsolvenz und Schulden in Millionenhöhe könnten für ihn drei Millionen Franken herausschauen.

Das Zentrum Töss steht kurz vor dem Verkauf: davon profitiert auch Erb-Spross Christian.
Das Zentrum Töss steht kurz vor dem Verkauf: davon profitiert auch Erb-Spross Christian.
Marc Dahinden

Beim anstehenden Verkauf der Schlosshof Immobilien AG kommt dem letzten Erb-Spross Christian Erb eine überraschend bedeutende Rolle zu. Der Firma gehören rund 100 Wohnungen in Seuzach, Mehrfamilienhäuser in Winterthur und das Zentrum Töss. Sie ist das Filetstück aus Rolf Erbs Konkursmasse, der Verkaufserlös soll den Gläubigern zukommen, darunter die Stadt Winterthur. Doch wer die AG kaufen will, muss sich einig werden mit Christian Erb.

Der Schenkungsvertrag

Christian Erb stand nie dermassen im Fokus der Justiz wie sein inzwischen verstorbener Bruder Rolf. Ein Verfahren gegen ihn stellte die Staatsanwaltschaft 2010 ein. In der Hierarchie der Erb-Gruppe war er «nur» die Nummer drei hinter Vater Hugo Erb und Bruder Rolf gewesen.

Damals fiel er vor allem durch seine aufbrausende, herrische Art auf, wie der Journalist Thomas Buomberger im Buch «Die Erb-Pleite» schreibt: Frustriert, weil er infolge eines Autounfalls an den Rollstuhl gefesselt ist, soll Christian Erb willkürlich Kündigungen ausgesprochen und Angestellte täglich beschimpft haben. 2004 meldete er Privatkonkurs an. Seinen Lebensunterhalt bestreite Erb mit der IV- und Suva-Rente, sagte sein Anwalt.

«Christian Erb forderte drei Millionen Franken von uns.»

Investor

Wenn der Schlosshof-Deal nun über die Bühne geht, profitiert Christian Erb mit. Grund dafür ist ein Schenkungsvertrag, der dem «Landboten» vorliegt, datiert auf den 6. März 2003: An diesem Tag vermachte Firmenpatron Hugo Erb seinem Sohn und designierten Nachfolger Rolf sämtliche Schlosshof-Aktien. Gleichzeitig belastete er die Wertpapiere hälftig mit einer sogenannten lebenslänglichen Nutzniessung zugunsten von Christian Erb.

Das Instrument der Nutzniessung wird vor allem von Hauseigentümern verwendet, um Nachkommen Immobilien im Voraus zu vermachen und so Steuerausgaben zu senken. Eine Anwendung auf Aktien dagegen ist selbst für Steueranwälte und Vermögensberater keine geläufige Sache.

Seltenes Geschäftsgebaren

«Das gibt es eher selten», sagt Karin Hofstetter von der auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Schellenberg Wittmer AG. «Damit erhält der Begünstigte kein Eigentum an den Aktien, aber die damit verbundenen Vermögenswerte.»

Im Fall von Christian Erb bedeutete dies, dass er seither die Hälfte aller Dividenden aus der Schlosshof Immobilien AG erhielt. Sein Bruder Rolf verschenkte die Aktien nur drei Wochen nach der Schenkung weiter an seine damals zehn Monate alten Zwillingssöhne. 2012 zog das Bezirksgericht Winterthur die Aktien ein und übertrug sie in die Konkursmasse. Christian Erbs Nutzniessungsrecht dagegen blieb bis heute bestehen. Denn: «Nutzniessungsrechte gehören zu den Personaldienstbarkeiten und sind damit grundsätzlich ­unübertragbar», sagt Hofstetter. Auch bei einem Privatkonkurs von Christian Erb wäre eine Übertragung der Nutzniessung auf die Gläubiger ausgeschlossen.

Wie hoch die Dividenden und anderen Schlosshof-Einnahmen für den IV-Bezüger Christian Erb ausfielen, ist nicht bekannt. Er beantwortet keine Fragen des «Landboten». Aus einem Obergerichtsurteil ist bekannt, dass sich sein Bruder Rolf bis 2016 jedes Jahr 75 000 Franken für seinen Schlosshof-Verwaltungsratssitz auszahlen liess. Und gegenüber dem einfachen Mandat seines Bruders ist Christian Erb seit 2004 gar Verwaltungsratspräsident der Aktiengesellschaft.

Die Rede ist von drei Millionen

Die Nutzniessung bleibt bei einem Verkauf der Schlosshof Immobilien AG erhalten. Für den Käufer der Schlosshof Immobilien AG bedeutet dies, dass er entweder akzeptiert, dass künftig 50 Prozent aller Dividenden seiner Firma an Christian Erb fliessen. Oder – und das ist der wahrscheinlichere Fall – er entschädigt Erb, damit dieser seine Rechte abtritt.

So oder so schlägt sich Erbs Rolle negativ auf den Verkaufserlös nieder, der die Gläubiger entschädigen soll. Der Gläubigeranwalt Matthias Hotz will nicht bewerten, inwiefern die Nutzniessung die Attraktivität des Angebots schmälert. Einzig: «Wir haben den Interessenten alle relevante Faktoren offengelegt.»

Christian Erb ist offenbar bereit, seine Rechte gegen eine Entschädigung abzutreten. Dafür forderte er in Vorverhandlungen laut einer damals involvierten Partei rund drei Millionen Franken. Diese Summe müsste ein Käufer zusätzlich zu den mindestens 35 Millionen Franken aufwenden, die er für die Schlosshof Immobilien AG bezahlt.

Damit würde Christian Erb viel Geld erhalten, obwohl er vor wenigen Jahren Konkurs anmeldete: Nach dem Tod des Patrons hatten Christian und Rolf Erb Schulden der Erb-Gruppe persönlich übernommen. Alleine die Forderungen gegen Christian beliefen sich damals auf 320 Millionen Franken. Im Februar 2004 meldete er Privatinsolvenz an. «Meine privaten Ersparnisse reichen nicht über jene eines normalen Bürgers des Mittelstandes hinaus», sagte er damals. «Es wäre schön, wenn mir überhaupt noch etwas bleibt.»

Konkursverfahren eingestellt

Das Kantonsgericht Schaffhausen stellte das Konkursverfahren zweieinhalb Jahre später mangels Aktiven ein. Soll heissen: Erbs verbliebenes Vermögen soll so klein gewesen sein, dass man damit nicht einmal die Verfahrenskosten hätte decken können. Um das Verfahren dennoch durchzubringen, hätten Gläubiger 50 000 Franken vorschiessen müssen. Das ist nie geschehen, wie die Nachfrage beim Schaffhauser Konkursamt zeigt. Was passieren wird, wenn Erb jetzt wieder zu Geld kommt, ist offen.

Der ehemalige Profi-Leichtathlet Erb ist seit einem Autounfall 1994 querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Er lebt auf einem Landgut in Rüdlingen, das aus drei Jagdhäusern zusammengebaut wurde.

Das Anwesen liess er teils mit Geldern der IV umbauen, nun ist es ebenfalls in der Konkursmasse seines Bruders. Im Herbst soll es auf den Markt kommen. Ob Christian Erb jemals ausziehen muss, ist offen. Denn auch auf das Anwesen hat er ein Nutzniessungsrecht.

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