Kriminalität

Wie eine Jugend-Gang die Winterthurer Behörden auf Trab hält

Mehrere Winterthurer Jugendliche schlossen sich zu einer Gang zusammen. Ihre Delikte beschäftigen die Richter und Strafverfolger noch immer, auch wenn es die Gang selber nicht mehr geben soll.

Ein Opfer wurde in der Steig verprügelt und gefilmt.

Ein Opfer wurde in der Steig verprügelt und gefilmt. Bild: Marc Dahinden

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Eine Bushaltestelle im Sorgenquartier Steig an einem Novemberabend 2018. Drei junge Männer treffen sich unter einem Vorwand mit ihrem Opfer, zwingen den Teenager mit Faustschlägen in ein nahes Waldstück und halten ihn dort fest. Einer positioniert das Smartphone und filmt die Szene. Ein anderer schlägt mit der Faust los. 16 Mal lässt er sie gegen den Kopf des Opfers schnellen, jeweils in Serien à vier Schlägen. Das Opfer beginnt zu bluten, muss später notfallmässig ins Spital. Die drei Täter klauen noch sein Handy und machen sich aus dem Staub.

Nach dem brutalen Überfall, der offenbar aus Rache stattfand, wurden gegen die Täter Strafverfahren eingeleitet. Zwei bei der Jugendanwaltschaft – die Urteile sind nicht öffentlich. Einer der Täter wird sich nach Erwachsenenstrafrecht vor dem Bezirksgericht verantworten müssen. Er ist voll geständig. Derzeit überarbeitet die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen ihn, eine erste Version hielt diese Woche vor dem Gericht nicht stand. Dieses monierte unter anderem, dass als zentraler Straftatbestand nur der Handy-Raub zur Anklage gebracht wurde und nicht auch versuchte schwere Körperverletzung.

Der Überfall wird von den lokalen Behörden nicht als singuläres Ereignis behandelt, sondern als Teil umfassender Untersuchungen. Denn die drei Täter waren Mitglieder der sogenannten G-Level-Gang. Das bestätigt ein mit dem Dossier vertrauter Staatsanwalt gegenüber dem «Landboten».

Überfall am HB

Gegründet wurde die G-Level-Gang vor zehn Jahren. Sie soll zwischenzeitlich Dutzende Mitglieder in mehreren Schweizer Ortschaften gehabt haben. Als Gründer und Ex-Anführer der Gang wurde 2014 vor Bezirksgericht Lenzburg ein mittlerweile über 30-Jähriger Ex-Fussballtrainer aus dem Kanton Zürich verurteilt. Die Gang-Mitglieder, die mehrheitlich im Teenie-Alter waren, hatten unter seiner Anleitung andere Teenager bedroht oder verprügelt. Auch Erpressungen und Todesdrohungen standen an der Tagesordnung. Im Laufe jenes Prozess zeigte sich zudem ein Muster: Straftaten wurden auf dem Handy gefilmt und geteilt. So, wie das auch in der Steig passiert ist.

In Winterthur soll die G-Level-Gang relativ spät in Erscheinung getreten sein, erste Delikte in diesem Zusammenhang wurden 2017 registriert. Welche Verbindungen zu anderen Gruppierungen der G-Level-Gang bestanden, ist nicht bekannt.

Erst kürzlich stand der mutmassliche Winterthurer Anführer der Gang ebenfalls vor Gericht. Er hatte Ende 2017 mit zwei weiteren Gang-Mitgliedern einen Überfall am Hauptbahnhof begangen. Mitten in der Nacht umkreisten sie einen Jugendlichen, schlugen ihn und raubten schliesslich das Portemonnaie. Später drohten sie dem Opfer mit heftigen Konsequenzen, sollte er zur Polizei gehen. Dafür wurde der mutmassliche Banden-Chef Ende August in zweiter Instanz vom Obergericht verurteilt, er musste eine neunmonatige Freiheitsstrafe antreten.

Schockierende Chats

Diese Fälle spiegeln laut dem mit dem Dossier vertrauten Staatsanwalt nur einen Teil der Verurteilungen wider. Wie auch aus Gerichtsakten hervorgeht, hatten Mitglieder der G-Level-Gang mehrfach mit der Winterthurer Jugendanwaltschaft zu tun. Die Mitglieder teilten zudem über einen Whatsapp-Chat schockierende Gewalt- und Pornografiedarstellungen mit folterähnlichen Szenen.

Die Delikte werden teilweise noch immer aufgearbeitet. Die G-Level-Gang selber soll es dem Vernehmen nach mittlerweile in Winterthur nicht mehr geben.

Erstellt: 26.09.2019, 09:19 Uhr

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