Epidog

Wie ein Hund eine Familie entlastet

Die fünf Jahre alte Jara ist seit ihrer Geburt gelähmt. Der Familienhund Travis kann ihre krampfhaften Anfälle frühzeitig erkennen und abschwächen. Das SRF berichtet am Sonntag über die Familie und ihren Umgang mit einer schwerbehinderten Tochter.

Travis gehört längst zur Familie: Nicole Janouschek und ihre Tochter Jara mit dem «Epidog».

Travis gehört längst zur Familie: Nicole Janouschek und ihre Tochter Jara mit dem «Epidog». Bild: Marc Dahinden

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An schlechten Tagen hatte Jara bis zu zehn Muskelverkrampfungen, sogenannte Dystonieanfälle. Seit Travis bei ihr ist, ist die Zahl auf fast Null geschrumpft. Jara ist ein fünf Jahre altes Mädchen mit einer schweren Behinderung. Travis ist seit einem halben Jahr ihr «Epidog». Der Hund spürt, wann der nächste Anfall droht und kann diesen oft erfolgreich verhindern. «Er ist ein wichtiges Familienmitglied geworden», sagt Jaras Mutter Nicole Janouschek.

Als die Ärzte den Eltern von Jara nach ihrer Geburt erstmals ein Bild ihres Gehirns gezeigt hätten, sei es erst sehr lange ruhig gewesen im Zimmer. Durch einen Sauerstoffmangel vor der Geburt fehlen Jara 90 Prozent des Grosshirns. «Es hört sich vielleicht esoterisch an, aber ich habe es gespürt als es passiert ist.» Jaras Mutter war im Schwangerschaftsyoga, als sie plötzlich die Verbindung zu Jara in ihrem Bauch nicht mehr herstellen konnte. «Ich bin unheimlich erschrocken.»

Die Zwillingsschwester ist kerngesund

Als Jara drei Wochen später auf die Welt kam, wurde Nicole Janouscheks Befürchtung bestätigt. Jara leidet unter einer zerebralen Lähmung und kann einzig mit Blinzeln, Kopfbewegen und über ihre Mimik kommunizieren. «Wenn sie sehr starke Schmerzen hat, kann sie auch schreien», sagt Janouschek. Sie geht davon aus, dass Jara alles um sich herum mitbekommt, die Garantie hat sie aber nicht. Ihre Lebenserwartung wurde anfangs auf ein paar Wochen geschätzt, mittlerweile würden die Ärzte nichts mehr sagen. Jaras eineiige Zwillingsschwester Jael ist kerngesund. «Die beiden haben eine Geheimsprache.»

Die Familie in Hegi hat sich dazu entschieden, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Für die erste Folge der Sommerserie «Reporter Spezial: Das ganze Leben» des SRF hat die Moderatorin Mona Vetsch die Familie vor einigen Tagen getroffen. Für Janouschek ist es Zeit, dass über schwierige Themen gesprochen wird. «Themen wie Krankheit, Behinderung oder Tod sind immer noch Tabu.»

Die Dystonieanfälle sind eine der Begleiterscheinungen der Lähmung. Anders als bei epileptischen Anfällen ist Jara während ihren Anfällen bei vollem Bewusstsein. Travis kann diese Anfälle verhindern. Er ist ein zehn Monate alter Australian Cobberdog und lebt seit etwa einem halben Jahr bei der Familie. Die Familie hat ihn als unausgebildeten Welpen gekauft, in der Hoffnung, dass er sich als Begleithund für Jara eignen würde. «Wir hatten Glück.» Nun wird Travis über den Zürcher Verein «Epidogs for Kids» zu einem Begleithund ausgebildet.

Die Ausbildung kostet bis zu 15 000 Franken und dauert zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit ist die Familie in regelmässigem Kontakt mit den Trainern, einmal pro Monat kommt eine der Trainerinnen nach Hegi. Der Verein wird mit Spenden finanziert. Ziel der Ausbildung ist es, dass die Begleithunde einen epileptischen oder dystonischen Anfall im Voraus anzeigen und diesen verhindern oder abschwächen können. Denn Hunde können von Natur aus Änderungen im Stoffwechsel erkennen, zum Beispiel solche, die vor einem Dystonieanfall stattfinden. So auch Travis.

Beim erstem Kontakt Lungenentzündung erkannt

Am dritten Tag nachdem er zur Familie Janouschek gekommen ist, suchte Travis zum ersten Mal Jaras Kontakt. «Er legte seine Pfote auf ihren Brustkorb», sagt Janouschek. «Wir wussten nicht, was das bedeutet. Später mussten wir Jara mit einer Lungenentzündung ins Spital bringen. Danach wurde uns gesagt, dass das wohl ein Zeichen gewesen sei.» So musste die Familie langsam lernen, Travis‘ Zeichen zu lesen. «Man schaut, was der Hund von sich aus mitbringt und baut darauf auf.»

Heute kann Travis Jaras Dystonieanfälle oft verhindern. Wenn ein Anfall droht, spürt er ihre Anspannung, schleckt bestimmte Stellen ihres Gesicht oder ihrer Hand und beisst sanft in einen Akkupunktur-Punkt an ihren Zehen. Travis ermögliche eine neue Art der Kommunikation zwischen Jara und ihrer Familie, sagt Janouschek. «Er gibt uns nicht nur Sicherheit und ­Liebe, sondern lenkt den Fokus auf das Positive.» Jaras Mutter, die ihren Beruf als Pflegefachfrau aufgegeben hat, hat in ihm eine schöne neue Aufgabe gefunden. «Travis ist das beste Anti­depressivum.»

Erstellt: 10.07.2019, 17:41 Uhr

Sendung

Diesen Sonntag um 22 Uhr läuft auf SRF 1 die erste Folge der Sommerserie, in der Mona Vetsch die Familie Janouschek vorstellt.

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