Winterthur

Wieder muss eine Tiefgarage saniert werden – wegen eines Baupfuschs?

Im Zelgli an der Eisweiherstrasse ist über Jahre hinweg Wasser in die Garagendecke gesickert, weil die Abdichtung fehlte. Gebaut hat dieselbe Winterthurer Baufirma, die schon im Fall «Sennhof» in die Schlagzeilen geraten war.

Weil das Asphaltdach der Garage im Zelgli-Quartiers nicht abgedichtet wurde, muss es nun teuer saniert werden.

Weil das Asphaltdach der Garage im Zelgli-Quartiers nicht abgedichtet wurde, muss es nun teuer saniert werden. Bild: Madleine Schoder

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Die Diskussion wir hitzig werden, denn es geht um viel Geld. Wegen eines mutmasslichen Baupfusches müssen die Eigentümer der blauen Mehrfamilienhäuser im Zelgli Mattenbach in zwei Wochen an einer ausserordentlichen Versammlung darüber entscheiden, ob sie ihre Tiefgarage für 1,75 Millionen Franken totalsanieren lassen. Über Jahre hinweg sickerte Wasser in die Garagendecke. Die Armierungen im Stahlbeton begannen zu karbonatisieren (eine Vorstufe von Rost) und lösten sich vom Beton, und dies bereits grossflächig und auch im untersten Teil der Deckenschicht, nur knapp neun Jahre, nachdem die Garagendecke asphaltiert worden war. Gemäss dem Gutachten, das sich auf fünf Expertisen stützt und dem «Landboten» vorliegt, ist klar: Eine Totalsanierung der Garagendecke und Arbeiten an den dazugehörigen Häusern sind dringend notwendig, um Rost vorzubeugen und die Tragsicherheit der Garage langfristig zu sichern.

Asphalt nicht abgedichtet

Das Gutachten weist auf zwei wesentliche Baumängel hin: Die Asphaltdecke wurde nicht flächig abgedichtet, beispielsweise mit Bitumen, einer zähflüssigen teerartigen Matte. Eine solche war, so die Vermutung des Experten, zwar ursprünglich vorgesehen, ist in den Detailplänen aber dennoch nicht aufgeführt. Weil das Wasser schon bis in die untersten Schichten durchdrang, sei davon auszugehen, dass relativ poröser Beton verwendet worden ist.

Zweitens seien die sogenannten Abdichtungsanschlüsse an die Hausfassaden fälschlicherweise ausserhalb hochgezogen worden, statt entlang des Mauerwerks. Die Abschlüsse hätten sich deshalb immer wieder abgelöst. Zudem ist offenbar der Brandwiderstand des Stahlbetons zu schwach, weil die Betonschicht zum Teil dünner als zwei Zentimeter ist. Dennoch: Einsturzgefährdet ist die Garage derzeit selbst im Brandfall nicht.

Die bereits erfolgten baulichen Nachbesserungen sind gemäss Expertise nichts als «Pflästerli». Im Falle der nachträglich unter der Decke eingebauten Flachrinnen habe sich das Problem sogar verschärft, weil sich dadurch zusätzliches Wasser staute. Auch die sogenannten Injektionen – eingepresste ausgehärtete Flüssigkeiten – seien keine langfristige Ausbesserung. Sehr wahrscheinlich werde man während der Sanierung auf weitere Mängel stossen, vermutet der Hauptgutachter.

Bauherr: «Ich weiss von nichts»

Gebaut hat die Zelgli Mattenbach-Siedlung die Winterthurer Baufirma L+B. Betroffen sind die Häuser der dritten und letzten Etappe, der Eisweiherstrasse 91-115. Die Expertise stellt Planern und Bauherren ein schlechtes Zeugnis aus: «Leider stimmt die Ausführung nicht mit den Ausführungsplänen überein». Auf Nachfrage bestätigt der Experte, ja, das sei Baupfusch.

Steht für die «Gartenstadt Winterthur»: Das Zelgli im Eisweiherquartier.

L+B war bereits 2014 in die Schlagzeilen geraten, nachdem in Sennhof eine einsturzgefährdete Tiefgarage für rund eine Million Franken hatte saniert werden müssen. Mehrere von L+B gebaute Tiefgaragen in Winterthur und Region sind inzwischen auf Baumängel hin überprüft und teilweise saniert worden. Robert Hofer, der L+B-Geschäftsleiter, reagiert auf Anfrage erstaunt: «Von einer geplanten Sanierung weiss ich nichts.» Und dies, obwohl seine Firma im Zelgli nach wie vor Wohnungen und Parkplätze besitze. Zu einer Expertise, die er nicht kenne, könne er nichts sagen. Nur soviel: «Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gebaut.»

Weder seitens der Verwaltung noch des Bewohner-Baugremiums will man sich vor der Mitgliederversammlung vom 2. Dezember äussern. Daher ist auch nicht bekannt, auf wie viele Parteien sich die Sanierungskosten von 1,75 Millionen Franken verteilen würden. Im Gutachten wird ein Verteilschlüssel von 50/50 zwischen Parkplatz- und Hausbesitzer vorgeschlagen.

Das Baugremium empfiehlt in seinem Schreiben einstimmig, die Sanierung anzupacken. Unter anderem müsste der gesamte Asphalt bis auf die Betonoberfläche der Garage ab- und wieder neu aufgetragen werden.

An Mitgliederversammlung wird auch entschieden, ob ein Anwalt für eine Prozessführung beauftragt wird. Die Chancen auf Entschädigung sind allerdings gering. Bei verdeckten Baumängeln liegt die Verjährungsfrist bei fünf Jahren. Nur bei absichtlich verschwiegenen Mängeln haftet der Unternehmer zehn Jahre lang. (Landbote)

Erstellt: 17.11.2017, 16:47 Uhr

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