Winterthur

Wie Stadträte Wissenslücken füllen

Bezüglich Einführung, Coaching und Weiterbildung für Stadträte gibt es kaum Vorgaben. Viele Gemeinderäte sehen Nachholbedarf. Vorreiterin Yvonne Beutler (SP) sagt, ihre Ausbildung habe sie sehr inspiriert.

Die amtsjüngsten Stadträte, Jürg Altwegg (Grüne) und Christa Meier (SP), konnten beim Start kein offizielles Einführungsprogramm durchlaufen.

Die amtsjüngsten Stadträte, Jürg Altwegg (Grüne) und Christa Meier (SP), konnten beim Start kein offizielles Einführungsprogramm durchlaufen. Bild: Heinz Diener

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Neu gewählte Stadträtinnen und Stadträte werden von einem Tag auf den anderen von Miliz- zu Berufspolitikern. Keine einfache Ausgangslage. Plötzlich gilt es, viel Verantwortung zu übernehmen und zahlreiche Mitarbeitende zu führen. Am Montag wurde im Gemeinderat eine Interpellation behandelt, welche die Aus- und Weiterbildung für Stadträte zum Thema hat.

Der Stadtrat hatte in seiner Antwort erklärt, ein standardisiertes Einführungsprogramm für neu gewählte Exekutivmitglieder gebe es nicht, Stadtschreiber und Stadtpräsident würden die neuen Mitglieder aber mit Regeln und Gepflogenheiten der Regierungstätigkeit bekannt machen.

Ansonsten sei es Aufgabe der Departementskader, die neuen Vorsteher in Fachbereiche, Strukturen und Prozesse einzuführen. Ein Coaching innerhalb des Stadtrates gebe es nicht.

20 000 Franken jährlich

Bezüglich Weiterbildung liege die Verantwortung bei den Stadtratsmitgliedern selbst. Das Budget dafür beträgt pro Jahr für den ganzen Stadtrat 20 000 Franken.

Im Gemeinderat wurde die geltende Praxis unterschiedlich beurteilt. Interpellant Markus Wenger (FDP) fand, es würde Sinn machen, ein Einführungsprogramm ins Leben zu rufen und neue Stadträte mit einem Göttisystem zu coachen. Auch Katrin Cometta (GLP) regte ein Coaching an, und Maria Sorgo sagte, es sei wichtig, dass sich Stadträte sich den Anforderungen des Amtes entsprechend weiterbilden.

«Das sollte Schule machen, denn davon profitiert der ganze Stadtrat»Maria Sorgo (SP) über die Weiterbildung von Finanzvorsteherin Yvonne Beutler

Sie nannte als Beispiel Finanzvorsteherin Yvonne Beutler (SP), die demnächst einen Executive MBA in General Management an der Hochschule St. Gallen abschliesst. «Das sollte Schule machen, denn davon profitiert der ganze Stadtrat», sagte Sorgo.

Franco Albanese (SVP) dagegen fand, die Wählenden sollten Stadträte wählen, die «das Amt ohne grosse Weiterbildungsschlaufe bewältigen können.» Falls jemand überfordert sei, könne die Person ja zurücktreten — oder das Volk könne sie abwählen.

Stadtpräsident Michael Künzle sagte, die grösste Weiterbildung für neue Stadträte finde im eigenen Departement statt. «Es gilt alle Dossiers zu sichten, das braucht viel Zeit.» Trotzdem nehme er die Idee mit, eine geregelte Einführung anzubieten. Es sei jedoch nicht so, dass man die neuen Stadträte alleine lasse. «Ich habe etwa mit Christa Meier bei ihrem Eintritt ein Gespräch geführt und nach drei Monaten nochmal eines.»

Laut Künzle gab es früher für den Stadtrat überhaupt keine Weiterbildungen. Yvonne Beutler sei die erste mit diesem Anliegen gewesen. «Wir haben ihren Antrag besprochen und sind zum Schluss gekommen, dass ihre Pläne sinnvoll sind». Aber man müsse auch sehen, dass die anderen Stadträte die Absenzen zu tragen hatten. «Der Zeitaufwand ist nicht ohne.»

Lehrreich, aber anstrengend

Yvonne Beutler, die ihre Weiterbildung dieser Tage abschliesst, zieht ein durchwegs positives Fazit zu ihrer Masterausbildung: «Es war eine sehr lehrreiche, inspirierende, aber anstrengende Zeit. Ich musste einige Nachtschichten einlegen und oft am Wochenende arbeiten».

Eine der grössten Herausforderung sei die Diplomarbeit gewesen, für die sie ein Modell für die integrale strategische und finanzielle Führung der Stadt entwickelt habe, das sie nun gerne umsetzen möchte.

Überhaupt habe sie aus allen Modulen Inhalte mitgenommen, die sie in ihrer täglichen Arbeit brauchen könne. «Die Ausbildung war zwar streng, hat mir aber viel Energie gegeben, und ich bin immer mit neuen Ideen nach Winterthur zurückgekehrt. Diese Ausbildung zu machen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.»

(Der Landbote)

Erstellt: 28.08.2018, 17:13 Uhr

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