Fokuswoche

Wie man seinen Fussabdruck verkleinert

Klimaschutz ist einfach, bedeutet aber verzichten. Hier eine Selbstanalyse und die Top-Five-Tipps eines Piloten, der viel für den blauen Planeten tut.

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Der Schreibende hat ein kleines Auto, das Diesel verlangt und oft tagelang rumsteht. Aber Ferienfahrten lassen den Kilometerstand jeweils stark steigen. Er bewohnt ein uraltes Reihenhaus mit neuen Fenstern und Dachdämmung (gut), das per KVA-Fernwärme geheizt wird (auch gut), aber weit weg vom Minergie-Standard ist (schlecht). Er mag Bahnreisen mehr als Flüge, aber nach Kanada vor zwei Jahren nahm er dann doch das Flugzeug (ganz schlecht). Er isst Fleisch, nicht täglich und eher wenig. Plus: Er hat eine Katze, die kein gar Frischfleisch frisst.

Diese Daten zu seinem Konsum- und Mobilitätsverhalten gab er in verschiedene Footprint-Rechner ein, die ihm seinen ökologischen Fussabdruck zeigten. Jahresemission 9 Tonnen CO2 zeigte der My-Climate-Rechner an und schlug gleich mehrere Möglichkeiten von Kompensationszahlungen vor. Man gibt Geld an My Climate, worauf die Organisation Projekte finanziert, um die Umweltsünden anderswo wieder gutzumachen. Die Kompensation via Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern kostet im genannten Fall 229 Franken, via Aufforstungen in Nicaragua machts 236 Franken, und wenn die Hälfte der Kompensation in der Schweiz erfolgen soll, würde das den Klimasünder 714 Franken kosten. So funktioniert der moderne Ablasshandel, 500 Jahre nach der Reformation.

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9.1%

88 Stimmen


Der sorgfältigste der vier getesteten Footprint Rechner mit 36 Fragen, vielen Antwort-Varianten und ausführlichen Veränderungs-Vorschlägen ist jener des WWF. 9,7 Tonnen CO2 hiess hier das persönliche Ergebnis. Das sei a.) weniger als der Schweizer Durchschnitt von 13,5 Tonnen, b.) mehr als der weltweite Durchschnitt von 7,4 Tonnen und c.) laut WWF noch immer viel zu viel: «Würde die gesamte Weltbevölkerung so leben, bräuchten wir 2,23 Planeten; leider haben wir jedoch nur diesen einen.»

Die anderen Footprint-Rechner ergaben CO2-Tonnagen und Beurteilungen etwa im Rahmen des Genannten. Wohlgemerkt: Es sind Berechnungen, ungefähre Zahlen und interpretierbar. Zum Beispiel auf diese Weise: Wenn in einer Partnerschaft einer das Auto als Klimasünde angibt, dürfte die Mitfahrerin eigentlich darauf verzichten, denn der CO2-Ausstoss steigt ja dadurch nicht. Oder anders gesagt: Wenn vier im Auto sitzen, ist der Umweltschaden gleich gross wie beim Solofahrer, der einzelne sündigt bei Viererbesetzung weniger. Anders beim Fliegen: Da wird jeder Sessel einzeln berechnet.

Wir haben in der Folge Daniel Lüscher gefragt, den Gründer und Präsidenten der national tätigen Winterthurer Klimaschutz-Organisation Myblueplanet: Was ist seine Best-of-Liste, um den Fussabdruck zu verkleinern?

«Erstens die nächsten Ferien mit dem Zug planen: Weniger Stress, mehr Vergnügen», rät er. «Flüge und insbesondere Langstreckenflüge belasten das Weltklima weitaus am stärksten.» Das sagt einer, der sein Geld als Pilot von Frachtmaschinen verdient, nicht selten mit Destinationen, die man auch per Zug erreichen könnte. «Viele Firmen haben selber gar keine Lager oder Ersatzteile mehr, sondern bestellen on demand», erklärt er seinen Job und meint das durchaus als Kritik. Deshalb rät er auch ab, ständig Kleider bei Zalando zu bestellen: «Da wird sehr viel per Flugzeug eingeflogen.»

Lüschers Tipp Nummer zwei: Wegstrecken unter drei Kilometern konsequent ohne Auto! «Das gilt auch beim Gipfeliholen am Wochenende.» Drittens: Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen: Wasser, Wind, Solar.

Viertens, und das bringe oft eine gewaltige Reduktion des CO2-Ausstosses: Heizen zu Hause maximal auf 20 Grad. «Das bedingt zuallererst einmal, dass man ein gutes Thermometer hat.»

Und als fünften Punkt nennt er eine Familienchallenge: «Es gewinnt, wer sein Handy am längsten behält, ohne ein neues zu kaufen.» Myblueplanet habe mit der Fachhochschule ZHAW eine Studie gemacht, die gezeigt habe, dass sich mit reduzierten Handy- oder Fernsehgebrauch nur minimal sparen lasse. «Wenn man ein Gerät aber länger behält, resultiert ein grosses Sparpotenzial.» In der Schweiz sei ein Handy derzeit im Schnitt keine zwei Jahre in Gebrauch, das müsse man ändern - verlängern auf drei, vier, fünf Jahre.

Erstellt: 08.04.2019, 17:09 Uhr

Martin Gmür, Stadtredaktor Landbote. (Bild: Madeleine Schoder)

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