Steuern

Winterthurer verdienen rund ein Fünftel weniger im Schnitt

Die Stadt hat 2018 mit einem Millionengewinn abgeschlossen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Steuerkraft tief blieb und das Ziel, gute Steuerzahler anzuziehen, verfehlt wurde.

Die Stadt schreibt für das Jahr 2018 einen Gewinn von 37 Millionen Franken.

Die Stadt schreibt für das Jahr 2018 einen Gewinn von 37 Millionen Franken. Bild: Enzo Lopardo

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Finanzstadträtin Yvonne Beutler (SP) konnte am Montag mit zig erfreulichen Zahlen aufwarten: Einem Gewinn von 37 Millionen Franken, einem Plus von 13 Millionen an Grundstückgewinnsteuern und 7 Steuermillionen mehr der Einwohnerinnen und Einwohner (natürliche Personen). Durchatmen. Oder doch nicht? Nicht alle Zahlen sind gleich rosig. Obwohl die Anzahl steuerpflichtiger Unternehmen (juristische Personen) letztes Jahr wider Erwarten wuchs (+110), lieferten diese 13,4 Millionen Franken weniger in den Steuertopf als budgetiert, insgesamt noch knapp 83 Millionen Franken. Beutler sieht darin keinen Wink, dass viele lokale Unternehmen derzeit kriseln.

Der Vergleich mit dem kantonalen Trend, der Stadt Zürich und dem urbanen Wallisellen über die letzten Jahre zeigt, dass die Einnahmen bei den Unternehmenssteuern in Winterthur deutlich gleichmässiger fliessen als anderswo. Die Kurve verläuft hier praktisch flach, selbst in den Ausreisserjahren 2007 und 2016.

Den grössten Sockel bilden ohnehin die Steuern der sogenannt natürlichen Personen. Die Winterthurerinnen und Winterthurer zahlten 2018 über 300 Steuermillionen, grossmehrheitlich über die Einkommenssteuern. Auch hier hinkt Winterthur im kantonalen Vergleich hinterher, wo die Erträge seit zwanzig Jahren leicht stärker steigen. Dies wiederum hängt auch mit dem durchschnittlichen steuerbaren Einkommen der Steuerpflichtigen zusammen, wo sich ein ähnliches Bild zeigt.

Ab 2009 geht die Schere zwischen Winterthur und dem Kanton leicht auseinander. Während das durchschnittliche Einkommen der Winterthurer bis 2016 von rund 51700 auf 54700 stieg (+5,8 Prozent), wuchs es in der Stadt Zürich um 8 Prozent auf 63500 Franken, kantonsweit um 7 Prozent auf 67100 Franken.

Steuerkraft in Wallisellen doppelt so hoch

Dies widerspiegelt sich auch in der durchschnittlichen Steuerkraft pro Kopf, die von einem hypothetischen Steuerfuss von 100 Prozent ausgeht (Winterthur aktuell: 122 Prozent). Auch hier liegt die Stadt mit 2740 Franken deutlich unter dem kantonalen Mittel. Im boomenden urbanen Wallisellen ist sie mit 5657 Franken inzwischen mehr als doppelt so hoch (Stand 2017). Das Finanzamt hatte damit gerechnet, dass die lokale Steuerkraft – nach einem leichten Rückgang im letzten Jahr – wieder etwas ansteigen würde. Stattdessen stagnierte sie. Finanzvorsteherin Beutler erinnert allerdings mit einem Beispiel daran, dass die effektive Steuerkraft nicht allein vom Einkommen abhängt: «Zieht eine Familie mit drei Kindern und einem steuerbaren Einkommen von 150000 Franken hierher, hat dies bei der Steuerkraft eine eher negative Auswirkung, das ist anders, als wenn eine Einzelperson mit gleichem Einkommen kommt.»

Kommt hinzu: Nähert sich die lokale Steuerkraft dem kantonalen Mittel, schmilzt der Ressourcenzuschuss entsprechend – für die Stadt ein Nullsummenspiel. Dennoch: Finanzpolitisch, das ist ein offenes Geheimnis, ist es ungünstig, sich als Familienstadt zu positionieren. Gut betuchte Einzelverdiener zahlen sich für den Fiskus mehr aus.

Zu wenig neue teure Wohnungen

Die Fachabteilung Stadtentwicklung hatte sich für 2018 entsprechende Ziele gesetzt, um Besserverdienende nach Winterthur zu locken, diese aber nicht ganz erreicht: Jede vierte neue Wohnung sollte im hochpreisigen Segment gebaut werden, stattdessen war es jede siebte. Und nur jede zweite neue Wohnung sollte mittelteuer werden, stattdessen waren es drei von vier. In einem Punkt aber übertraf die Stadt beziehungsweise das House of Winterthur seine Vorgaben. Die Kontakte zu Firmen und Verbänden schraubte man im letzten Jahr von 110 auf 142 hoch: Auf dass die Unternehmenssteuern künftig sprudeln.

Erstellt: 03.04.2019, 05:46 Uhr

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