Winterthur

Wie drei Freunde mit einer versteckten Kamera Momente verändern wollen

Mit einer versteckten Kamera filmt eine Gruppe von Freunden, wie sie Menschen beim Kaffee oder beim Warten auf den Bus überraschen. Das neueste Video wurde in Winterthur gedreht und bereits fleissig geklickt.

Stefan Pfister (links) und Daniel Schürch von «Change Moments» überraschen und beschenken Passanten in der Winterthurer Altstadt.

Stefan Pfister (links) und Daniel Schürch von «Change Moments» überraschen und beschenken Passanten in der Winterthurer Altstadt. Bild: Screenshot Youtube

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Zwei Frauen geniessen auf dem Platz vom Restaurant Casinotheater ihren Kaffee. Ein junger Mann kommt auf sie zu, entschuldigt die Störung und sagt zu den verwunderten Gesichtern: «Heute ist euer Glückstag, ich möchte euch gerne auf euren Kaffee einladen.» – «Nein, echt jetzt?», kommt von einer die Rückfrage. «Ja, einfach so», antwortet dieser grinsend. Er legt ein 20er-Nötli auf den Tisch, wünscht einen schönen Tag und verabschiedet sich.

Was wie ein holpriger Sketch anmutet, ist in Tat und Wahrheit ein Videoprojekt mit versteckter Kamera von «Change Moments». Hinter dem Videoprojekt steht eine Gruppe von Freunden, die für Videos Menschen im Alltag beschenken, indem sie ihnen das Busticket, das Gipfeli oder den Kaffee bezahlen. Die Szenen werden mit einer versteckten Kamera gefilmt und später in einem Video auf Youtube und Facebook veröffentlicht. Die ersten vier Clips von lösten ein grosses Echo aus und erhielten bis jetzt über eine viertel Million Klicks.

Ins Leben gerufen hat das Projekt Stefan Pfister. Der Oberstufenlehrer aus Bern kam zusammen mit zwei Freunden vor zwei Jahren auf die Idee. «Wir drei lieben versteckte Kamera. Meist werden in solchen Clips aber Menschen durch den Dreck gezogen. Wir wollen das Gegenteil erreichen und Menschen positiv überraschen», sagt Pfister. «Es ist ein unbezahlbares Gefühl, die Veränderung in den Gesichtern der Menschen zu sehen, wenn sie realisieren, was gerade passiert und sich freuen.»

Schon 85 000 Mal geklickt

Das neuste Video wurde nun in Winterthur gedreht. Einen Tag lang waren die drei Freunde in der Markt- und Steinberggasse oder am Hauptbahnhof unterwegs und haben die Passanten überrascht. Das Video kommt im Netz gut an. In den ersten Tagen wurde es bereits mehr als 10 000 Mal auf Youtube und 85 000 Mal auf Facebook angeklickt. So freut sich ein Abonnent auf YouTube: «Hey Jungs, ehr mached das so charmant, wiiter soo. Euri Freud debii schteckt richtig aah.» Und ein Fan auf Facebook meint: «Dir zouberet üs immer wieder es lache i üses Gsicht, viu Spass, tolli Begegnigä u gueti Ideeä!»

Den Alltag versüssen

Pfister erinnert sich an den Dreh im «charmanten Winti» mit Freude. Sein schönster Moment erlebte er in der Altstadt. «Das war, als ich eine Familie beschenken durfte. Diese freuten sich so sehr, waren so inspiriert und fingen angeregt an, zu diskutieren, dass sie das auch mal machen sollten», erinnert sich Pfister. Menschen selbst zum positiven Handeln motivieren, ist für sie auch ein wichtiges Ziel. «Es braucht zwar Mut, auf andere Leute zuzugehen – aber eigentlich ist es so einfach, mit simplen Gesten Leuten den Alltag zu versüssen», sagt Pfister.

«Es ist ein unbezahlbares Gefühl, die Veränderung in den Gesichtern der Menschen zu sehen, wenn sie realisieren, was gerade passiert und sich freuen.»Stefan Pfister

Bezahlt wird das Projekt übrigens aus eigener Kasse. «Für uns ist es eine Leidenschaft, wir verdienen kein Geld damit», beteuert Pfister. «Wir sparen dann lieber an anderen Stellen, wie im Ausgang.» Auch wenn sie auf YouTube viele Klicks erhielten, stehe schlussendlich der Mensch im Zentrum. Für dieses Jahr planen «Change Moments» noch ein bis zwei weitere Videos, das nächste wird in Bern gedreht. (Der Landbote)

Erstellt: 11.09.2017, 16:30 Uhr

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