Spielzeugtrend

Winterthur spinnt auf die Spinners

Morgens geliefert, abends ausverkauft: Der trendige Handkreisel «Fidget Spinner» ist heiss begehrt. Dennoch zweifeln Spielzeughändler, dass er das Zeug zum Langzeit-Hit hat.

Die «Fidget Spinner» gehen beim Laden Jugglux in Winterthur weg wie frische Weggli. Verkäufer Julian Kienholz erklärt den Hype um das neue Trend-Spielzeug.
Video: Fabian Röthlisberger

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«Hand-Spinner ausverkauft!» war letzte Woche vor dem Jongliergeschäft Jugglux zu lesen, mit Strassenkreide auf die Steinberggasse gemalt. «Wir werden förmlich überrannt», erklärt Verkäufer Julian Kienholz. «Wenn morgens eine Lieferung mit neuen Hand-Spinners kommt, ist sie bis zum Abend wieder ausverkauft.» Etwa fünfzig Stück der trendigen Handkreisel verkauft der «Jugglux» pro Tag. «Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals einen ähnlichen Hype hatten», sagt Kienholz.

Die Spinners (von englisch «to spin», drehen) passen in jede Hosentasche. Sie haben zwei oder drei Arme, die um ein zentrales Kugellager rotieren. Einmal in Bewegung versetzt drehen die Kreisel sehr schnell und ausdauernd. Könner vollführen damit Tricks, wie den «Hot Potato», wo der Spinner von Hand geworfen wird, oder sie balancieren ihn auf den Finger- oder Zehenspitzen.

«Drei Viertel der Klassen-kameraden haben einen»

Rund dreissig verschiedene Modelle stehen im Laden zur Auswahl. «Ich informiere mich gerade für meine Söhne», sagt eine Mutter, die sich das Sortiment erklären lässt. «Sie sind acht und zehn Jahre alt und stürmen schon seit zwei Wochen. Sie sagen, drei Viertel der Kinder in ihrer Klasse hätten bereits einen.» Wer noch nicht «spinnt», droht auf dem Schulhof zum Aussenseiter zu werden.

Grosse Auswahl: Die Spinner gibt es in den verschiedensten Farben, Formen und Materialien. Bild: Madeleine Schoder

Den günstigsten Kreisel gibt es für 12.90 Franken, ein Plastikmodell. Die teureren Ausführungen kosten etwas über 30 Franken und sind aus Metall. «Am beliebtesten sind aber die Modelle mit LED-Lämpchen», sagt Kienholz. «Die sehen schon bei einfachen Tricks gut aus, das gefällt den Kindern.» Die jüngsten Käufer sind etwa sieben Jahre alt, aber auch Erwachsene kaufen sie. Kurz nachdem die Mutter den Laden verlassen hat – sie überlegt noch, ob die Buben das vom Sackgeld kaufen müssen oder ob sie zwei spendiert – kauft ein 21-jähriger Lehrling sich einen Kreisel aus eloxiertem Aluminium, der in allen Farben schimmert. «Ich habe sie kürzlich auf der Internetseite 9Gag gesehen und dachte: Was für ein Mist», sagt er. «Aber jetzt bin ich doch neugierig geworden.»

Spielzeug für unruhige Hände trifft den Zeitgeist

Geräte für nervöse Hände treffen den Nerv der Zeit. «Fidgetting», sagt der Amerikaner dieser halbbewussten Tätigkeit, ein unübersetzbares Wort, das irgendetwas zwischen zappeln und «gfätterle» bedeutet. Mit dem «Fidget Cube» fing vor einigen Monaten alles an. Der kleine Plastikwürfel mit seinen komplett sinnlosen Schaltern, Rädchen und Knöpfen soll zum Stressabbau nebenher dienen, indem er beim Stillsitzen die Hände beschäftigt hält.

«So einen Hype hatten wir noch nie. Die Leute rennen uns die Türe ein.»Julian Kienholz, Jugglux

«Jetzt will jeder auf den Zug aufspringen, es kommen ständig neue Fingerspielzeuge heraus», weiss Kienholz. Der Handkreisel «Fidget Spinner» ist aber bei weitem der erfolgreichste Vertreter der Fidget-Spielzeuge. Von einem amerikanischen Nischenhersteller erdacht, wurde es innert Wochen von verschiedensten Fernost-Herstellern kopiert.

Die Trendkreisel haben auch Winterthur erobert. Bild: Madeleine Schoder

Als der Boom vor einem knappen Monat losging, waren sie schnell fast in der ganzen Stadt ausverkauft. Im «Chinderlade» an der Metzg­gasse hängt an der Kasse ein grosses Plakat: «Fidget Spinners bald wieder erhältlich». Die erste Ladung sei im Handumdrehen verkauft gewesen, sagt Geschäftsführer Kurt Volken. «Wir mussten drei Wochen auf Nachschub warten.» Jetzt habe er gleich 500 Stück bestellt, in verschiedenen Farben und Formen. Heute Donnerstag sollen sie wieder im Laden sein.

«Bis zu den Sommerferien ist der Hype vorbei»

Vollends überzeugt von dem Trendspielzeug sind die Fachhändler aber nicht. «Im Vergleich zu Jojos sind die Möglichkeiten doch ziemlich eingeschränkt», findet Jugglux-Verkäufer Kienholz. Und Chinderlade-Chef Volken findet gar: «Der Spielspass hält nur zehn Minuten.»

Volken hat eine eigene Theorie zum Erfolg der Handkreisel: «Sie sind nur deshalb beliebt, weil sie schwer zu kriegen sind. Der Trend wird rasch abflauen.» Dies auch, weil mittlerweile Firmen Handkreisel als Werbegeschenk entdeckt haben, und Kioske und Tankstellen Günstigware verscherbeln. «Auch uns wurden Billigprodukte für ein paar Franken angeboten, aber wir haben abgelehnt», sagt seine Frau, Madeleine Volken. «Als Fachgeschäft wollen wir Qualitätsware verkaufen, mit guten Kugellagern.» Dass der Handkreisel ein Langzeit-Hit wird, glaubt aber auch sie nicht. «Bis zu den Sommerferien ist der Hype vorbei.» (Landbote)

Erstellt: 31.05.2017, 16:08 Uhr

Tricks mit dem «Fidget Spinner»


Unzählige Videos im Internet zeigen, welche Tricks man mit dem «Fidget Spinner» machen kann. Mathias Moslund erreichte auf Youtube mit diesen «5 Tricks für Anfänger» über 6 Millionen Zuschauer. Video: Youtube.

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